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Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

11. März 2015 um 12:38

Es gibt viele Gründe, die zu einer Abtreibung führen können. Es gibt auch viele Gründe, es nicht zu tun. Das Leben ist eben auch hier nicht nur Schwarz oder Weiß. Uns erscheint es, als würde der Realität von uns Frauen zerrieben zwischen politischen Meinungen. Abtreibung ist nun seit gut 40 Jahren straffrei, aber die Gesellschaft redet immer noch nicht darüber. Wieso nicht? "Uns" ist das Team hinter dem Film und Buch "Tabu Abtreibung", ein Projekt von Renate Günther-Greene. Sie hat selber abgetrieben und sich viele Jahre später mit dem Erlebnis auseinandergesetzt. Als sie sich mit anderen Frauen austauschen wollte, war sie wieder da: die Mauer des Schweigens. Eine Mauer, die zu Unsicherheiten führt und zu oberflächlicher Beratung. Die Abtreibung isoliert und Frauen nicht begleitet. Reden wir also darüber, über all die Gedanken, den Schmerz, die Befreiung, die Emotionen, die Trauer, die Erleichterung! Wir möchten das Gespräch wieder neu beginnen. Mit Euch allen. Egal, ob Ihr Erfahrungen in diesem Bereich habt oder nicht. Ohne zu urteilen. Ohne zu verurteilen.

Aus den persönlichen Gesprächen zwischen Renate und den Frauen ist ein Buch entstanden und ein Film (17. März 2015 auf ARTE). Dort erzählen Frauen mutig und frei von ihren Erlebnissen mit dem Schwangerschaftsabbruch. Keine ist wie die andere. Jede hat ihre eigene Geschichte.

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11. März 2015 um 12:48

Reden wir darüber!
Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr mit uns eure Eindrücke teilt. Wenn ihr die Geschichten weitererzählt. Vielleicht auch eure eigene Geschichte. Ihr könnt uns erreichen auf Facebook, Twitter und der Seite www.tabu-abtreibung.de sowie natürlich hier.

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11. März 2015 um 18:17

Danke!
Wie schön das zu lesen! Es gibt so viele Facetten dieses Themas - und so viele einzelne Geschichten. Die einen bedrückt es ein Leben lang, für die anderen ist es wie bei Dir. Und beide Seiten sollen darüber offen sprechen können.

Findest Du, dass es mittlerweile in der Gesellschaft ok ist, eine Abtreibung zu bedauern, aber nicht ok, zu ihr zu stehen und sie gut zu finden? Ist da ein Unterschied?

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12. März 2015 um 9:43

Kommt die Trauer manchmal Jahrzehnte später?
Ich weiß nicht, wie lange es bei Dir her ist - aber in den Gesprächen hat sich oft gezeigt, dass Frauen viel, viel später erst Probleme bekommen, beispielsweise wenn ihr Enkelkind geboren wird. Sie bringen es zunächst gar nicht in Verbindung mit der Abtreibung, die lange zurückliegt, aber dann ist es plötzlich alles wieder da und sehr real.

Drum finden wir es so wichtig, dass Abtreibung nicht totgeschwiegen wird, auch damit Frauen wissen, dass sie Hilfe suchen können, wenn sie traurig sind. Und dass es aber auch ok ist, wenn es einem gut geht. Nicht jede Frau entwickelt Schuldgefühle. Jede Geschichte ist einzigartig, so wie jede Frau!

Du sprichst auch die "erniedrigende Situation" an und "wie man behandelt wurde" - meinst Du von Behörden/Beratung/Medizinern oder eher vom Umfeld?

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12. März 2015 um 19:44

Interessant!
Das heißt die Beratungsstelle(n) fandest Du neutral und auf Dein Wohl bedacht? Das klingt doch schonmal gut... Der Rest leider nicht, und das ist wohl leider kein Einzelfall. Wenn man sich mit dem Thema näher beschäftigt stößt man in der Tat auf vieles, das einen erschreckt - menschlich.

Warum meinst Du, dass Frauen auch in kleineren Kreisen selten über Abtreibung sprechen? Weil es zu intim, zu persönlich ist oder eher weil sie nicht wissen, wie das Umfeld reagiert und davor Angst haben?



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14. März 2015 um 20:06

Kinder...
Meinst Du es macht einen Unterschied, ob man später (nach der Abtreibung irgendwann) noch Kinder bekommt oder evtl. es versucht und es nicht mehr klappt?

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17. März 2015 um 20:03

Gleich läuft die Doku
Ihr Lieben, um 21.50 Uhr beginnt auf ARTE der Themenabend "Abtreibung". Um 22.40 Uhr läuft dann unsere Doku "Tabu Abtreibung". Wir würden uns freuen, wenn Ihr sie schaut und danach mit uns hier diskutiert!

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20. März 2015 um 9:31
In Antwort auf tegan_12682379

Gleich läuft die Doku
Ihr Lieben, um 21.50 Uhr beginnt auf ARTE der Themenabend "Abtreibung". Um 22.40 Uhr läuft dann unsere Doku "Tabu Abtreibung". Wir würden uns freuen, wenn Ihr sie schaut und danach mit uns hier diskutiert!

Jetzt habe ich den Thread wieder gefunden .. .
Hier wollte ich eigentlich schreiben.
Die Dokumentation war sehr sensibel gemacht. "Gemacht" kann man ja nicht sagen. Jedenfalls: Danke!
Hat mich sehr berührt.
So viel Zeit brauchen Frauen einfach.
Am besten, wenn sie mitten drin stecken. Da am allermeisten.
Naja, kann man auch wieder nicht sagen ...
am allermeisten dann, wenn keiner mehr danach fragt, wie es ihnen geht.
Wie oft wird einfach nicht gefragt, wie es einem geht.
Gut, dass Du, Renate, das gemacht hast!
Zeit und Aufmerksamekeit ist immer wichtig, um tiefe Gefühle überhaupt selbst wahrnehmen zu können.

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21. März 2015 um 0:45

Tolle arbeit
mir hat die reportage sehr gut gefallen weil beide seiten aufgezeigt wurden.
es wurde sehr deutlich dass sich die frauen dass sich nicht einfach machen und sich hilfe gewünscht hätten.
letztlich hat zumindest im film jede irgendwie ihren weg doch noch gefunden und sogar auf beeindruckende art und weise.
schade dass solche themen eher am rand laufen und so viele eine abtreibung noch immer verharmlosen.

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23. März 2015 um 9:03
In Antwort auf koenigskind2408

Tolle arbeit
mir hat die reportage sehr gut gefallen weil beide seiten aufgezeigt wurden.
es wurde sehr deutlich dass sich die frauen dass sich nicht einfach machen und sich hilfe gewünscht hätten.
letztlich hat zumindest im film jede irgendwie ihren weg doch noch gefunden und sogar auf beeindruckende art und weise.
schade dass solche themen eher am rand laufen und so viele eine abtreibung noch immer verharmlosen.

Danke...
...für das Lob! Dann ist die "Message" ja genau so rübergekommen, wie sie sollte: Dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, sondern viele...

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24. März 2015 um 17:20

Problem der Bevormundung
Mich hat dieser Film sehr wütend gemacht, ich konnte ihn gar nicht zu Ende sehen und habe auf Arte schon viel gepostet.

Denn leider wir im Film nicht klar, dass das Leid aus der Bevormundung der Frauen entstanden ist. Alle waren mehr oder weniger zur Abtreibung gezwungen, da es gesellschaftlich undenkbar war, dass ein junges Mädchen sein Kind ohne Vater austrägt. Die Traumatisierung ist aus dem gesellschaftlichen Druck entstanden, ebenso die Scham- und Schuldgefühle, die durch die Tabuisierung entstanden sind, das jahrelange Schweigen und Verdrängen müssen. Dieser wesentliche Aspekt ist leider völlig untergegangen.

Wenn eine Frau eine freie und selbstverantwortete Enscheidung fällt, zu deren Optionen sie sich neutral informieren kann, warum sollte später diese Entscheidung plötzlich so falsch sein, dass sie eine posttraumatische Belastungsstörung erleidet?

Besonders schlimm fan cih die "Aufklärung" die In Schulen betrieben wird. Es wird Angst vor einer Abtreibung geschürt, doch die Wahrheit ist, dass man heute einfach medikamentös abtreiben kann.

Im Film entsteht der Eindruck alle Frauen, die eine Abtreibung hinter sich haben wären traumatisiert. Das ist schlich nicht wahr. Das heisst nicht, dass ich kein Mitgefühl mit denen habe, die unter einem Schwangerschaftsabbruch leiden.

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24. März 2015 um 20:42
In Antwort auf anshel_12260788

Problem der Bevormundung
Mich hat dieser Film sehr wütend gemacht, ich konnte ihn gar nicht zu Ende sehen und habe auf Arte schon viel gepostet.

Denn leider wir im Film nicht klar, dass das Leid aus der Bevormundung der Frauen entstanden ist. Alle waren mehr oder weniger zur Abtreibung gezwungen, da es gesellschaftlich undenkbar war, dass ein junges Mädchen sein Kind ohne Vater austrägt. Die Traumatisierung ist aus dem gesellschaftlichen Druck entstanden, ebenso die Scham- und Schuldgefühle, die durch die Tabuisierung entstanden sind, das jahrelange Schweigen und Verdrängen müssen. Dieser wesentliche Aspekt ist leider völlig untergegangen.

Wenn eine Frau eine freie und selbstverantwortete Enscheidung fällt, zu deren Optionen sie sich neutral informieren kann, warum sollte später diese Entscheidung plötzlich so falsch sein, dass sie eine posttraumatische Belastungsstörung erleidet?

Besonders schlimm fan cih die "Aufklärung" die In Schulen betrieben wird. Es wird Angst vor einer Abtreibung geschürt, doch die Wahrheit ist, dass man heute einfach medikamentös abtreiben kann.

Im Film entsteht der Eindruck alle Frauen, die eine Abtreibung hinter sich haben wären traumatisiert. Das ist schlich nicht wahr. Das heisst nicht, dass ich kein Mitgefühl mit denen habe, die unter einem Schwangerschaftsabbruch leiden.

Aber was ist mit Antje?
Hallo Nicola0000,

vielen Dank fuer deinen Kommentar. Tut uns leid, wenn dir der Film so uebel aufgestossen ist. Wir haben versucht, die Gruppen der verschiedenen Frauenrealitaeten zu zeigen, die uns in der Recherche begegnet sind - diejenige, die sehr stark an Schuld leidet (Claudia), diejenige, die ab und zu Trauer verspürt (Rikke) und Antje als Vertreterin derer die keine Probleme haben. Und deren Geschichten bestaetigen ja deine Aussage - Claudia und Rikke sind Frauen, die sich unbewusst in die Abtreibung gezwungen gefuehlt haben, das sagen sie ja auch deutlich. Antje ist die Frau die klipp und klar sagt "ich hatte drei Abtreibungen, fuer die hab ich mich ganz bewusst entschieden, weil eigentlich hatte ich ja verhütet, wollte also ganz klar nicht schwanger werden". Von daher decken sich diese Aussagen doch eigentlich mit deinen?

Ich denke besonders bei jungen Frauen hast du Recht, da ist Bevormundung durch externe Personen ein grosses Problem, die spaeter Verlustgefuehle ausloesen kann. Wir haben aber auch viele Frauen getroffen, bei denen der gefuehlte Zwang weniger durch Personen ausgeuebt wurde, sondern durch die Lebensumstände. Zum Beispiel eine Frau, die schon mehrere Kinder hatte und der Mann hatte Angst den Job zu verlieren und die Existenzangst bei beiden war zu gross, noch ein Kind ernaehren zu koennen. Da kann eine Frau zwar ganz bewusst fuer sich entscheiden "Jetzt will ich das nicht", aber tief drin bleibt dann vielleicht doch ein bisschen Trauer und Wehmut, die sich dann Jahre spaeter aeussern kann - aber nicht muss.

Ganz wichtig wie du sagst ist sicher die Tatsache, dass keiner drueber spricht. Frauen die abtreiben und keine Probleme haben, sprechen nicht, weil sie keinen Bock haben auf moegliche Verurteilung von Leuten, die Abtreibung nicht gutheissen. Die Frauen, die Probleme haben, trauen sich eh nichts zu sagen, weil sie sich schuldig fühlen.

Die Rechtslage in Dt ist klar und Abtreibung erlaubt.
Wir duerfen Frauen die den Foetus als Schwangerschaftsgewebe empfinden nicht verbieten so zu fuehlen, wir duerfen aber auch Frauen, die den Foetus als Kind empfinden ihre Gefuehle ausreden.

Vor allem duerfen wir Frauen, die Probleme haben, nicht einreden Sie bilden sich was ein. Wir haben so viel Kritik bekommen auf den Film von professionellen Vertretern des Wahlrechts, deren Unterton ist "Frauen, die nach einer Abtreibung Probleme haben, hatten vorher schon psychologische Probleme". Das ist eine fahrlaessige Einstellung von Vertretern einer Berufsgruppe, die Frauen eigentlich helfen sollen/wollen. Frauen, die durch gefuehlten Zwang abtreiben (kein Partner, Existensnot, Ueberforderung etc) haben eher das Risiko, im Nachhinein Trauer und Schuld zu entwickeln. Da muss man nicht im Vorfeld psychologische Probleme gehabt haben, da reicht externer Stress. Ja, von daher ist die Abtreibung nicht das Kernproblem. Aber es ist der Auslöser und die Manifestation aller anderen Probleme fuer die Frau. Da muss es doch dann erlaubt sein, darueber zu reden.

Wie denkst du, koennten wir alle diese Diskussion in der Gesellschaft führen?

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24. März 2015 um 20:46
In Antwort auf anshel_12260788

Problem der Bevormundung
Mich hat dieser Film sehr wütend gemacht, ich konnte ihn gar nicht zu Ende sehen und habe auf Arte schon viel gepostet.

Denn leider wir im Film nicht klar, dass das Leid aus der Bevormundung der Frauen entstanden ist. Alle waren mehr oder weniger zur Abtreibung gezwungen, da es gesellschaftlich undenkbar war, dass ein junges Mädchen sein Kind ohne Vater austrägt. Die Traumatisierung ist aus dem gesellschaftlichen Druck entstanden, ebenso die Scham- und Schuldgefühle, die durch die Tabuisierung entstanden sind, das jahrelange Schweigen und Verdrängen müssen. Dieser wesentliche Aspekt ist leider völlig untergegangen.

Wenn eine Frau eine freie und selbstverantwortete Enscheidung fällt, zu deren Optionen sie sich neutral informieren kann, warum sollte später diese Entscheidung plötzlich so falsch sein, dass sie eine posttraumatische Belastungsstörung erleidet?

Besonders schlimm fan cih die "Aufklärung" die In Schulen betrieben wird. Es wird Angst vor einer Abtreibung geschürt, doch die Wahrheit ist, dass man heute einfach medikamentös abtreiben kann.

Im Film entsteht der Eindruck alle Frauen, die eine Abtreibung hinter sich haben wären traumatisiert. Das ist schlich nicht wahr. Das heisst nicht, dass ich kein Mitgefühl mit denen habe, die unter einem Schwangerschaftsabbruch leiden.

Da hab ich doch glatt ein NICHT vergessen
wir duerfen aber auch Frauen, die den Foetus als Kind empfinden, ihre Gefuehle NICHT ausreden.

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29. März 2015 um 14:59
In Antwort auf anshel_12260788

Problem der Bevormundung
Mich hat dieser Film sehr wütend gemacht, ich konnte ihn gar nicht zu Ende sehen und habe auf Arte schon viel gepostet.

Denn leider wir im Film nicht klar, dass das Leid aus der Bevormundung der Frauen entstanden ist. Alle waren mehr oder weniger zur Abtreibung gezwungen, da es gesellschaftlich undenkbar war, dass ein junges Mädchen sein Kind ohne Vater austrägt. Die Traumatisierung ist aus dem gesellschaftlichen Druck entstanden, ebenso die Scham- und Schuldgefühle, die durch die Tabuisierung entstanden sind, das jahrelange Schweigen und Verdrängen müssen. Dieser wesentliche Aspekt ist leider völlig untergegangen.

Wenn eine Frau eine freie und selbstverantwortete Enscheidung fällt, zu deren Optionen sie sich neutral informieren kann, warum sollte später diese Entscheidung plötzlich so falsch sein, dass sie eine posttraumatische Belastungsstörung erleidet?

Besonders schlimm fan cih die "Aufklärung" die In Schulen betrieben wird. Es wird Angst vor einer Abtreibung geschürt, doch die Wahrheit ist, dass man heute einfach medikamentös abtreiben kann.

Im Film entsteht der Eindruck alle Frauen, die eine Abtreibung hinter sich haben wären traumatisiert. Das ist schlich nicht wahr. Das heisst nicht, dass ich kein Mitgefühl mit denen habe, die unter einem Schwangerschaftsabbruch leiden.

@nicola0000
Diesem Eindruck schließe ich mich voll und ganz an.

Habe den Film eben auch gesehen und muss doch sagen, dass der Film die Meinung vertritt Abtreibung sei Mord, was natürlich auch durch die Spezialisten bekräftigt wird, die zu Wort kommen und jede Frau leide früher oder später darunter.

Ich finde, da wird das Thema doch sehr einseitig betrachtet und die Meinung der Zuschauer schnell in einen bestimmte/gezielte Richtung gelenkt.

Zudem möchte ich gerne mal wissen auf welchen Studien/Beobachtungen die Frau Doktor ihre Annahme stützt, dass 2-4 von 10 Frauen behandlungsbedürftige Probleme nach einer Abtreibung bekommen, 2 von 10 überhaupt keine und der Rest irgendwo zwischen den beiden Extremen liegt?

Alles in Allem muss ich sagen: geht sehr in Richtung ProLife.

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30. März 2015 um 20:38

Ausführlicher im Buch...
Im Film kommen vier Frauen zu Wort. Vier ganz unterschiedliche Frauen, die unterschiedlich mit ihrer Abtreibung umgehen. Es war schwierig, Frauen dazu zu bewegen, sich vor der Kamera zu öffnen. Etwas einfacher war es, mit ihnen Interviews zu führen, bei denen sie sich nicht von einer Linse beobachtet fühlten. Daher ist aus vielen weiteren Erfahrungsberichten ein Buch entstanden mit dem Titel "Tabu Abtreibung - Warum länger schweigen?" (http://t.co/SF3TivgMj1). Uns würde sehr interessieren, ob Ihr Eure Meinungen dort wiederfindet. Wir hoffen jedenfalls, dass das Buch Frauen hilft, die sich mit dem Thema Abtreibung auseinandersetzen oder auseinandergesetzt haben.

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31. März 2015 um 12:18
In Antwort auf tegan_12682379

Aber was ist mit Antje?
Hallo Nicola0000,

vielen Dank fuer deinen Kommentar. Tut uns leid, wenn dir der Film so uebel aufgestossen ist. Wir haben versucht, die Gruppen der verschiedenen Frauenrealitaeten zu zeigen, die uns in der Recherche begegnet sind - diejenige, die sehr stark an Schuld leidet (Claudia), diejenige, die ab und zu Trauer verspürt (Rikke) und Antje als Vertreterin derer die keine Probleme haben. Und deren Geschichten bestaetigen ja deine Aussage - Claudia und Rikke sind Frauen, die sich unbewusst in die Abtreibung gezwungen gefuehlt haben, das sagen sie ja auch deutlich. Antje ist die Frau die klipp und klar sagt "ich hatte drei Abtreibungen, fuer die hab ich mich ganz bewusst entschieden, weil eigentlich hatte ich ja verhütet, wollte also ganz klar nicht schwanger werden". Von daher decken sich diese Aussagen doch eigentlich mit deinen?

Ich denke besonders bei jungen Frauen hast du Recht, da ist Bevormundung durch externe Personen ein grosses Problem, die spaeter Verlustgefuehle ausloesen kann. Wir haben aber auch viele Frauen getroffen, bei denen der gefuehlte Zwang weniger durch Personen ausgeuebt wurde, sondern durch die Lebensumstände. Zum Beispiel eine Frau, die schon mehrere Kinder hatte und der Mann hatte Angst den Job zu verlieren und die Existenzangst bei beiden war zu gross, noch ein Kind ernaehren zu koennen. Da kann eine Frau zwar ganz bewusst fuer sich entscheiden "Jetzt will ich das nicht", aber tief drin bleibt dann vielleicht doch ein bisschen Trauer und Wehmut, die sich dann Jahre spaeter aeussern kann - aber nicht muss.

Ganz wichtig wie du sagst ist sicher die Tatsache, dass keiner drueber spricht. Frauen die abtreiben und keine Probleme haben, sprechen nicht, weil sie keinen Bock haben auf moegliche Verurteilung von Leuten, die Abtreibung nicht gutheissen. Die Frauen, die Probleme haben, trauen sich eh nichts zu sagen, weil sie sich schuldig fühlen.

Die Rechtslage in Dt ist klar und Abtreibung erlaubt.
Wir duerfen Frauen die den Foetus als Schwangerschaftsgewebe empfinden nicht verbieten so zu fuehlen, wir duerfen aber auch Frauen, die den Foetus als Kind empfinden ihre Gefuehle ausreden.

Vor allem duerfen wir Frauen, die Probleme haben, nicht einreden Sie bilden sich was ein. Wir haben so viel Kritik bekommen auf den Film von professionellen Vertretern des Wahlrechts, deren Unterton ist "Frauen, die nach einer Abtreibung Probleme haben, hatten vorher schon psychologische Probleme". Das ist eine fahrlaessige Einstellung von Vertretern einer Berufsgruppe, die Frauen eigentlich helfen sollen/wollen. Frauen, die durch gefuehlten Zwang abtreiben (kein Partner, Existensnot, Ueberforderung etc) haben eher das Risiko, im Nachhinein Trauer und Schuld zu entwickeln. Da muss man nicht im Vorfeld psychologische Probleme gehabt haben, da reicht externer Stress. Ja, von daher ist die Abtreibung nicht das Kernproblem. Aber es ist der Auslöser und die Manifestation aller anderen Probleme fuer die Frau. Da muss es doch dann erlaubt sein, darueber zu reden.

Wie denkst du, koennten wir alle diese Diskussion in der Gesellschaft führen?

Die Diskussion ist wichtig!
Klar, ich will niemandem Gefühle ausreden, aber ich finde es auch gefährlich Frauen Gefühle einzureden und zuzuschreiben, die viele nicht empfinden. Auch für mich war die Abtreibung eine traurige Entscheidung, die ich lieber nicht hätte fällen wollen. Trotzdem war sie richtig und geht es mir gut damit.

Und es ist gut, wenn über diese Trauer geredet wird, ohne dass das heissen muss, das es ein Fehler war. Und auf eine Art und Weise, dass Frauen damit Angst gemacht wird. Ich finde diese "Aufklärung" an Schulen,die im Film gezeigt wrude, schrecklich. Kannst du das wirklich gut heissen?

Nochmal: mir fehlt die Analyse woher die Scham und Schuldgefühle kommen. Keine fällt gut informiert eine freie Entscheidung und bereut diese später so sehr, dass sie eine PTBS entwickelt. Ein Trauma kann nie aus einer Person selbst heraus entstehen, sondern aus einer Ohnmachts-Situation in der die Person extremen äusseren Geschehnissen (meist Gewalt) ausgesetzt war, gegen die sie sich nicht wehren konnte. Oder nach Wikipedia: von außen einwirkende Verletzung der seelischen Integrität. Mit Trauer hat das nichts mehr zu tun.

Nein, die Abtreibung ist nicht das Kernproblem, sondern die Lebenssituation der Frau vor der Abtreibung, die Tabuisierung und der gesellschaftliche Druck auf Frauen.

Wer weniger Abtreibungen will, muss Feminist werden und sich für ein besseres Leben für Frauen einsetzen.

Aber ich finde es sehr wichtig diese Diskussionen zu führen und das Frauen an die Öffentlichkeit gehen. Leider traue ich mir das selbst noch nicht so zu. Trotz meiner Kritik: Hut ab vor deinem Mut.

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31. März 2015 um 14:05

Mensch oder nicht
Es ist in Ordnung, wenn ein Embryo für dich bereits ein Kind ist und es verlangt niemand, dass du abtreibst. Hoffentlich wirst du nie ungewollt schwanger. Für mich ist es noch kein Kind. Punkt.

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31. März 2015 um 14:07

Problem?
Du solltest darüber nachdenken, was dich hier wirklich so aufregt.

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31. März 2015 um 16:21
In Antwort auf anshel_12260788

Die Diskussion ist wichtig!
Klar, ich will niemandem Gefühle ausreden, aber ich finde es auch gefährlich Frauen Gefühle einzureden und zuzuschreiben, die viele nicht empfinden. Auch für mich war die Abtreibung eine traurige Entscheidung, die ich lieber nicht hätte fällen wollen. Trotzdem war sie richtig und geht es mir gut damit.

Und es ist gut, wenn über diese Trauer geredet wird, ohne dass das heissen muss, das es ein Fehler war. Und auf eine Art und Weise, dass Frauen damit Angst gemacht wird. Ich finde diese "Aufklärung" an Schulen,die im Film gezeigt wrude, schrecklich. Kannst du das wirklich gut heissen?

Nochmal: mir fehlt die Analyse woher die Scham und Schuldgefühle kommen. Keine fällt gut informiert eine freie Entscheidung und bereut diese später so sehr, dass sie eine PTBS entwickelt. Ein Trauma kann nie aus einer Person selbst heraus entstehen, sondern aus einer Ohnmachts-Situation in der die Person extremen äusseren Geschehnissen (meist Gewalt) ausgesetzt war, gegen die sie sich nicht wehren konnte. Oder nach Wikipedia: von außen einwirkende Verletzung der seelischen Integrität. Mit Trauer hat das nichts mehr zu tun.

Nein, die Abtreibung ist nicht das Kernproblem, sondern die Lebenssituation der Frau vor der Abtreibung, die Tabuisierung und der gesellschaftliche Druck auf Frauen.

Wer weniger Abtreibungen will, muss Feminist werden und sich für ein besseres Leben für Frauen einsetzen.

Aber ich finde es sehr wichtig diese Diskussionen zu führen und das Frauen an die Öffentlichkeit gehen. Leider traue ich mir das selbst noch nicht so zu. Trotz meiner Kritik: Hut ab vor deinem Mut.

Besseres Leben
Hallo nicola,

"Wer weniger Abtreibungen will, muss Feminist werden und sich für ein besseres Leben für Frauen einsetzen."

Damit triffst Du den Punkt genau.
Viele Frauen befinden sich in einer Ohnmachtssituation mit der überraschenden Schwangerschaft. Es ist für sie selbst schwer anzunehmen. Und dazu kommt der Druck von außen: dass nicht selten Kindsväter zur Abtreibung raten, drängen oder - viel subtiler - sagen, dass die Frau "es selbst wissen" müsse. Und damit wollen sie der Frau die Entscheidung überlassen. Ist ja gut. Aber ob sie ihren Part dabei wahrnehmen?

Für manche Frauen ist das erkämpfte "Recht auf Abtreibung" eher so etwas wie eine Verpflichtung dazu geworden - auch entgegen ihrer Seelenlage.
Nicht umsonst schreiben viele Frauen nach dieser Erfahrung den "Unerfahrenen": Du musst Dir 100% sicher sein!
Wovon zeugt dieser Rat?
Dass man jedes kleinste Zögern in sich ernst nehmen sollte. Dass aber viele Frauen trotzdem mit weniger als 100% Sicherheit zur Abtreibung gegangen sind.
Je schwerer sie es empfinden, als desto integrer möchten sie sich geachtet wissen. Es ist eine doppelte Traumatisierung. Von außen und - wie umbemerkt - von innen.
Die Frau schreibt sich häufig die "Schuld" an der Schwangerschaft zu oder lässt sie sich geben, sie muss alles "allein" entscheiden und tragen, auch danach. Und sie soll das als "Würdigung" empfinden: Das musst Du selbst wissen. - Sie fühlt sich aber nicht allein im Sinn von selbstbestimmt, sondern alleingelassen, im Stich gelassen und unter Druck. Später kann allerdings jedermann sagen: Du hast es doch gewollt!?
Also übergeht sie etwas in sich, fühlt sich diffus schuldig (obwohl der Beitrag ihres nähesten Umfeldes und der gesellschaftlichen Gepflogenheit an der Entscheidung oft gut erkennbar ist) und zieht die Abtreibung ohne die nötige innere Sicherheit durch. Oft noch unter Zeitdruck. Eine emotional sensible Frau unter noch größerem Zeitdruck, weil sie es so schnell wie möglich möchte und später nicht mehr könnte ...

Das Knäuel aus Trauer, Schuldgefühl und dem Gefühl, das Richtige (für die anderen!???) gemacht zu haben, ist schwer entwirrbar.
Der Satz: "Manchmal kann eine Abtreibung eine gute Lösung sein" ist der Türöffner in diese Diffusion. Etwas laxer hört es sich so an: "Du kannst ja abtreiben. - Mir ist es egal, wie Du Dich entscheidest."
Alle fühlen sich "gut", wenn sie der Frau die Entscheidung überlassen. Die Frau zerreißt es.
Es war in der Frauenbewegung zwar ganz anders gedacht, aber de facto hat man die Abtreibung "verbessert" und nicht vorrangig die Lebenssituation der Frau. Es werden wieder nicht die Männer zur Verantwortung gezogen.
Heute könnte man schier sagen:
Der Feminismus frisst seine Kinder.
Viele Frauen wurden von diesem Recht, das sich wieder die Männer nehmen, um sich aus der Verantwortung zu ziehen, zutiefst verletzt.
Und wie soll man damit zurechtkommen, wenn man doch getan hat, was man wollte!???
Wer soll einen hinterher verstehen????
Es gibt wirklich viel zu Reden und viel viel mehr zu Hören.

Vielleicht wurden Frauen nicht nur Gefühle eingeredet, sondern auch dies: dass sie Abtreibung als etwas "Gutes" sehen sollten. Auch wenn sich etwas in ihnen sträubt - es ist besser so.
Und das halten tatsächlich viele Frauen tapfer durch. Diese Gefühle lassen sich aber wirklich schwer entwirren.

Liebe Nicola, Du schreibst:
"Auch für mich war die Abtreibung eine traurige Entscheidung, die ich lieber nicht hätte fällen wollen. Trotzdem war sie richtig und geht es mir gut damit."
Du wünschst Dir Mut, öffentlich dazu zu stehen - und gleichzeitig beweist Du ihn schon. Es ist schon mal "ziemlich" öffentlich, hier so zu schreiben. Es muss nicht mit Name und Gesicht sein. Vielleicht könnte gerade das Netz der Ort für die Enttabuisierung sein. Allerdings ist der Schutz der Person nicht so einfach zu gewährleisten. -
Aber wir Frauen könnten zeigen, dass wir gut miteinander umgehen können.
Liebe Grüße und vielen Dank für Deinen Beitrag!
Lilly

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31. März 2015 um 16:46
In Antwort auf lilly0628

Besseres Leben
Hallo nicola,

"Wer weniger Abtreibungen will, muss Feminist werden und sich für ein besseres Leben für Frauen einsetzen."

Damit triffst Du den Punkt genau.
Viele Frauen befinden sich in einer Ohnmachtssituation mit der überraschenden Schwangerschaft. Es ist für sie selbst schwer anzunehmen. Und dazu kommt der Druck von außen: dass nicht selten Kindsväter zur Abtreibung raten, drängen oder - viel subtiler - sagen, dass die Frau "es selbst wissen" müsse. Und damit wollen sie der Frau die Entscheidung überlassen. Ist ja gut. Aber ob sie ihren Part dabei wahrnehmen?

Für manche Frauen ist das erkämpfte "Recht auf Abtreibung" eher so etwas wie eine Verpflichtung dazu geworden - auch entgegen ihrer Seelenlage.
Nicht umsonst schreiben viele Frauen nach dieser Erfahrung den "Unerfahrenen": Du musst Dir 100% sicher sein!
Wovon zeugt dieser Rat?
Dass man jedes kleinste Zögern in sich ernst nehmen sollte. Dass aber viele Frauen trotzdem mit weniger als 100% Sicherheit zur Abtreibung gegangen sind.
Je schwerer sie es empfinden, als desto integrer möchten sie sich geachtet wissen. Es ist eine doppelte Traumatisierung. Von außen und - wie umbemerkt - von innen.
Die Frau schreibt sich häufig die "Schuld" an der Schwangerschaft zu oder lässt sie sich geben, sie muss alles "allein" entscheiden und tragen, auch danach. Und sie soll das als "Würdigung" empfinden: Das musst Du selbst wissen. - Sie fühlt sich aber nicht allein im Sinn von selbstbestimmt, sondern alleingelassen, im Stich gelassen und unter Druck. Später kann allerdings jedermann sagen: Du hast es doch gewollt!?
Also übergeht sie etwas in sich, fühlt sich diffus schuldig (obwohl der Beitrag ihres nähesten Umfeldes und der gesellschaftlichen Gepflogenheit an der Entscheidung oft gut erkennbar ist) und zieht die Abtreibung ohne die nötige innere Sicherheit durch. Oft noch unter Zeitdruck. Eine emotional sensible Frau unter noch größerem Zeitdruck, weil sie es so schnell wie möglich möchte und später nicht mehr könnte ...

Das Knäuel aus Trauer, Schuldgefühl und dem Gefühl, das Richtige (für die anderen!???) gemacht zu haben, ist schwer entwirrbar.
Der Satz: "Manchmal kann eine Abtreibung eine gute Lösung sein" ist der Türöffner in diese Diffusion. Etwas laxer hört es sich so an: "Du kannst ja abtreiben. - Mir ist es egal, wie Du Dich entscheidest."
Alle fühlen sich "gut", wenn sie der Frau die Entscheidung überlassen. Die Frau zerreißt es.
Es war in der Frauenbewegung zwar ganz anders gedacht, aber de facto hat man die Abtreibung "verbessert" und nicht vorrangig die Lebenssituation der Frau. Es werden wieder nicht die Männer zur Verantwortung gezogen.
Heute könnte man schier sagen:
Der Feminismus frisst seine Kinder.
Viele Frauen wurden von diesem Recht, das sich wieder die Männer nehmen, um sich aus der Verantwortung zu ziehen, zutiefst verletzt.
Und wie soll man damit zurechtkommen, wenn man doch getan hat, was man wollte!???
Wer soll einen hinterher verstehen????
Es gibt wirklich viel zu Reden und viel viel mehr zu Hören.

Vielleicht wurden Frauen nicht nur Gefühle eingeredet, sondern auch dies: dass sie Abtreibung als etwas "Gutes" sehen sollten. Auch wenn sich etwas in ihnen sträubt - es ist besser so.
Und das halten tatsächlich viele Frauen tapfer durch. Diese Gefühle lassen sich aber wirklich schwer entwirren.

Liebe Nicola, Du schreibst:
"Auch für mich war die Abtreibung eine traurige Entscheidung, die ich lieber nicht hätte fällen wollen. Trotzdem war sie richtig und geht es mir gut damit."
Du wünschst Dir Mut, öffentlich dazu zu stehen - und gleichzeitig beweist Du ihn schon. Es ist schon mal "ziemlich" öffentlich, hier so zu schreiben. Es muss nicht mit Name und Gesicht sein. Vielleicht könnte gerade das Netz der Ort für die Enttabuisierung sein. Allerdings ist der Schutz der Person nicht so einfach zu gewährleisten. -
Aber wir Frauen könnten zeigen, dass wir gut miteinander umgehen können.
Liebe Grüße und vielen Dank für Deinen Beitrag!
Lilly

Danke und ein Aber...
Ich denke wie überall im Leben kann man sich nie 100% sicher sein. Es ist eine schwerwiegende Entscheidung aber ein 100% gibt es wohl kaum. Aber auch mit 90% lässt es sich leben, wenn man nicht das Gefühl haben muss, mit dieser Entscheidung einen moralischen SuperGAU auszulösen.

Ja, der Feminismus der 70er hat die Frauen auch allein gelassen und hatte somit einen negativen Effekt auf die Abtreibungsdebatte. Es gab keine wirkliche Selbstbestimmung, es gab nur wieder neue Erwartungen, wie Fraune zu sein haben..

Was ich mit der Verbesserung der Lebensituation für Frauen meine ist: Kampf gegen Gewalt an Frauen, bessere Bedingungen für Alleinerziehende, Entmystifizierung des Mutterbildes, nach dem jede Mutter ihr Kind über sich selbst stellt und Muttersein, das grösste Glück jeder Frau sein soll, Akzeptanz des Keine-Kinderwunsches von Frauen, Akzeptanz der Kompetenz von Vätern als gleichwertige Bezugspersonen wie Mütter, bessere Aufklärung beider Geschlechter, mehr Druck auf Männer sich an der Verhütung zu beteiligen (Empfehlung von Ärzten der Vasektomie bei Männern nach Abschluss der Familienplanung, Erforschung weiterer Verhütungsmethoden für Männer), mehr Verantwortung an Männer in der Beteiligung an Haushalt und Kinderbetreuung, gleiche Löhne für Männer und Frauen, mehr Teilzeitjobs, Karrierechancen für Mütter...

All das hängt meiner Meinung nach damit zusammen, dass Frauen keine Kinder wollen oder es sich zu spät eingestehen, dass sie eigentlich keine wollen oder ungewollt schwanger werden oder keine Möglichkeit sehen das Kind grosszuziehen.

Puh, schon wieder so ein langer Post - Sorry.

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31. März 2015 um 18:09

Was genau ist dein Problem?
Du möchtest gern moralische Regeln für andere aufstellen? Machst du nie Fehler? Verhältst du dich immer moralisch einwandfrei? Du klingst so als ginge es dir nur um Regeln, aber nicht um Menschlichkeit. Ist es für dich einfacher empathisch mit ungeborenem Leben zu sein als mit lebenden Menschen?

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21. April 2015 um 12:14

Sollte sie nicht!
Die Doku fällt hoffentlich nicht in dieses Bild! Gut, es kommen nur vier Frauen zu Wort, aber genau die vier sollten schonmal zeigen, dass es mehr als die von Dir genannten 2 Varianten gibt. Unsere "Antje" im Film lebt zum Beispiel ganz gut mit ihrer Entscheidung, und sie ist sicher kein "Monster", oder? Im Buch kommen noch mehr Frauen zu Wort - vielleicht war es für sie ein zu großer Schritt, vor eine Kamera zu treten, weil es immer noch eine Stigmatisierung in der Gesellschaft gibt... Will sagen: Wir sind da durchaus auf einer Wellenlänge mit Dir! Jedes Schicksal ist anders.

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21. April 2015 um 12:16

Kein Ratgeber
Es geht hier nicht um einen Ratgeber, den sich eine Frau holt, wenn sie akut von der Entscheidung betroffen ist. Es geht um die Auseinandersetzung mit der Thematik und das Aufzeigen verschiedener Fälle um Schwarz-Weiß-Malerei bei diesem Thema zu beenden.

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22. April 2015 um 14:23

Da Sie anscheinend hier noch mitlesen und es
für die Doku viel Kritik gab, von mir hier nochmal ein positive Rückmeldung, es ist deutlich zu merken, dass möglichst viele unterschiedliche Erfahrungen dargestellt werden sollen, um eine Debatte anzuregen. (Mehr positives oder negatives kann ich zu Erfahrungen vom emotionalen Umgang mit Abtreibungen nicht sagen, da mir als Mann die emotionale Seite sowieso fremd ist)

Ich will aber noch kurz erklären, warum Sie meiner Ansicht nach trotzdem so viel Kritik einstecken mussten, denn ich habe den Eindruck, dass Ihnen diese Punkte nicht bewusst sind:

- Unten schreiben Sie: "Die Rechtslage in Dt ist klar und Abtreibung erlaubt."; das ist ein Irrtum; Abtreibung ist erstens wenigstens nach Beratungsregelung lediglich rechtswidrig, also nicht erlaubt, allerdings straffrei; zweitens ist die Rechtslage in gewissem Maße widersprüchlich, denn gemäß Bundesverfassungsgericht haben ungeborene spätestens ab Nidation individuell die Menschenwürde nach GG 1, die wir beide auch haben, und das Recht auf Leben; das führt zu vielen Widersprüchen; in der Konsequenz ist vieles unklar, womit wenn man A über Abtreibung sagt, irgendwer sofort - und teilweise mit sinnvoller Begründung - daher kommen kann und sagen kann "Nein, A falsch, B stimmt"; das macht es eigentlich immanent, dass jegliche öffentliche Äußerung zu Abtreibung von garantiert irgendwem als grottenfalsch angesehen wird


- Unten schreiben Sie "Wir duerfen Frauen die den Foetus als Schwangerschaftsgewebe empfinden nicht verbieten so zu fuehlen, wir duerfen aber auch Frauen, die den Foetus als Kind empfinden ihre Gefuehle ausreden."; Sie haben recht, dass es diese unterschiedlichen Gefühle gibt; aber in einer gesellschaftlichen Debatte, die Sie ja anstreben, schwingt bei jeglicher Äußerung "meinem Gefühl nach ist..." immer mit, dass wenn es politisch "ernst" werden würde, dieses Gefühl eben die Entscheidung mit beeinflussen würde; z.b. wenn Partei A sagt "Wählt uns, wir bemühen uns, dass nicht mehr so viele ungeborene Menschen sterben müssen" und B sagt "Wählt uns, wir bemühen uns, diesen Unfug den Schutz von "Zellklumpen" anzustreben, zu verhindern" dann ist erwartbar, dass die einen aufgrund ihres Gefühls, A eher ablehnen, die anderen eher B; -> folglich schwingt bei Publizierung von "Meinem Gefühl nach, ist es ein Mensch/Nichtmensch" immer eine unterschwellige politische Kampfansage an die "Gegenseite" mit; folglich ist es normal, dass es emotional aufgeladene Kritik von wenigstens einer Seite gibt

- In Bezug auf unseres von so vielen geschätzten und hoch verehrten - manche tragen ja sogar T-Shirts mit "Die Würde des Menschen ist unantastbar" - Grundgesetz ist es nahezu vollkommen egal, was irgendwer fühlt; entweder ungeborene sind in gewissem Sinne Mensch oder sie sind es halt nicht; "Die Würde des Menschen ist unantastbar" hat kein "(wenn es gefühlt ein Mensch ist)" dahinter; ich denke, dass das viel mehr Leuten unbewusst klar ist, als dass darüber Unwissenheit herrscht; folglich schwingt bei "Meinem Gefühl nach ist es Mensch/Nichtmensch" eigentlich immer eine Ansage an die "Gegenseite" mit "Und du hast übrigens nicht recht, sondern ich"; sobald sie also auch nur Frauen zeigen, die solche Gefühle ausdrücken, eröffnen Sie sozusagen ein "Gefecht"


Was ich noch an Kritik äußern möchte, aber das trifft nicht nur Sie, sondern praktisch ALLE Berichte, Reportagen, Dokus und sonstiges zu dem Thema, dass immer nur davon geredet wird, dass komplexe Gründe und widersprüchliche Gefühle und Motive die Entscheidungen prägen, aber die ganz platte Frage "Was müsste/hätte anders sein müssen, damit Sie sich gegen eine Abtreibung hätten entscheiden können?" wird bestenfalls am Rande erwähnt.

Dabei hat diese Frage praktische Bedeutung.

Denn ich sagte zwar oben, dass die Rechtslage ziemlich unklar ist, aber das ist sie eigentlich nur in Bezug auf die Schwangere selber, wie ihr Tun einzuordnen ist und wie seitens des Staates damit umzugehen ist.

Wenn aber eine Frau auf obige platte Frage z.b. mit "Der Kindsvater müsste aufhören mich unter Druck zu setzen, abzutreiben, dann könnte ich sicher von einer Abtreibung absehen." antwortet, ist die Rechtslage vergleichsweise klar und es wäre auch abstrakt klar, wie der Staat damit umzugehen hätte und das würde keinerlei Eingriff in ihre Rechte umfassen.

Aber es ist natürlich unbekannt, ob es solche oder ähnliche Konstellationen gibt, denn diese platte Frage scheint nie jemand zu stellen. Dabei würde ich vermuten, dass wenigstens einige Frauen sie beantworten könnten.

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