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War die Schwangerschaft doch ein Fehler?

21. März 2016 um 2:04 Letzte Antwort: 21. März 2016 um 9:37

Hallo,

ich bin Anfang 30 und bin mit meiner Frau seit 10 Jahren zusammen.
Wir harmonieren relativ gut miteinander, gibt selten Streit, können uns vieles erzählen, haben ein gutes Leben, nur mit dem Nachwuchs ist das so ein Thema.
Letztes Jahr wurde meine Frau ungewollt schwanger, ich muss dazusagen das sie noch nie der Kindertyp war und mir von Anfang an sagte das sie keine Kinder möchte.
Ich konnte mir dagegen Kinder vorstellen, es war aber nie ein lang ersehnter Wunsch von mir daher war das in der Beziehung auch nie ein Thema.
Bis zum letzten Jahr, wäre es nach ihr gegangen hätte sie das Kind abgetrieben. Da wir nur mehr ~ eine Woche Zeit hatten um uns zu entscheiden hatten wir dementsprechenden Stress das schnell zu klären.
Ich habe ihr immer gesagt dass ich zu ihr stehe, egal wie sie sich entscheidet. Ein Gedanke, den ich auch jetzt nicht bereue ausgesprochen zu haben war das ich ihr sagte, dass wir eine Abtreibung bis an unser Lebensende bereuen könnten. Die Gefahr besteht das man sich irgendwann fragt, "wieso" und diese Frage bis an sein Lebensende zu tragen kann eine schwere Last sein.

Ich wollte sie eigentlich nicht beeinflussen, da für mich beide Entscheidungen in Ordnung gewesen wären. Bis eben auf diese eine Frage welche eventuell in dieser Situation sehr egoistisch gedacht war. Kann ich in x Jahren damit Leben, dass meine Frau unser Kind abgetrieben hat ohne das ich ihr meine Befürchtung mitteilte?

Dieses Argument war dann der Grund wieso meine Frau doch nicht abgetrieben hat, mittlerweile ist sie im sechsten Monat. Leider war die Schwangerschaft bis jetzt die reinste Katastrophe, meine Frau hatte sehr lange Beschwerden und auch jetzt noch einige unschöne Momente. Angefangen von der Dauerübelkeit, Sodbrennen, bis hin zu Schlafproblemen, Bauchschmerzen und Stimmungsschwankungen.

Sie redet in der Schwangerschaft immer schlecht über die Schwangerschaft -- blöde Schwangerschaft, ich will das nicht mehr usw.
Seit einiger Zeit geht es ihr aber wieder besser, sie hat nur mehr ab und an Beschwerden. Auch Schlaf findet sie wieder. Aber sie redet immer noch schlecht über die Schwangerschaft und Neuerdings über das Kind direkt. Sie möchte es eigentlich nicht, es war ein Fehler sich dafür zu entscheiden, sie trägt es nur wegen mir aus, jetzt tretet das blöde Ding schon wieder, jetzt lässt mich der Stinker wieder nicht schlafen usw..

Meine Frau und ich hätten eigentlich sehr gute Startbedingungen. Sind beide selbstständig, daher können wir uns die Zeit frei einteilen, haben eine große Wohnung, sind ein gut eingespieltes Team.
Wäre da nur der Punkt das meine Frau sich nicht für das Baby freuen kann und mir das immer wieder sagt. Mittlerweile ist sie bei mir an einen Punkt angekommen wo ich das nur mehr schwer ertragen kann.
Immer wenn sie schlecht über das Kind redet, versuche ich weiterhin ihr gut zuzureden aber innerlich krümmt sich alles, denn am liebsten würde ich ihr in so einem Moment einfach mal laut brüllend mitteilen, dass sie das endlich lassen soll.

An Freunde möchte ich mich nicht wenden da es mir peinlich ist das Thema anzusprechen "Meine Frau ist seit 6 Monaten unglücklich schwanger und freut sich nicht auf das Baby" wo sich doch auf der anderen Seite jeder so dermaßen für uns freut.
Man hört dann Geschichten von anderen Eltern wie schön doch die Schwangerschaft war, wie sehr sich sich dann gefreut haben als das Baby endlich da war --> man lächelt freundlich und im Hinterkopf fragt man sich bereits selbst ob es ein Fehler war.

Habe mit meiner Frau bereits über eine Therapie gesprochen, aber das möchte sie nicht. Sie kam jetzt mit dem Thema Adoption, wobei so wie ich sie einschätze und wie sie es gesagt hat nicht ganz ernst meinte. Trotzdem muss ich ehrlich sagen, haben mir meine Gedanken die unschönsten Dinge präsentiert und das nagte einige Tage.

Ich würde gerne ein paar Meinungen lesen, muss eine Schwangerschaft wirklich wunderschön sein denn andere Meinungen bekam ich in meinem Umfeld nicht? Darf man sich während der Schwangerschaft auch mal über die Schwangerschaft ärgern, sogar den Ärger auf das noch Ungeborene übertragen --> ohne dich wäre alles besser usw.
Darf man das Kind in Frage stellen, wäre es ohne wirklich besser, war es eine Fehlentscheidung?

Zu guter Letzt, darf man Angst haben denn ich glaube meine Frau hat große Angst und nicht nur sie - wollte sie aber nicht weiter beunruhigen und genau das selbe macht vermutlich sie da sie nicht offen darüber spricht.

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21. März 2016 um 7:40

Puh
Das ist ja wirklich eine schwierige Situation.
Ich weiß auch gar nicht was ich dir raten soll.
Aber ich möchte dir erzählen dass es nicht völlig unnormal ist die Schwangerschaft nicht so zu genießen.
Es ist ein tabu, weil man von allen Seiten suggeriert bekommt man habe sich gefälligst unendlich zu freuen und glücklich zu sein.
Ich selber bin gerade zum zweiten Mal schwanger. Und obwohl es beides geplante Schwangerschaften sind bzw waren habe ich nie zu den Frauen gehört die diesen Zustand genießen können.
Für mich ist es ein notwendiges übel auf dem Weg zum Kind, aber ja ganz ehrlich, ich finde es nicht toll schwanger zu sein.
Und wenn ich mir das jetzt noch erschwert vorstelle dadurch dass es eigentlich gar nicht geplant oder gewollt war... Das ist sicher für euch beide gerade nicht leicht.
Es gibt auch leider keine Garantie dass nach der Geburt der Blitz einschlägt und die viel zitierte Mutterliebe deine Frau überwältigt.
Ich habe beim ersten Kind einige Wochen gebraucht um mich als Mama zu fühlen.
Gibt es jemanden mit dem deine Frau darüber reden kann? Am besten jemand aussenstehendes?
Ich habe dafür meine Hebamme, in eurer Situation wäre vielleicht auch psychologische und vor allem unvoreingenommene Beratung hilfreich.
Für euch beide.

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21. März 2016 um 9:37

Wow
Sowas von einem Mann zu hören ist extrem selten.
Also während ich schwanger war habe ich diese auch mal verflucht. Ich hatte extreme Kreislaufprobleme und bis zur 20 ssw Übelkeit.
Dann hat man hier und da mal Beschwerden. Schlafen ist anstrengend, nachts ständig hoch weil man auf Klo muss.
Und ja....Dann noch diese Zweifel....War das die richtige Entscheidung? War es vielleicht dich zu früh ? Adoption (wäre niemals in Frage gekommen)? Hätte ich vielleicht doch abtreiben sollen (hätte ich nicht mit meinem gewissen vereinbaren können)?
Diese und noch viele andere Gedanken quälten mich auch ab und zu und dennoch als mein Sohn dann da war waren jegliche Sorgen wie weg geblasen. Es war wirklich liebe auf den ersten Blick.
Ob es bei deiner Frau so sein wird weiß man nicht, denn trotz meiner Beschwerden und Gedanken habe ich die Schwangerschaft wirklich genossen und habe auch nie meinen Sohn verflucht....
Bei deiner Frau klingt es ein wenig nach Schwangerschaftsdepression und vielleicht sollte sie wirklich mal mir ihren Arzt darüber sprechen. Den diese ganzen negativen Gedanken spürt das Kind....EUER Kind! Und wenn das so weiter geht wird sie wahrscheinlich nach der Geburt unter Wochenbettdepressionen leiden....
Das Kind zur Adoption frei zu geben könnte ich niemals. Ich kenne welche die adoptiert worden sind und sie stellen sich selbst nach über 30 Jahren immer noch die Frage; Warum ?
Außerdem ist es euer Fleisch und Blut. Was kann ein unschuldiges Baby dafür das deine Frau psychische Probleme hat (so sehe ich das nämlich und dann noch die ganzen Hormone die jetzt sowieso verrückt spielen).
Spreche mit ihr und sage ihr das du dir Gedanken machst und du dich wirklich darauf freust das ihr bald zu dritt seid.
Unterstütze sie einfach....streichelst du ihren Bauch? Hat sie Rückenschmerzen ? Dann massieren sie oder lass ihr ein Bad ein o.ä. zeig ihr das du ihr hilfst.
Habt ihr schon Baby Sachen gekauft ?
Ansonsten geht zusammen einkaufen ect. Vielleicht bringt das ja was..
Wenn alles nichts bringt bleibt eigentlich nur noch der weg zum Psychologen...
Ich wünsche dir alles Gute und hoffe das ihr das hinbekommt eine kleine Familie zu werden

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