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Vertrauliche Geburt

13. Mai 2016 um 18:45 Letzte Antwort: 13. Mai 2016 um 20:36

Ich bin seid Jahren immermal stille Mitleserin auf gofeminin und nun möchte ich meine aktuelle Geschichte erzählen.. Es geht mir nicht um Meinungsaustausch, Kritik o.Ä., eher möchte ich etwas zu dem Thema Vertrauliche Geburt, beitragen. Da ich weiß, dass die Vertrauliche Geburt, die es seid Mai 2014 nun gesetzlich gibt, nicht mal bei ganz 100 Fällen Deutschlandweit gibt. Bis jetzt.
Vertrauliche Geburt bedeutet im Grunde, eine Frau entbindet ihr Kind unter einem psyeudonym (komplett anonym), gibt jegliche Rechte an ihrem Kind nach der Geburt ab und das Kind wird zunächst in die Obhut einer Pflegefamilie (durch das Jugendamt geklärt) genommen und dann adoptiert..
Dies ist Mithilfe einer Beraterin von deutschlandweiten Beratungsstellen möglich. Einzig die Beraterin/ der Berater kennen die wahre Identität der Schwangeren.
Das Kind hat ab seinem 16. Lebensjahr die Möglichkeit, die wahre Identität seiner Mutter zu erfahren, ( die die Jahre davor sicher verwahrt und absolut vertraulich weggeschlossen in einem Umschlag verwahrt wird). - Das ist die grobe Erklärung zu einer Vertraulichen Geburt.
Und somit fängt meine Geschichte an.

Ich bin 23 Jahre alt und in der 32. Ssw. Mit einem Jungen schwanger.
Das Kind entstand aus einer gewaltsamen Beziehung, die einfach nur der reinste Horror war. der Vater weiß nichts von seinem Kind und das ist auch gut so.
Das ist aber nicht der Grund, weshalb ich eine vertrauliche Geburt und somit meinen Sohn abgeben werde.
Ich habe bereits eine knapp 5 Jahre alte Tochter, mit der ich super klar komme. Unser Leben läuft gut, ich habe Arbeit und bin gefestigt in meinem Leben.
Ich habe eine Bipolare Störung, die ende letzten Jahres fest Diagnostiziert wurde.
Durch diese gewaltsame Beziehung, aber auch in den Jahren davor, hatte ich viele viele Probleme mit mir selbst. Meine Tochter hat davon zum Glück nie was mitbekommen und ist ein gesundes und fröhliches Mädchen. Dennoch,- meine emotionale Stabilität, Selbstwertgefühl, den Willen zu leben und alles was das Leben so mit sich bringt, musste ich über Jahre hart und schmerzhaft neu erlernen, aufbauem und festigen.
Ich habe Zeitweiße die Hölle durchgemacht!
Nun bin ich in fester Therapie und komme wirklich gut klar. Meine Krankheit wird mich mein lebenlang begleiten, aber ich kann nun mit ihr leben.
Als ich erfuhr das ich schwanger bin war mir sofort klar, dass ich diese Verantwortung nicht tragen kann.
Ich denke ich werde es nicht schaffen, meinem Sohn die Festigkeit, Struktur und die Liebe zu geben, die ich für mich und meine Tochter aufbringe.. so weit bin ich einfach noch nicht. Deshalb werde ich es auch anonym belassen. Niemand in meinem Umfeld weiß um meine Situation.. das klingt fast unmöglich aber doch, ich halte es geheim!
Diese Einsicht allein ist schmerzhaft, ja aber ich stelle mich trotzdem der Schwangerschaft und der Tatsache, dass ich meinen Sohn vertraulich entbinden werde.
Ich bin regelmäßig in einer Beratungsstelle, in der mich eine Frau betreut und alles nötige in die Wege leitet und mit mir vorbereitet. Sie ist die einzige die meine Situation kennt.

..nun werde ich in ein paar Wochen per Kaiserschnitt den kleinen zur Welt bringen. Er wird sofort in Obhut genommen durch eine Pflegefamilie. Und er wird in Zukunft behütet in einer Familie aufwachsen, die ihm all das geben kann, wofür ich noch nicht stark und stabil genug bin. Es wird ihm an nichts fehlen und er wird geliebt. Das ist für mich das wichtigste.
Sobald ich aus dem Krankenhaus entlassen werde, ist es so, als sei nie was passiert.
Mein Psyeudoym wird ruhen. Ich werde mein Leben weiterleben..
Ich werde meinem Sohn einen von mir geschriebenen Brief in mein Psyeudoymumschlag legen und eine Karte.
Ich hoffe das, falls er später sein Recht in Anspruch nimmt und den Umschlag anfordert, er meine Gründe versteht und sich nicht schuldig fühlt.
Es ist nicht so das ich ihn nicht will, ich will nur das beste für ihn!

Danke, das niederschreiben meiner Geschichte war eim großer Schritt für mich. Und danke an alle Leser.


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13. Mai 2016 um 18:55


Oh, vielen vielen Dank.

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13. Mai 2016 um 19:28

Hmm
Ein wenig kann ich dich verstehen...Ein Kind groß zuziehen ist eine große Verantwortung und Belastung. Es ist deine Entscheidung wie du das handhaben möchtest obwohl ich es nicht verstehe...Wenn du dein Leben zb in 5 Jahren so geordnet hast das dein Sohn bei dir sein könnte darfst du ihn nicht zu dir holen....Wäre eine Pflegefamilie auf Zeit nicht eine bessere Lösung? Eine Adoption ist so endgültig...Und wenn ich ehrlich bin glaube ich nicht das er es später verstehen wird....Seine Schwester durfte bei dir aufwachsen während er "abgeschoben" wurde. Das was du durchmachen musstest ist alles andere als einfach gewesen aber ob das die richtige Entscheidung ist, ist fraglich...
Aber das ist meine Meinung.
Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute und hoffe das du glücklich mit deiner Entscheidung wirst.

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13. Mai 2016 um 19:36

Mutige entscheidung!
Ich finde es gut dass du mit den tabu-thema brichst und deine geschichte erzählst!
Wenm es für dich die beste möglichkeit ist mit der situation umzugehen, finde ich das völlig legitim! Du bietest deinem sohn dadurch die möglichkeit ein tolles und sorgenfreies leben zu haben! Außerdem kann deine tochter dadurch auch so unbekümmert wie bisher weiterleben.
Ich wünsche dir alles liebe und das beste für die zukunft!!

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13. Mai 2016 um 19:44

Du
berichtest von einer sehr mutigen Entscheidung die die getroffen hast. Es ist jedoch eine Ilusion, dass Dein Leben weitergeht wie immer, wenn Du das Krankenhaus verlassen hast. Denn zu zählst viele logische Argumente des Verstandes auf, warum Dein Sohn nicht bei Dir sein kann.
Aber was spricht Dein Herz. Denn das Herz hat seine Gründe wovon der Verstand nichts weiß. Das Hergeben Deines Sohnes kann für Dich zu einer Verlusterfahrung werden, die Dich über Jahre hinweg belasten kann. Hast Du schon über die Möglichkeit nachgedacht, in eine Pflegefamilie zu geben. Damit wäre Dir Dein Sohn näher.
VLG Yankho

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13. Mai 2016 um 20:36

Alles Gute!
Für dich und deine Kinder!
Ich finde deine Entscheidung mutig und stark.
Ich bin selber ein adoptiertes Kind und bin meiner leiblichen Mutter dankbar dass sie damals so entschieden hat, denn ich habe es wirklich gut getroffen.
Es macht mir auch nicht zu schaffen dass sie nur eins ihrer vier Kinder bei sich behalten hat.
Denn ich weiß um ihre schwere Situation damals.
Manchmal ist es für das Kind das beste.
Und es erfordert viel sich das einzugestehen.

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