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Wenn die Vorstellungen auseinander gehen

23. Januar 2018 um 9:03 Letzte Antwort: 23. Januar 2018 um 19:27

Hallo! 

Ich weiss nicht ob das das richtige Forum ist - sonst bitte verschieben. Aber vom Thema her passt es. 

Ich bin nämlich in einem kleineren Dilemma. Womöglich mache ich mir nur unnötig Sorgen, aber ein bisschen verzweifelt bin ich schon. Ein paar Einzelheiten über mich: Ich bin Mitte 20 und seit ein paar Jahren mit meinem Freund zusammen. Unser Altersunterschied ist etwas grösser als "gewöhnlich", aber das war nie ein Problem - bis jetzt. 

Unsere Ansicht zum in einer Beziehung sehr wichtigen Thema "Familiengründung" geht nämlich in der elementarsten Frage auseinander: Kinder ja oder nein? 

Wir werden häufig gefragt, wann es denn bei uns soweit sei. Mein Freund hat sich etwas Geld angespart und möchte sich davon ein Haus kaufen. Wenn wir im Freundeskreis von einer Hausbesichtigung erzählen und darüber reden, was uns an der Hütte gefallen hat oder nicht kommt oft als erstes: "Dann kommen sicher bald die Kinder!" - mich stresst das total und ich könnte diesen Leuten echt an die Gurgel gehen. 

Solche Sprüche haben aber mit der Zeit dazu geführt, mich ernsthafter darüber nachzudenken zu lassen. Und je länger ich daran studierte und das Thema "Kinder" mit meinem Leben in Verbindung brachte, umso mehr schreite es in mir: "Nein, ich will keine Kinder!" Es ist immer ein bisschen heikel, das zu sagen, aber ich habe Kinder noch nie gemocht. Ich hasse es, wenn sie übermütig werden, habe nicht die Spur von Geduld, wenn sie schreien und was am wichtigsten ist: Süss finde ich fast keine davon, auch Babys nicht. Im Gegenteil: Sie ekeln mich. Diese Meinung hatte ich schon immer, ich konnte mir schon als Kind nur schlecht vorstellen, irgendwann Mutter zu werden. Über die Jahre hat sich dieses Bild nur noch gefestigt und (neben vielen anderen Gründen) auch zu einer Abtreibung geführt, als ich mit 19 ungewollt schwanger wurde. Ich bereue den Abbruch bis heute kein einziges Mal, ich bin sogar richtig froh darüber. Die kurze Schwangerschaft hat mich in meinen kinderlosen Bestrebungen nur zusätzlich gestärkt. Ich hatte alle Symptome die man haben kann in einer Intensität, die kaum auszuhalten war und mich tagelang ans Bett und die Kloschüssel fesselte. Damals fragte ich mich: Warum tun sich das Frauen an und vor allem: Warum sollte ich mir das antun müssen?

Egal, meine Idealvorstellungen sind hier nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass ich glaube sicher zu sein, dass sich diese Ablehnung gegenüber eigenen Kindern nicht so schnell ändern wird. "Das kommt schon noch", habe ich schon so oft gehört, und ja, vielleicht irgendwann, aber ich verlasse mich nicht drauf. Das sagt auch mein Freund immer wieder, der sehr gerne eigene Kinder hätte. Er weiss, dass ich lieber keine Kinder möchte, jedenfalls garantiert nicht in den nächsten fünf Jahren und das habe ich ihm schon früh in der Beziehung gesagt. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich nicht wissen könne, ob der Wunsch irgendwann kommen wird und ich keine Versprechungen machen werde. 

Wir haben schon ein paar Diskussionen darüber geführt und jetzt, wo ich mich momentan nach einer neuen Verhütungsmethode umsehe, kommt das Thema wieder mal auf. Er haucht mir ständig ins Ohr: "Wir machen mal ein Baby, ja?" und ich antworte ihm immer gleich: "Hm, vielleicht irgendwann." oder "Mal sehen." Langsam macht mich das richtig wahnsinnig und irgendwie auch ein bisschen traurig, wenn ich an meinen Freund denke. Er hätte schon sehr gerne eigenen Nachwuchs und je älter er wird, umso aktueller wird das Thema. Er sagt auch dass er Angst habe es am Sterbebett zu bereuen, nie welchen gehabt zu haben und ja, ich verstehe ihn sogar sehr gut. Aber es entspricht nicht meinen Vorstellungen. 

Ich habe diese Angelegenheit ein wenig zu einer Grundsatzfrage werden lassen. Soll ich warten, auf den Wunsch nach Kindern hoffen? Was passiert, wenn der Wunsch nie kommt? Soll ich dann aus Wohlwollen meinem Freund gegenüber Kinder bekommen? Soll ich zu meinen Wünschen stehen und es darauf ankommen lassen, dass er mich vielleicht irgendwann verlässt, weil ich nicht die Mutter seiner Kinder werden will? (Hat nichts mit der Persönlichkeit von meinem Freund zu tun, ich glaube er wäre ein guter Vater)

Naja, ich denke viele Paare haben diesen Konflikt zu lösen und ich hab schon einige Artikel darüber gelesen, aber keine persönlichen Erfahrungen von anderen gefunden. Meistens ist es ja eher das Gegenteil: Die Frau will unbedingt, der Mann nicht. Und weil ich glaube, dass ein paar Frauen in diesem Forum genau solche Männer "zuhause haben", würde ich mich natürlich freuen, wenn ihr mir erzählen könntet, wie ihr dieses Problem gelöst habt, welche Kompromisse ihr gefunden habt. Warum ihr dann doch Kinder gekriegt habt oder warum nicht und auch, ob ihr mit diesen Partnern zusammengeblieben seid.

Ich möchte nicht hören wie toll es ist, eigene Kinder zu haben, ich will mir hier nicht eine andere Meinung bilden. Ich möchte nur erfahren, wie andere Paare das gelöst haben. 

Ist ein bisschen lang geworden, sorry. Danke das ihr euch die Zeit genommen habt es zu lesen und mir die eine oder andere kreative Idee unterbreitet und von euch erzählt. 

Gruss, vinassa

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23. Januar 2018 um 9:30

Auch wenn ich Kinder habe, kann ich dich verstehen.
Stimmt, der Kinderwunsch kann noch kommen. Aber du hast ja auch nicht mehr alle Zeit der Welt, das Kinderkriegen wird mit zunehmenden Alter schwieriger. Und er wird ja auch nicht jünger.
Eure Beziehung wird sich an diesem Punkt entscheiden. Ihm zuliebe musst du Klartext reden. Ihm muss klar sein, worauf er sich einlässt. Ich würde kein Haus kaufen, oder heiraten, oder sonstwie eine nähere Bindung (auch finanziell) eingehen, bevor das nicht geklärt ist.

Sonst wirst du immer und immer wieder den schwarzen Peter in eurer Beziehung haben, weil du ihm etwas verwehrst, was er sich sehnlichst wünscht. Das wird nicht nur ihn, sondern auch dich belasten - von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, und immer zwischen euch stehen. Das ist grässlich!

Du solltest dich von ihm trennen, zu eurem beiden Besten, damit ihr Partner finden könnt, die auch wirklich zu euch passen.

Gut möglich, dass du auch einen Kompromiss vorstellen kannst? Indem du z.B. sagst, ok wenn ich 30 bin entscheiden wir noch einmal neu? Ich hab aber den Eindruck, dass das das Problem nur nach hinten verschieben wird.

Gleichzeitig möchte ich aber auch sagen, dass Partnerschaft immer ein Kompromiss ist. Es kann nicht nur nach der Lebensplanung des einen Partners gehen. Du solltest ein Kind also zumindest einmal in Erwägung ziehen, ernsthaft und ihm zuliebe. Dass man dem anderen zuliebe etwas zulässt oder macht, was man eigentlich nicht gewollt hat, gehört zur Liebe dazu. Aus diesem Grund steckt ihr aber auch in einem Dilemma. Er könnte nämlich auch von seinem Wunsch nach Kindern Abstand nehmen. Kann er aber nicht! Er kann genauso wenig aus seiner Haut raus wie du. Ich sehe deshalb für euch keine Zukunft.

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23. Januar 2018 um 9:57
In Antwort auf hallelujamaus

Auch wenn ich Kinder habe, kann ich dich verstehen.
Stimmt, der Kinderwunsch kann noch kommen. Aber du hast ja auch nicht mehr alle Zeit der Welt, das Kinderkriegen wird mit zunehmenden Alter schwieriger. Und er wird ja auch nicht jünger.
Eure Beziehung wird sich an diesem Punkt entscheiden. Ihm zuliebe musst du Klartext reden. Ihm muss klar sein, worauf er sich einlässt. Ich würde kein Haus kaufen, oder heiraten, oder sonstwie eine nähere Bindung (auch finanziell) eingehen, bevor das nicht geklärt ist.

Sonst wirst du immer und immer wieder den schwarzen Peter in eurer Beziehung haben, weil du ihm etwas verwehrst, was er sich sehnlichst wünscht. Das wird nicht nur ihn, sondern auch dich belasten - von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, und immer zwischen euch stehen. Das ist grässlich!

Du solltest dich von ihm trennen, zu eurem beiden Besten, damit ihr Partner finden könnt, die auch wirklich zu euch passen.

Gut möglich, dass du auch einen Kompromiss vorstellen kannst? Indem du z.B. sagst, ok wenn ich 30 bin entscheiden wir noch einmal neu? Ich hab aber den Eindruck, dass das das Problem nur nach hinten verschieben wird.

Gleichzeitig möchte ich aber auch sagen, dass Partnerschaft immer ein Kompromiss ist. Es kann nicht nur nach der Lebensplanung des einen Partners gehen. Du solltest ein Kind also zumindest einmal in Erwägung ziehen, ernsthaft und ihm zuliebe. Dass man dem anderen zuliebe etwas zulässt oder macht, was man eigentlich nicht gewollt hat, gehört zur Liebe dazu. Aus diesem Grund steckt ihr aber auch in einem Dilemma. Er könnte nämlich auch von seinem Wunsch nach Kindern Abstand nehmen. Kann er aber nicht! Er kann genauso wenig aus seiner Haut raus wie du. Ich sehe deshalb für euch keine Zukunft.

Danke für deine schnelle Antwort!

Naja, ich kann, wenn mir nichts gesundheitliches passiert, gut bis 35 schwanger werden, so um die zehn Jahre bleiben mir ja schon noch. Ihm eigentlich auch , wenn nicht noch viel länger. Mein eigener Vater ist bspw. mit 54 nochmals Vater geworden und bekommt das ganz gut hin. Aber klar, für meinen Freund muss das so nicht stimmen, das ist korrekt. 

Er sagt auch nicht, dass es sofort sein muss. Für ihn ist es kein Problem noch ein paar Jahre zu warten. Nur habe ich Angst das "in ein paar Jahren" mein Wunsch immer noch nicht da ist und er mir dann vorwirft, umsonst gewartet zu haben und da hast du natürlich recht mit dem schwarzen Peter. 

Tja, das Problem ist, dass wir bis auf die Kindsfrage super zueinander passen. "Wie die Faust aufs Auge." Er ist wirklich der perfekte Mann und wir ergänzen uns sehr gut. Das sagt auch er. Er könne sich nicht vorstellen, jemals mit einer anderen Frau zusammen zu sein. Er hat auch gesagt, dass er der Wunsch nach Kindern mir zuliebe hinten anstellen würde, aber das kauf ich ihm nicht ab und ich möchte ja nicht, dass er das tun muss um dann letztendlich unglücklich zu sein. 

Der Vorschlag, das Thema erst in ein paar Jahren neu zu beurteilen gefällt mir. Ich weiss ja nicht was bis dahin alles geschieht und wie ich mich entwickle, sodass ich bis dahin möglicherweise erkennen kann, was an einer eigenen Familie erstrebenswert ist. 

Manchmal habe ich darüber nachgedacht, ihn von seinem Wunsch "wegzulenken". Nicht direkt manipulieren, aber ihn gezielt mit all den (für mich) negativen, unschönen Folgen konfrontieren, die das Kinderkriegen bringen kann. Ich meine im Sinne von finanziellen Schwierigkeiten, die auf uns zukommen würden, dass wir unseren Lebensstil drastisch einschränken müssten (und an dem hängt mein Freund eben auch sehr), es mit Strandurlaub und Städtereisen erstmal für ein paar Jahre vorbei ist und er sein Konsumverhalten (was er mit mehrmahligen Restaurantbesuchen pro Woche und vielem Onlineshopping recht exzessiv lebt) nicht mehr so feiern kann, wie ihm der Geldbeutel gewachsen ist. Dass schlaflose Nächte uns den letzten Nerv rauben werden, das Windeln wechseln eine sehr grausige Arbeit ist und das ich in der Schwangerschaft zu einem giftigen, selbstbemitleidenden Biest werde, was er mit seinem sensiblen Gemüt wohl nicht so locker hinnehmen kann. 

Ich habe versucht all diese Konsequenzen anzusprechen, aber statt konkrete Lösungsansätze kommt immer wieder der gleiche Spruch: "Ach das kommt schon gut." oder "So schlimm, wird das schon nicht." - tja, und wenn doch? Wird er dem dann überdrüssig und geht dann wieder Vollzeit arbeiten um mich (wegen des schlechteren Lohns) dann "gerechtfertigterweise" als Hausfrau parkiert? Ich müsste da mal genaue, ernste Anworten von ihm kriegen. 

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23. Januar 2018 um 10:05

Ach ja @hallelujamaus 

Noch eine Frage. Du sagst, du hast Kinder. Seid ihr als Paar in dieser Hinsicht auf einer Wellenlänge (gewesen), wenn ich fragen darf?

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23. Januar 2018 um 19:27

Naja, er weiss ja eben im Prinzip woran er ist, das habe ich ihm etliche Male gesagt. Mir fällt es einfach schwer zu glauben, dass er mit meinen Vorstellungen von Kindern leben kann und kann auch nicht akzeptieren, dass er seinen persönlichen Wunsch zurücksteckt. Ich habe Angst, dass er in ein paar Jahren dann doch wieder kommt und mir vorhält, er habe jetzt so lange gewartet und doch gehofft, ich würde mich anders entscheiden, auch wenn ich ihm gesagt habe, dass ich mir ein Leben mit Kindern nur schlecht vorstellen kann. Verstehst du was ich meine? 

Worwörtlich hat er gesagt: Es wäre für ihn nicht so tragisch, wenn wir nie Kinder haben. Er will aber nicht, dass ich ihm diese Hoffnung jetzt schon zerstörte. Das erleichtert mir den Umgang mit ihm halt auch nicht, wenn er so fadenscheinige Äusserungen macht. Ich weiss wirklich nicht, was ich mit solchen Sätzen anfangen soll. 

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