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Wie wirkt ihr auf eure Umwelt, wie gut könnt ihr "normal" weiterleben?

15. August 2010 um 20:41 Letzte Antwort: 16. August 2010 um 9:51

Hallo ihr Lieben,

da ich nun schon seit Tagen "streit" mit meiner besten Freundin habe, geht mir nun die Frage durch den Kopf, wie könnt ihr mit euren Diagnosen und Behandlungen "normal" weiterleben, wie schafft ihr es, eure Trauer, Ängste und vielleicht sogar Hass bei euch zu behalten?

Ich habe nun ja gerade PU und Transfer hinter mir und seitdem möchte ich keinen wirklich sehen und auch keinen hören und melde mich so gut wie gar nicht mehr und möchte auch keine Fragen, denn diese finde ich gerade belastend. Aber meine Freundin zb. kann diese Abstinenz von allen und jedem nicht nachvollziehen und sagt, sie würde mich immer anrufen und mit mir reden wollen und ist verletzt von mir.

Auf der anderen Seite ertrage ich kein Glück (egal um welches es sich handelt) anderer zur Zeit, deswegen entferne ich mich gerade so und da ich krankgeschrieben bin seit drei Wochen ca, habe ich anscheinend die Treppe zur Außenwelt verloren.

Wie schafft ihr das?

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16. August 2010 um 7:50

Willkommen im Club
Mal klappt es besser, "normal" zu sein, mal schlechter, mal gar nicht. Alleine im Job zu funktionieren, ist anstrengend genug, da ziehe ich mich manchmal privat auch etwas zurück. Das ist wohl ganz normal, die Behandlung ist halt physisch wie psychisch sehr anstrengend und verbraucht manchmal die ganze, vorhandene Kraft und vielleicht sogar etwas mehr.
Du und Deine Umwelt werden das trotzdem irgendwie verkraften.
Vielleicht hilft es, wenn Du Deine Freundin bittest, nur über die Behandlung zu sprechen, wenn Du davon anfängst, und ansonsten ganz normale Dinge zu bereden/zu machen?

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16. August 2010 um 8:15

Hallo
Ich muss sagen, so schlimm war es bei mir nie. Klar dachte ich manchmal, wieso wir!?
Ging aber durch die ganze Zeit mit einer Art Gelassenheit und Zuverersicht. Endlich wurde was getan, nach all den Jahren des "ÜBENS" für nichts.
Was sagt den Dein Mann, ist er keine Hilfe? Meiner hat mir die Wünsche von den Augen abgelesen, war auch nicht schlecht
Gewusst hat von der Behandlung niemand, meine Freundin/Kollegin wunderte sich über die vielen Termine, vor allem schon vor der Arbeit, kam immer 15 Minuten zu spät, wenn ich in die KIWU-Praxis musste. Dann hab ich ihr es doch erzählt und sie hörte zu. Auch wenn sie nicht betroffen war, hatte sie Verständnis.
So wie es sich bei Dir anhört, würde ich mich in Deiner Praxis nach Unterstützung umhören. Treffen von Betroffenen wird manchmal angeboten und bei mir hatten sie psychologische Unterstützung empfohlen, gleich schon bei den Vorgesprächen draufhingewiesen, wie anstrengend es werden wird.
Keine Panik, Du bist sicher nicht eine Ausnahme, aber Jemand im Ausnahmezustand!!!!

Ich drücke Dir die Daumen, dass alles klappt!

LG Katja

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16. August 2010 um 9:51

Hallo
Ich habe es keiner meiner Freundinnen erzählt, somit komme ich auch nicht in die Situation, mich rechtfertigen zu müssen. Ich kann dir dazu nur raten. Außer du bist ein Typ, der unbedingt mit Freunden darüber reden möchte.

Die einzigen, mit denen ich darüber reden kann, ist mein Mann und ihr hier. Wobei ich am meisten mit euch hier Kontakt habe und über alles rede. Das tut mir gut. Freunde, die nicht in der gleichen Situation sind, können dir zuhören, dich verstehen oder auch nicht. Du kannst dich mit denen aber nicht austauschen, weil sie dieses Leid nicht kennen und nicht verstehen.

Ich versuche die Zeit vor der Behandlung zu genießen. Verscuhe mich an Kleinigkeiten zu erfreuen. Wie z.B. (hört sich vielleicht blöd an) ich kaufe mir ein Parfüm und freue mich jeden morgen dieses aufzutragen. Oder gehe shoppen. Oder ich gehe mit meinem Mann und Freunden essen. Versuche über andere Sachen zu reden. Mich abzulenken. Einfach fröhlich zu sein. Natürlich mit dem Hintergedanken, dass die Behandlung bald anfängt und die Hoffnung zu haben, dass es vielleicht klappt. Ich versuche mich auf die Behandlung zu freuen, weil sie mir irgendwie Kraft gibt. Ich weiß, ich tue etwas, was mich vielleicht weiterbringt.

In der Zeit während der Behandlung und in der WS ziehe ich mich meistens auch zurück. Versuche zu entspannen. Bin meistens durch die Medis total fertig und müde. HAbe meistens dann auch keinen Kontakt zu niemandem. Und das tut mir gut.

Mach das, wozu dir gerade ist. Wenn es dir besser geht, Abstand zu Freunden zu halten, dann tue es auch. Wenn dir die Isolation gut tut, dann ist es ok. Wenn aber nicht, dann versuche ab und zu Kontakt zu anderen zu haben. Telefonieren oder einfach mal treffen. Wenn du merkst, dass baut dich auf, dann mach weiter. Wenn dir das Thema KInder nicht passt. Versuch auf ein anderes Thema überzuleiten. Oder sag es deinen Freundinnen, dass dir das Thema nicht gut tut. Auch wenn sie es nicht verstehen, sie werden dann sicher nicht weiterreden. Falls dich deine Freundin gerade nicht verstehen kann. Ist nicht schlimm. Sie muss/kann es auch nicht. Wenn du dich so wohl fühlst, dann halte Abstand. Wenn es denn hoffentlich bald klappen sollte, gibt es immer noch genügend Zeit auf die Freundin zuzugehen und sich darüber zu unterhalten. Sie wird es dann verstehen. Wenn nicht, dann ist es vielleicht keine gute Freundin.

Dass du das Glück anderer nicht ertragen kann, ist eine normale Reaktion. Das hatte jeder von uns. Besonders wenn man gerade ein negativ kassiert hat. Das wird sich hoffentlich bald bei dir ändern und dann gehörst du zu den Glücklichen!!!

Bei mir ist es auch oft ein Auf und Ab. Mal geht es mir gut, mal besser und mal schlechter. Versuche mich immer aufzurappeln. Und das ist wichtig. Lass dich nicht zu sehr fallen. Denn wenn du hoffentlich bald dein Kind in den Armen hälst, dann brauchst du deine Kraft, Energie, Liebe für das Kind...was ist, wenn du sie nicht mehr hast. Das möchtest du nicht oder?!

Vielleicht hilft das (wurde mir letztens auch gesagt, was ich sehr gut und aufbauend finde)! Sag dir immer, du wirst ein Baby bekommen und nicht du wünscht dir ein Baby!

Ich wünsche dir ganz viel Glück!

LG Laura

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