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Unsere Geschichte...

10. August 2015 um 11:41 Letzte Antwort: 13. Juli 2017 um 22:46

Ich teile hier unsere Geschichte mit, um sie zu verarbeiten und um anderen mitzuteilen, dass sie nicht allein davon betroffen sind.
Ich bin mit meiner Entscheidung einverstanden und brauche auch keine Rückmeldungen, die diese in Frage stellen oder gar anprangern. Jeder ist für sein eigenes Handeln verantwortlich.

Ich bin 41 Jahre alt und habe einen gesunden Sohn von 9 Jahren. Nach zwei Frühaborten in der 7. SSW - die letzte vor einem Jahr, bin ich seit Februar diesen Jahres wieder einmal die glücklichste Mutter gewesen, als feststand, dass ich schwanger bin. Nachdem ich die drei Monate überstanden habe, war ich mir sicher, die Schwangerschaft hält, so wie bei meinem Sohnemann. Kein Frühabort...
Die Ersttrimesteruntersuchung war erfolgreich, das Herz schlug immer schön und heute weiss ichs ja, ein Junge, also unser Sohn wuchs prächtig heran. Aufgrund meines Alters bekam ich schon zu Anfang mitgeteilt, dass ich zur Risikogruppe gehöre. Das bekommt man in meinem Alter bzw. ab 35 Jahren immer mit serviert. Ich kenne so viele, die mit 43 bzw. 44 gesunde Kinder entbunden haben. Warum ich nicht??!. Ich machte trotzdem einen Bluttest auf die Wahrscheinlichkeit hin zu prüfen, wie es mit T21 etc. aussieht. Um der Angst zu entkommen. Der kostete Geld - weil die Krankenkasse das jetzt nicht mehr übernimmt, wie damals bei meinem Sohn mit 312 Jahren. Es kam raus, dass aufgrund der Nackenfalte, die mit 0,8 mm gemessen wurde - der Wert des T21 von 1:45 in meinem Alter auf 1:277 ins positive gestiegen war, sodass alle Zeichen für ein gesundes Kind zu diesem Zeitpunkt gut standen. Keine Auffälligkeiten!!!

Das war so in der 12 SSW. Mein FA meinte, dass sähe gut aus, ich könnte jedoch noch eine FWU machen, um das nochmal abzuklären, könne aber auch jetzt bis zur nächsten Untersuchung warten.

Da ich Rhesusfaktor neg. bin, besteht ein erhöhteres Risiko auf eine Fehlgeburt. Aufgrund meiner Aborte war mir das zu gefährlich. Also hatten wir die Möglichkeit den Harmony Test zu machen, Kosten 500,00 , die wir nicht mal so nebenbei raushauen wollten, davon kann man schon ein Kinderzimmer kaufen. Da der FA meinte, wenn sie das Geld zuviel haben, dann machen sie das, er würde warten, bis zur 2. Trimesteruntersuchung. Das taten wir dann auch. Je später desto besser, sagte er am besten um die 21. SSW. Da sähe man am meisten und am besten die Organe, da fängt das Wachstum an. In der 21. SSW vor unserem geplanten Sommerurlaub sind wir hin.

Nach einer Dreiviertelstunde verkündete mein FA der Kleine habe einen Herzfehler - ein Loch im Herzen, das Blut strömt wie ein Fluß hindurch und es gibt keine Trennwände innen drin, sowie zu große Nieren, die auffällig sind und aufgrund mehrere Anzeichen sähe das gar nicht so gut aus. Ich solle nun eine FWU machen. Da ich es ja nicht wollte und gelesen habe, dass dafür dann erst wieder die 32. SSW besser in Frage käme, falls das Kind abginge, dass es überleben könnte, habe ich mich für den Harmony Test entschieden. Also 10 Tage warten.... Am Freitag, mein letzter Arbeitstag bekam ich mittags den entscheidenden Anruf.

Zu 99 % Trisomie 21. Ich war stumm, wir waren stumm. Es verschlägt Dir die Sprache. Es hatte ja nichts darauf hingewiesen. Dann riet mein FA zu einem Abbruch. Mit den Diagnosen und den Fehlbildungen würde sich das Kind ein Leben lang auf einer Rasierklinge bewegen. Vermutlich mehrere OPs, etc.. Nach dem Gespräch riet er mir in die Uniklinik Bonn zu fahren, um dort alles Weitere abzuklären. Wir bekamen dann direkt für Dienstags einen Termin. Die Ärzte machten alles - kontrollierten alles und ich hoffte, darauf, dass sie mir doch bitte sagen könnten, mein FA hätte sich geirrt. Nein es sah alles weiterhin danach aus. Ein Abbruch ohne FWU geht nicht und das ist gut so. Ich wollte die Gewißheit, dass es zu 100 % stimmt. Also nochmal 14 Tage auf das Ergebnis warten. Denn hier hilft der Schnelltest dann auch nicht weiter. Wir sind die letzten 10 Tage noch in den Urlaub gefahren, den wir ja geplant hatten und ich bin mit meinem Bauch schon stolz, aber auch mit viel Demut herumgelaufen. Wenn man im 6. Monat ist und so blüht, wie eine werdende Mami blühen kann und die Menschen es sehen, dass du voll schwanger bist, aber Deine Seele, die sich dahinter verbirgt, voller Sorge, Trauer, Angst steht. Das ist pervers, ambivalent....man kann hierfür keine Worte - finden. Ich habe mich dennoch an den Bewegungen des Kleinen gefreut, den Bauch gestreichelt und ihn lieb gehalten. In diesen 10 Tagen haben wir jeden Tag darüber gesprochen, können wir eine Trisomie tragen, kann man den Herzfehler und die im dritten Monat anfallende schwere OP dem Kleinen zumuten (was, wenn was schiefgeht und es Probleme und weitere OPs gibt oder er am Ende daran stirbt), kommen noch weitere Fehlbildungen im restlichen Verlauf der Schwangerschaft hinzu (konnte nicht ausgeschlossen werden)??

Mein Mann konnte zuerst für sich objektiv und rational die Entscheidung treffen, dass dies für den Kleinen und für unsere kleine Familie nicht tragbar ist. Nach intensiven Recherchen für pro und kontra bzgl einer Trisomie 21 mit einem schweren Herzfehler und evtl. weiteren Folgen haben wir uns für einen Abbruch entschieden.

Dann bekamen wir im Urlaub telefonisch die Mitteilung, dass das Ergebnis zu 100 % auf T21 plus der Fehlbildungen feststand - es war so wie es war. Das 1 % konnte es nicht raushauen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wir bekamen einen neuen Gesprächstermin und dann mussten wir die 3 Tage Bedenkzeit noch abwarten, bis wir dann zum Abbruchtermin ein 3. Mal anreisen konnten. Mein Mann und ich haben dafür gesorgt, dass der Große für 2 Nächte gut untergebracht war, um das gemeinsam zu überstehen.

Am Anreisetag wurde dann das Fetozit gesetzt. Mein Mann hat es mit angesehen, um dabei zu sein und zu sehen, dass der Kleine nicht verletzt wird. Ich habe die Augen geschlossen und den Bauch festgehalten, um ihm zu sagen, dass ich ihn liebe. In der Nacht bekam ich dann Zäpfchen, die dann die Wehen auszulösen. Aufgrund der vorherigen Kaiserschnittnarbe durfte ich nur sanfte Mittel bekommen. Dann im Nachmittag mit schlimmsten Wehen, ging ich zu Boden auf alle Viere und die Fruchtblase platzte nur so raus. Fünf Minuten später kam der Kleine hinterher. Zum Glück mit dem Köpfchen. Ca. 712 g schwer in der 24. Woche. Sofort bekam ich meinen Kleinen auf den Arm und all die böse Phantasie, die Angstmache vor diesem Augenblick war verflogen. Er war so hübsch und es war trotz allem ein glücklicher Moment. Danach hat mein Mann ihn angenommen Da die Nabelschnur nicht mit dem Mutterkuchen ganz rauskam, musste ich dann leider noch wie sollte es mir auch erspart sein, in den OP für die Ausschabung. Kurz danach lag ich wieder auf meinem Zimmer und konnte meinen Sohn wieder in die Arme schließen. Ich war erstaunt darüber, wie fertig die Kleinen in diesem Zeitraum schon sind. Und unwahrscheinlich traurig, dass er nicht schrie und sich bewegte, wie mein Sohn es vor neun Jahren tat. Ich brach in Tränen aus und all das, was ich jetzt vier Wochen mit mir rumgetragen hatte, löste sich. Mein Mann und ich haben es überstanden. Wir haben uns am nächsten Tag von unserem Kleinen verabschiedet. Er lag in einem Körbchen und in dem Deckchen das wir von Zuhause mitbringen konnten. Hiermit wird er auch beerdigt werden. Wir haben Fotos, einen Stein usw. mitbekommen. Die Hebamme und das ganze Team waren so mitfühlend und umsorgend, dass mir dadurch das "Ganze Schlimme" etwas genommen werden konnte. Vielen Dank an dieser Stelle. In ca. 3 Monaten werden wir unseren 2. Sohn, der nun in unserem Familienstammbuch miteingetragen wurde, mit den anderen Sternenkindern die letzte Ehre erweisen. In unserem Herzen und in unserer Familie hat er seinen Platz für immer fest.

Vielen Dank Florian für die schönen gemeinsamen Augenblicke und Momente, die Du uns geschenkt hast - Du unser Sternenkind in unserem Herzen

Unser Fazit: Wir werden nie wieder so lange warten, entweder FWU oder Harmony Test zum frühstmöglichen Zeitpunkt Sicherheit und Schutz für uns und das werdende Leben...

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11. August 2015 um 6:02


Ich kann mir nicht vorstellen, dass das, was Ihr jetzt durchgemacht hab, leichter ist, als wenn Ihr ihn behalten hättet.

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24. August 2015 um 17:07

Huhu
schade das wieder so ein kleiner weggeworfen wurde, nur weil er nicht so war, wie er sein sollte....und hätte er doch so fest einen platz im herzen, dann hätte man ihn nicht umgebracht, sondern behalten. wer sein kind so liebt wie es ist, der beseitigt es nicht, und tut dann so, als ob man es ja sooo geliebt hat. und ja ich schreib aus eigener erfahrung. mein kleiner ist mittlerweile 3, 5 jahre alt, und ist sowas von süss, mit seiner art, und bringt uns so oft zum lachen.er gibt uns soviel liebe, das ich eher kaputt daran gegangen wäre, hätten wir ihn umgebracht, als ihn mit viel liebe aufzuziehen. aber man nehme halt lieber den einfachen weg, bloss keine belastung auf sich nehmen.

rip kleiner engel. bist halt zu den falschen eltern gekommen.

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29. August 2015 um 6:30

Verkehrte Welt
Wenn die Tötung eines Ungeborenen kritisiert wird, ist das erschütternd.

Wenn man ein Ungeborenes tötet, ist das überhaupt kein Problem.


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2. September 2015 um 10:56
In Antwort auf esmi_12120735

Verkehrte Welt
Wenn die Tötung eines Ungeborenen kritisiert wird, ist das erschütternd.

Wenn man ein Ungeborenes tötet, ist das überhaupt kein Problem.


Jo redpoll
leider denken immer noch zuviele, das es sich hier nicht um ein kleidungsstück handelt, was man zurück gibt wenns nicht gefällt, sondern um lebewesen.

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25. April 2017 um 10:36

Auch wenn der Tread schon etwas älter ist, möchte ich trotzdem gerne etwas dazu schreiben. Ich finde es unmöglich wie hier geurteilt wird über jemanden der für sich selbst wohl die schwerste Entscheidung seines Lebens getroffen hat!! Ich kann diese Entscheidung absolut nachvollziehen, da es für einen selbst wirklich auch etwas ist was man nicht einfach so von hier auf gleich entscheidet, sondern mit vielen Gedanken begleitet, ob man dem Kind wirklich ein „Leben“ schenkt oder nicht. Ich ziehe den Hut vor denen die es trotz alledem durchziehen, aber ich habe genauso viel Respekt vor denen die es eben nicht tun. Man muss mit beiden Entscheidungen ein Leben lang leben und dazu gehört für mich einfach nur Mut und Hochachtung!!
Also, bitte verurteilt niemanden den ihr sowieso überhaupt nicht kennt!!

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25. April 2017 um 22:58

Ganz ehrlich, der Thread ist alt: aber, jeder der die Thread-Erstellerin für ihre Entscheidung derart verurteilt ist ein unqualifiziertes, uninformiertes und Ignorantes pro-Life ***** (das Wort würde gegen die Etikette verstoßen). Wie schwer kann es sein mit dieser Armen Frau mitzufühlen und ihre Entscheidung zu verstehen? Klar, niemand kann pauschal sagen "ich hätte es genau so gemacht.", Außer man steckte selber schon einmal in dieser Situation, aber dennoch ist die Entscheidung durchaus nachvollziehbar und ich bin jetzt so frech und sage: ich hätte vermutlich dieselbe Entscheidung für mein Kind getroffen. Wer so verblendet ist und nicht sieht, dass dies kein Leben für Mutter, Vater und Kind gewesen wäre, der sollte seinen unqualifizierten ****** auch nicht publik machen dürfen. 

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25. April 2017 um 23:26

Ja, das habe ich rauslesen können und hier wurde ein Fehler gemacht, das seh ich ein, das hätte früher gemacht werden können/ und sollen! Also kein böses Blut, ich rede hier ausschließlich von "ich höre nicht zu, ich sehe nichts ein, Hauptsache pro-Life".

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26. April 2017 um 8:02

Nein, das ist so nicht ganz richtig, der Test wurde ihr angeboten aber der FA meinte es wäre Geldverschwendung da bis dahin keine wirklichen Auffälligkeiten zu sehen waren. Und außerdem war hier auch nicht nur die Diagnose Trisomie 21, sondern auch ein schwerer Herzfehler. Das Kind hatte so oder so keine wirklich guten Chancen auf ein wirkliches Leben!! Man sollte sich schon die Geschichte richtig durchlesen!!

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26. April 2017 um 9:52

Sorry, Dir galt die Antwort gar nicht!! Ich wollte eigentlich glyzinie antworten. 

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27. April 2017 um 9:12

Das stimmt!! Leider findet man heutzutage nicht mehr viele Ärzte die sich wirklich noch auf den Patienten konzentrieren und diese auch richtig beraten

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6. Juli 2017 um 22:15
In Antwort auf esmi_12120735


Ich kann mir nicht vorstellen, dass das, was Ihr jetzt durchgemacht hab, leichter ist, als wenn Ihr ihn behalten hättet.

Oh doch
Es ist viel leichter... Mein Gott, kann sich keiner vorstellen, wie es ist, wenn ein kleines Baby 2/3/4 mal und mehr operiert werden muss? Jedesmal Vollnarkose, jedesmal die Gefahr, dass das Kind es nicht überlebt. Das bedeutet Monate vielleicht sogar Jahre voller Angst und Ungewissheit.

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13. Juli 2017 um 22:46

Thema Fruchtwasseruntersuchung: ich denke, hier macht es schon Sinn, davon abzuraten, wenn vorab keine Indikation vorliegt - einfach aus dem Grund, dass eine FWU in ca. 1% der Untersuchungen einen vorzeitigen Blasensprung auslösen kann. Ein Prozent ist schon recht viel, wenn man eigentlich davon ausgeht, dass das Kleine gesund ist. Ohne Indikation würde ich mich (egal ob Pro-Life oder nicht) immer dagegen entscheiden. Der Harmony Test ist zwar teuer, aber sicher. Wenn, dann würde ich den machen. 

Zwar schreiben hier einige, dass sich die Thread-Schreiberin besser mal für den Harmony-Test hätte entscheiden sollte als für das Kinderzimmer, aber mal ehrlich: wer denkt denn daran, dass es einen selbst treffen könnte? Letztes Jahr hatte ich aufgrund einer popligen Vaginose (ich war leider mehr oder weniger symptomfrei) einen vorzeitigen Blasensprung in der 19. Woche. Ich hätte auch niemals damit gerechnet, dass ich zu den ca. 1% gehören würde, die von einer späten Fehlgeburt betroffen sind. Tja. Wie hoch die "Chancen" auf eine Trisomie liegen weiß ich zwar nicht, aber die sind bestimmt nicht so hoch?

Auch wenn ich selber Pro-Life bin - ich hätte das Kind mit ziemlicher Sicherheit bekommen -, kann ich die Entscheidung der Thread-Schreiberin dennoch gut nachvollziehen. Klar, man hätte es sicher früher erkennen können und natürlich handelt es sich in jedem Stadium um ein menschliches Leben (und sorry, "es ist der Körper der Frau" ist dazu garantiert kein Gegenargument) und kein "Kleidungsstück, das man jederzeit zurückgeben kann, nur weil es nicht passt", aber hört doch bitte, auf der armen Frau rumzuhacken. Diese Entscheidung/Erfahrung wird sie auch so schon bis ans Ende ihres Lebens verfolgen, da müsst ihr nicht noch Steine hinterherschmeißen.      



 

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