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Wie aus meiner geplanten Hausgeburt ein Kaiserschnitt wurde.... Ziemlich langer Geburtsbericht!

25. Juni 2009 um 14:21

Da ich immer gern die Geburtsberichte hier gelesen habe, möchte ich nun auch meinen zum Besten geben. Leider ist die Geburt ganz anders gelaufen als ich es mir gewünscht habe, und ganz schwache Gemüter sollten vielleicht besser nicht mitlesen. Trotzdem ist mein Kleiner gesund und munter zur Welt gekommen und wächst und gedeiht prächtig und ist mittlerweile schon 11 Wochen alt.

Ist ganz schön lang geworden, aber wenn schon, dann wollte ich auch alles genau wiedergeben:

Nach einer absolut komplikationsfreien Schwangerschaft war der 14.04.2009 mein errechneter Termin. Das war ein Dienstag.
Wir hatten eine Hausgeburt geplant, da ich noch nie im Krankenhaus war und auch der Ansicht war, dass eine Geburt etwas ganz Natürliches ist, wofür man keine medizinische Betreuung braucht, solange alles gut läuft. Wohl aber eine gute Hebamme, die ich hier im Geburtshaus kennenlernte. Sie bereitete alles mit mir vor, und zur Geburt sollten zwei Hebammen aus dem Geburtshaus anwesend sein, je nach Rufbereitschaft. Ich freute mich auf die Geburt, auf dieses einzigartige Erlebnis, obwohl ich auch großen Respekt davor hatte und wusste, dass ich sicher an und auch über meine Grenzen gehen musste.
Bis zu diesem Dienstag, dem ET, sah es bei mir nicht annähernd nach Geburt aus. Die CTGs zeigten überhaupt keine Wehen, mein Kleiner war noch nicht einmal fest im Becken. Ab und an hatte ich zwar einige Übungswehen, die aber meist schnell wieder weg waren.
Aus diesem Grund stellte ich mich schon darauf ein, dass ich mindestens eine Woche übertragen werde. Doch dann am besagten ET fand ich beim normalen Toilettengang einen Teil des Schleimpfropfes im Slip, etwa walnussgroß. Der sah aus wie Eiweiß, nur von der Konsistenz her war er wie Gelee. Weiter tat sich nichts. Man weiß ja auch, dass es ab Ablösung des Pfropfes bis zur Geburt durchaus noch zwei Wochen dauern kann, daher machte ich mir keine großen Hoffnungen auf eine baldige Geburt. Am nächsten Tag, Mittwoch, ET+1, hatte ich wieder einen Teil des Schleims in der Hose. Außerdem hatte ich wieder einen Termin zum CTG im Geburtshaus. Dabei waren dann schon leichte Wehen zu sehen, die alle 5 Minuten kamen und die ich zwar spürte, aber nur gaaanz leicht. Am nächsten morgen, Donnerstag und ET+2 merkte ich zunächst nichts mehr von den Wehen, jedoch wurden diese über den Mittag und zum Nachmittag hin wieder spürbar. Gegen 17.00Uhr hab ich mich in die Badewanne gelegt, da hat es schon ganz schön geziept bei jeder Wehe. Das verstärkte sich noch in der Wanne, war aber gut auszuhalten. Die Abstände betrugen 4-5 Minuten. Etwa um 20.00Uhr ging ich aus der Wanne aufs Sofa. Die Wehen kamen immernoch und regelmäßig und haben echt gezogen, im Rücken und am Muttermund. Ich probierte sie schon mal zu veratmen, was ohne Probleme gelang und den Schmerz fast verschwinden ließ bei jeder Wehe. Langsam war ich mir sicher, dass das nicht wieder Übungswehen sind und ich rief die Rufbereitschaftsnummer meiner Hebammenpraxis an, da war es 21.30Uhr. Die Hebamme meinte am Telefon, ich würde mich zwar nicht so anhören, als ob das Kind gleich käme (da ich noch sehr gefasst war und viel erzählt habe am Telefon), aber sie wäre ohnehin ganz in der Nähe und käme gleich mal vorbei. Um 22.00Uhr war sie dann da und untersuchte mich. Diagnose: MuMu noch zu, GMH steht noch komplett. Sie sagte, dass das sicherlich der Beginn der Geburt ist, aber dass sie Wehen noch viel viel stärker werden müssten, damit sich etwas am Muttermund tut. Sie riet uns, noch ein wenig fernzusehen und dann bald auch zu schlafen. Falls die Wehen stärker werden sollten oder die Blase springen sollte, sollten wir wieder anrufen. Ich fand sie Diagnose zu dem Zeitpunkt ziemlich niederschmetternd. Ich hatte nicht erwartet, dass ich jetzt einen MuMu von 5 cm habe, aber die Wehen sollten noch viel viel stärker werden, nur damit der GMH verstreicht??? Ich fand die Wehen schon ganz schön knackig, dafür dass sie gar nichts bewirkten. Es kamen ein paar Zweifel bei mir auf, ob ich eine Geburt zuhause überhaupt schaffen konnte.
Trotzdem befolgten wir den Rat, bald ins Bett zu gehen. Mein Freund schlief komischerweise sofort ein. Und so lag ich da. Wehen kamen und gingen, ich hab fleißig veratmet. Zwischendurch bin ich schon ab und an weggedöst, das habe ich gemerkt, weil ich doch manchmal mitten in einer Wehe aufgewacht bin, als es zum veratmen schon zu spät war. Am nächsten Morgen war die Situation unverändert. Ich hatte kaum geschlafen, es ging mir so viel durch den Kopf. Die Wehen kamen unverändert, alle 4-5 Minuten und waren genauso zu veratmen wie auch schon am Abend und in der Nacht. Von 8.00-10.00Uhr am Freitag, ET+3, ging ich wieder in die Badewanne, da das sehr angenehm war. Dann sagte ich meinem Freund, er solle doch bitte nochmal bei der Rufbereitschaft anrufen. Ich wollte wissen, was man tun könnte um das Ganze etwas anzutreiben. Mittlerweile hatte eine andere Hebamme Dienst und kam gegen 11.00Uhr mit einer Schülerin vorbei. Die beiden waren schon von der vorherigen Hebamme über mich unterrichtet worden. Ich erzählte kurz, dass alles noch genauso war und wurde dann untersucht. Ich machte mir keine großen Hoffnungen, aber tadaaa- sie tastete und sagte: ist doch alles schön, MuMu 4 cm geöffnet! Dann ging sie ins Nebenzimmer um ein paar Vorsorgetermine für den Nachmittag zu verschieben, da sie eine Frau zu betreuen habe, die mitten unter der Geburt ist. Ich hab bald geheult vor Erleichterung!! Dafür, dass die Wehen nun endlich etwas bewegten und der MuMu sich öffnete, sogar schon auf 4 cm, waren sie von der Stärke her völlig okay, fand ich. Ich war wieder wirklich motiviert. Die Hebamme fragte mich, wann ich das letzte Mal groß zur Toilette war, und weil das schon zwei Tage her war (jaja, die Schwangerschaftsverstopfung), schickten wir meinen Freund schnell zur Apotheke um einen Einlauf zu holen. So bekam ich den dann und entleerte mich, was ziemlich erleichternd war. Komischerweise hatte ich während des Besuchs eine Wehenpause, was aber laut Hebamme normal wäre, durch die Ablenkung. Sie erklärte mir noch, dass die Wehen, die den GMH verstreichen lassen, oftmals ziemlich fies sein können, und dass ich die Wehen aus der Nacht und vom Vorabend genau deshalb als relativ stark empfand.
Sie riet uns, nochmal ein wenig zu schlafen und dann etwas spazieren zu gehen. Sie wollte am Nachmittag wiederkommen. Wieder mit der Ansage, bei Blasensprung oder stärkeren Wehen sofort anzurufen.
So kuschelten mein Freund und ich uns aufs Sofa und ich konnte, vielleicht auch weil ich so erleichtert war, erstmal 1,5 Stunden schlafen. Die Wehen waren total schwach geworden, was mir zu dem Zeitpunkt aber auch ganz recht war. Ich wusste ja, dass es nun wirklich begonnen hatte. Als wir wieder wach wurden, machten wir uns auf den Weg, etwas spazieren zu gehen. Das war sehr angenehm und die Wehen wurden langsam wieder stärker. Ich musste sie auf jeden Fall veratmen, allerdings ging das auch im gehen noch ganz gut, ich musste nicht stehen bleiben. Zuhause ging ich wieder in die Wanne, wo es mir aber zu heiß war. Mittlerweile hat die Hebamme angerufen und gefragt, ob sie nochmal kommen sollte, was wir gerne annahmen. Gegen 16.00Uhr kam sie also wieder vorbei. Befund: keine Veränderung, MuMu bei 4 cm und aber ganz weich! Natürlich hätte ich mir mehr gewünscht, aber eine Geburt dauert eben, das hört man ja öfter. Sie löste mir dann noch den Eipol. Da ich sowieso einen Termin zum CTG im Geburtshaus am Abend hatte bei meiner Schwangerschaftshebamme und weil die Rufbereitschaftshebamme einen GVK zu der Zeit im Geburtshaus geben musste, verabredeten wir uns um 19.00Uhr im Geburtshaus, sofern sich bis dahin nichts ergeben haben sollte. Mir ging es eigentlich echt gut, ich merkte so noch keine große Erschöpfung, hatte immer im Hinterkopf, dass eine Geburt sich eben vor allem beim ersten Kind schon mal hinziehen kann. So nahmen wir den CTG-Termin abends tatsächlich wahr und ich sah meine Schwangerschaftshebamme. Erstmal freuten wir uns, dass meine Geburt endlich losgegangen war. Dann wurde das CTG geschrieben. Wehen waren da, das wusste ich ja, und das wurde auch deutlich angezeigt. Leider gingen bei jeder Wehe die Herztöne des Kleinen runter. Meine Hebamme untersuchte mich dann anschließend, Ergenbis: MuMu 2cm und total hart und knorpelig, wie sie sagte. Ihr Blick war irgendwie verkniffen. Schock für mich!! Ich dachte ja, ich wäre auf alles vorbereitet und gut belesen für die Geburt. Aber dass sich ein MuMu auch wieder schließen kann, dass hab ich ja noch nie gehört!! Die beiden Hebammen berieten sich kurz über das CTG, meinten dann, das kann schon mal sein, die Beurteilung eines CTGs kann manchmal schon schwierig sein. Die Rufbereitschaftshebamme meinte dann, wir sollten doch nochmal nach Hause fahren uns etwas ausruhen und wiederkommen gegen 22.00Uhr, wenn ihr Kurs zuende ist, um nochmal ein CTG zu schreiben. Gesagt getan. In der Stunde, die wir zuhause hatten, sagte ich meinem Freund er solle schon mal Brote schmieren, wenn wir wieder ins Geburtshaus fahren nehmen wir die für den Notfall gepackte Tasche mit, das wird hier zuhause mit der Geburt nichts mehr. In der Zwischenzeit lag ich im Wohnzimmer auf dem Sofa und habe veratmet. Wusste nicht was ich denken sollte, und was das noch werden sollte. Trotzdem motivierte ich mich noch einmal. Ich wusste, dass die Hebammen niemals wissentlich ein Risiko eingehen würden und dass der Kleine immernoch auf natürlichem Wege und außerklinisch zur Welt kommen konnte.
Wir fuhren also gegen 22.00Uhr wieder ins Geburtshaus. CTG unverändert. MuMu bei 4 cm. Aber hart. (Vermutlich hatte sich am MuMu gar nichts getan und jede Hebamme misst einfach etwas anders.). Und: Die Hebamme sagte uns, dass sie versucht hatte, die Lage des Babies zu ertasten anhand der Fontanelle. Aber der Kleine hatte zu dem Zeitpunkt schon eine Geburtsgeschwulst, sodass sie nichts mehr tasten konnte. Der Kleine wurde mit jeder Wehe gegen den sich nicht öffnenden MuMu gedrückt und hat daher schon eine Beule am Köpfchen bekommen. In der nächsten Wehe versuchte die Hebamme, den Muttermund mit den Fingern zu dehnen. Das war sehr unangenehm, brachte aber leider auch nichts.
Wir gingen aus der Hebammenpraxis nach nebenan in die Räume des Geburtshauses. Ich durfte mir ein Zimmer aussuchen und legte mich dort aufs Bett, mein Freund hinter mich. Die Hebamme setzte sich zu uns und erklärte uns, dass wir hier gern noch eine halbe Stunde bleiben könnten, wenn der Befund dann immer noch unverändert wäre, dann wurde sie uns gern in die Klinik bringen. Sie würde sich einfach zu große Sorgen um das Baby machen und meinte, dass ich und das Baby mit medizinischer Versorgung einfach besser aufgehoben wären.
Gegen 23.30Uhr waren wir in der Klinik.
Ich war da gelandet, wo ich auf keinen Fall hinwollte. Die Rufbereitschaftshebamme erklärte der Krankenhaushebamme die Situation, hielt mir noch die Hand während mir der Zugang gelegt wurde und verabschiedete sich gegen Mitternacht. So waren wir also da im Kreissaal, mein Freund und ich. Ich kannte mich dort überhaupt nicht aus, hatte mir das KH vorher gar nicht angesehen, da ja ich außerklinisch entbinden wollte. Die KH-Hebamme kam dann zu uns und fragte uns nach dem weiteren Vorgehen, nachdem sie mich untersucht hatte (MuMu 3cm, Fontanelle nicht tastbar). Sie machte den Vorschlag, sich mit einem Schmerzmittel zunächst 1,5 Stunden auszuruhen und dann den Wehentropf zu geben, um die Wehen anzukurbeln. Eigentlich wollte ich gleich den Wehentropf, ich fühlte mich überhaupt nicht müde und wollte jetzt endlich mal vorankommen mit der Geburt. Außerdem dachte ich, die 1,5 Stunden würde ich, statt mich zu entspannen, sowieso einfach nur warten. Sie überredete mich aber und verabreichte mir ein Schmerzmittel per Tropf (Buscupan??). Dann schob sie uns ein KH-Bett in den Kreissaal und meinte, wir sollen versuchen zu schlafen. Der Tropf machte mich irgendwie seelig und ruhig. Aber da ich permanent ans CTG angeschlossen war und auf der anderen Seite den Tropf im Arm hatte, konnte ich einfach nicht schlafen. Da waren ja auch noch die Wehen. Mein Freund hingegen schnarchte sofort los. Ich döste so vor mich hin. Guckte mir das CTG an, das immernoch aussah wie vor Stunden, die Herztöne gingen mit jeder Wehe runter. Die Wehen an sich hatten sich verändert in Mutter-Kind-Wehen, zunächst ein großer Ausschlag und dann im Anschluss noch ein etwas kleinerer Ausschlag.
Gegen 7.00 morgens, am Samstag ET+4, stand ich auf. Geschlafen hatte ich glaub ich genauso wenig wie in der ersten Nacht. Mittlerweile hatte eine andere Hebamme Schicht, die dann kam und sich vorstellte. Sie war sehr nett, meinte aber, mit diesem Befund könnten wir doch eigentlich nochmal nach Hause gehen. (Ich dachte ich höre nicht richtig) Trotzdem höflich fragte ich nach, was denn mit den Herztönen wäre. Sie fragte zurück, was denn damit wäre und ich antwortete, dass die doch mit jeder Wehe schlecht wären, und ob ich so einfach nach Hause gehen sollte. Da meinte sie, dann untersuche ich sie wohl nochmal und schreibe ein CTG. Befund: MuMu 3cm (ich hatte schon gar nicht mehr gehofft, die Wehen waren nach wie vor nicht stärker geworden), aber Herztöne schlecht wie gehabt.
(Soviel dazu, wie im KH die Schichten übergeben werden, nämlich anscheinend gar nicht. Im Übrigen nervte es mich, dass man anscheinend der Auffassung war, dass ich noch gar nicht unter der Geburt war).
Gegen 8:30 etwa kam dann der Arzt zu mir. Untersuchte mich, MuMu 3cm, Kind angeblich noch nicht im Becken, Geburtsgeschwulst konnte er gar nicht fühlen.
Ich wusste gar nicht, wie ich mich noch fühlen sollte. Langsam bekam ich Angst, was das noch werden sollte. Der Arzt wollte noch einen US machen, um genauer nach dem Baby zu sehen, es würde aber auf den Wehentropf hinauslaufen.
Der Ultraschall war der Hammer: Währenddessen fragte er uns die ganze Zeit aus, warum ich eine Amniozentese hatte, ob wir die Nackenfalte haben messen lassen, ob wir sonst noch Vorsorgeuntersuchungen hatten usw. . Er sagte, ich hätte nur noch wenig Fruchtwasser. Außerdem fragte er, was denn das Baby beim letzten US gewogen hätte (31. SSW, 1600g). Als er mit dem US-Gerät wieder draußen war, fragte ich meinen Freund ob er nun auch glaubte, dass irgendwas mit dem Baby nicht in Ordnung sein musste. Er sagte nur, er wüsste es nicht, aber irgendwie wäre das komisch. Als die Hebamme kam um mir den Wehentropf anzustöpseln fragte ich sie, ob irgendwas nicht stimmte. Sie meinte nur, das Baby würde nur 2500g wiegen und könnte vielleicht deshalb mit den Wehen nicht so gut umgehen.
Die Wehen wurden mit dem Tropf wirklich stärker und ich musste ordentlich veratmen. Nach einer halben Stunde kam auf einmal eine Ärtzin und stellte sich vor. Das Baby könnte die Wehen mit dem Wehentropf überhaupt nicht vertragen, die Herztöne wären noch tiefer gesunken. Der Tropf müsste ab. Sie verabschiedete sich kurz, mein Freund war derweil mal etwas nach draußen gegangen um Luft zu schnappen. Wie ich so alleine da auf der Liege im Kreissaal lag, musste ich auf einmal ziemlich anfangen zu weinen. Die Hebamme kam herein, um mir den Wehentropf abzunehmen und fragte mich, was los sei. Ich sagte, dass ich nicht mehr weiter weiß und mir solche Sorgen um mein Baby machen würde. Sie versuchte mich zu trösten, und meinte, wenn es denn gar nicht mehr ginge, könnte man immer noch einen KS machen, das Baby ist nicht in Gefahr. Mein Freund kam wieder an dann auch die Ärztin, die mich nochmal untersuchte. MuMu 4cm, aber butterweich. Trotzdem, Wehentropf macht das Baby nicht mit. Wir haben noch eine Möglichkeit: Fruchtblase sprengen, dem Baby Blut abnehmen um zu gucken wie es ihm geht und hoffen, dass die natürlichen Wehen stärker werden und das Baby sie besser verträgt. Wenn nicht könnte man immernoch einen Not-KS machen.
Mit Horrorgeschichten von Not-KS mit Vollnarkose oder schlecht wirkender PDA im Kopf blieben wir im Kreisaal zurück. Ich erklärte meinem Freund, dass ich auf jeden Fall wach sein will bei der Geburt, aber dass mir einen schlecht sitzende PDA zu unsicher ist. Ich war mir so sicher, dass die natürlichen Wehen für das Baby genauso schlecht wären, schließlich waren die Herztöne schon vor dem Tropf schlecht unter den Wehen.
Ich weiß noch genau, dass ich mir dachte: Überleg dir das ganz genau, nicht dass du dich hinterher ärgerst. Aber in der Situation war für mich so klar, dass es auf einen Not-KS hinauslaufen muss, dass wir uns entschieden haben, jetzt schon nach einem KS zu fragen, in Ruhe, mit ordentlicher Spinale, sodass ich wach sein und mein Freund dabei sein kann und wir das Baby gleich nach der Geburt begrüßen können.
Wir unterbreiteten der Ärztin den Vorschlag und sie willigte sofort ein. Sie war zwar erstaunt, da ich ja eine Hausgeburt wollte und jetzt doch einen KS, aber sie klärte mich sofort über die Risiken auf, ich unterschrieb und fühlte mich unglaublich erleichtert. Und ich merkte, wie müde ich eigentlich war. Ich bekam einen Wehenhemmer (endlich keine Wehen mehr!!) und wurde rasiert, bekam einen Katheter gelegt. Mein Freund wurde in OP-Kleidung gesteckt, da war ich schon im OP und bekam die Spinale, die auch sofort wirkte. Dann kam mein Freund hinzu und der KS begann. Es dauerte voll lange, fand ich. Ich dachte immer, beim KS ist das Kind voll schnell da. Aber ich schnappte witzige Dinge in der Zeit von der Ärztin auf. Das ging von man ist das eine dicke Vorderwand, so eine dicke Vorderwand hatte ich ja noch nie, ist die dick, man ey über .was sind das denn da nur für Gefäße, da muss ich aber aufpassen, was sind das denn nur für welche bis hin zu wo ist denn jetzt das Skalpell? woraufhin ich nur sagte: Hoffentlich steckt es nicht irgendwo und Sie vergessen es in mir drin
Irgendwann ertönte dann der erste Schrei. Da war es 11:21 Uhr. Leider wurde der Kleine uns gar nicht gezeigt, sondern erst 5 Minuten (gefühlt 5 Stunden!!) später, nach der U1 gebracht. Mein Freund hielt ihn dann links neben meinem Kopf und hat geschnieft und geweint. Ich hab ihn mir dann angeschaut und er hat mich angeschaut. Der war so süüüß. Vom Verstand her muss das wohl der glücklichste Moment in meinem Leben gewesen sein, aber vom Gefühl her war da nur immernoch die Erleichterung, aber keine Glücksgefühle oder Freude. Mein Freund nahm ihn dann mit in den Kreissaal, während ich zugenäht wurde. Auf dem Weg über den Flur rutschte ihm noch die übergroße OP-Hose runter, doch er wollte die Hände nicht von unserem kleinen Mann nehmen, so ging er mit runtergelassener Hose . Dort im Kreissaal legte er sich den Kleinen auf die nackte Brust, bis ich kam, dann durfte er auf meine Brust. Ich konnte ich schon dort anlegen, bzw ich versuchte es, es war nur keiner da um mir zu helfen, daher war es nur so ein Geschmatze.
Der Kleine wog übrigens 3210g und hatte sehr wohl eine Geburtsgeschwulst!! (Der Arzt war einfach ein Blödmann.). Er war 51 cm groß und hatte einen KU von 33cm. Eigentlich hätte er leicht auf die Welt zu bringen sein müssen, von der Größe und vom KU her.

Die Tage nach dem KS waren sehr schmerzhaft und ich konnte mich kaum um den Kleinen kümmern. Gottseidank konnten wir ein Familienzimmer im KH beziehen, sodass mein Freund den Kleinen immer zu mir brachte und ihn mir abnahm und sich auch ansonsten um ihn kümmerte. Nach vier Tagen verließen wir freiwillig das KH.
Das Stillen klappt auch zum Glück, ich hatte wegen des KS ein paar Bedenken.

Es fällt mir immernoch schwer, die Geburt endlich so anzunehmen, immerhin ist ja eigentlich alles gut gegangen. Ich ärgere mich so über den Arzt, der es geschafft hat, uns so zu verunsichern, dass wir richtig Angst um den Kleinen bekommen haben.
Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass sie uns auch ein bisschen in Richtung KS geschubst haben. Denn nach der Geburt waren alle Werte absolut in Ordnung, es war zu keinerlei Unterversorgung gekommen.
Auch ärgert es mich, dass ich nicht gewusst habe, dass es nicht unbedingt was Schlechtes heißen muss, nur weil die Herztöne sich unter den Wehen ändern, bzw. dass uns das keiner so ausdrücklich gesagt hat. Ich wusste zwar, dass man im KH seinen Mund aufmachen muss und dass dort vieles sehr automatisiert geschieht, aber unter der Geburt vergisst man eben auch viel um sich herum .

Aber nicht vergessen:
So eine Geburt wie ich sie hatte ist eher die Ausnahme, also alle die ihre Geburt noch vor sich haben: Freut euch, das werdet ihr nicht so oft im Leben erleben! Und so ein Kind ist wirklich ein ganz besonderes Geschenk, so abgedroschen das klingen mag, mein Kleiner macht mich mit jedem Lächeln soooo glücklich!

An alle, die hier angekommen sind:
Danke fürs Lesen und fürs Anteilnehmen an meinem Geburtserlebnis und euch alles Liebe und Gute

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26. Juni 2009 um 16:00


Ich finde Deinen Bericht trotz oder gerade wegen der Länge sehr mutmachend, weil er zeigt wieviel Kraft wir Frauen doch aufbringen um Kinder zur Welt zu bringen. Und diese Kraft steckt in jeder von uns !!!

Ich hätte auch so gerne eine Hausgeburt *seufz.

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26. Juni 2009 um 16:14

Erstmal
herzlichen Glückwunsch zum gesunden Sohnemann!
Dein Geburtsbericht könnte auch meiner sein, mit dem einzigen Unterschied daß ich von Anfang an im KH war und am zweiten Tag meine Fruchtblase geplatzt ist und somit Blut aus dem Köpfchen entnommen werden konnte.

Alles Gute,
Julia

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26. Juni 2009 um 20:18

Wow
was ein text
Glückwunsch erstmal noch!
Ich finde es ganz ganz stark von euch wie schnell ihr euch für den KS entscheieden habt...und es liest sich so als wäre es auch das richtige gewesen......(das richtige vor einem mörder geburts marathon!)

Alles alles gute euch!

GLG Katrin & Fynn (15 Monate) & Mia inside (22.Wo)

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27. Juni 2009 um 0:13

Hallo!!
erst mal alles gute zu deiner geburt und toll, dass der kleine nun endlich da ist!
das war ja eine ganz schön spannende "geschichte". zum glück ist alles gut gegangen und habt euch wirklich tapfer geschlagen.
mein sohn ist letztes jahr per hausgeburt zur welt gekommen. daher kann ich dir sagen, dass man sich nachher auch über sachen im geburtsverlauf ärgern bzw. traurig sein kann, selbst wenn der geburtsort der richtige war. die geburt dauerte bei mir auch ziemlich lange (30 std., im gegensatz zu dir fast ein kindergeburtstag), von daher gab ich in der heißen phase alles um meinen sohn endlich zur welt zur bringen. mit dem ergebnis dass ich nachher ziemlich ramponiert untenrum war. ich habe mich darüber geärgert, dass trotz der ansonsten guten hebammen, ich keine ahnung hatte, ob ich noch genug zeit hatte oder eben nicht.
naja, aber im ergebnis steht doch, dass unsere schätze wohlbehalten in unseren armen liegen und das ist und bleibt das wichtigste! und deine trauer über den geburtsverlauf wird auch weniger, glaub mir! vllt ergibt sich nochmal die gelegenheit, das aufzuarbeiten. manchmal ist das im rückbildungskurs enthalten.
euch alles gute weiterhin!

vg

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