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Ungewollte Vaterschaft und zerbrochene Liebe

25. Oktober 2015 um 22:38

Hallo,

Ich möchte mir gerne etwas von der Seele schreiben, weil ich mich sehr allein damit fühle. Bin mir nicht sicher in welche Kategorie dies fällt, deshalb schreibe ich mal hier.

Vorausschicken möchte ich, dass ich einen Fehler gemacht habe und mein Partner auch, deshalb versuche ich objektiv zu sein, weil mir Tipps wirklich wichtig wären.

Vor über 6 Jahren habe ich meinen heutigen Mann kennen und lieben gelernt. Von Anfang an habe ich betont, dass ich mir eine Familie wünsche. Dies war mir auch deshalb extrem wichtig, da mein vorhergehender Partner, mit dem ich mehr als 10 Jahre zusammen war, seinerseits irgendwann beschlossen hatte, keine Kinder zu wollen. Da ich ihn sehr liebte, versuchte ich eben mit meinem Kinderwunsch allein klar zu kommen bzw. ihn zu vergessen.

Mein neuer Partner wollte auch Kinder und so begann die Liebe ihren Lauf zu nehmen. Da er keine Kinder bekommen kann, kam von Anfang an nur künstliche Befruchtung in Frage. Die ersten Jahre hat er sich immer wieder um das Thema geschraubt. Als ich ihn zur Rede stellte, meinte er, er wolle jetzt doch keine Kinder und zog sogar vorüber gehend aus. Seine Angst war, dass ich ihn mit einem Kind weniger lieben würde, meinte er zumindest.

Schließlich fanden wir einen Weg und er kehrte zurück und stimmte dem Kinderwunsch auch zu. Ich glaube primär weil er mich sicher liebte, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen, weil ich gut abgesichert bin und auch nicht schlecht verdiene. Wir versuchten alle möglichen medizinischen Wege, u.A. IVF und ICSI, nur es klappte nicht. Unsere Beziehung wurde dadurch stärker und die Liebe tiefer. Und wir heirateten und waren glücklich.

Als Frau war es für mich aber furchtbar, diesen Wunsch, den zuerst nur ich hatte und dann auch mein Mann, nicht erfüllen zu können. Er war zunehmend enttäuscht, mich belastete es ebenfalls enorm. Da Adoption kaum Chancen bietet, entschieden wir uns für ein Pflegekind. Mein Mann ging in Karenz, da er ohnehin den Job wechseln wollte und soweit war alles toll.

Nur zwei Dinge waren es nicht: mein Mann wurde einerseits immer unglücklicher "bin genau in jener Rolle die ich nie gewollt gabe" und auch immer gereizter. Ich bot ihm an, die Karenz zu tauschen, dass ich ginge, aber er meinte nur er plane nicht mehr arbeiten zu gehen. Teilzeit ist mein Job umgekehrt nicht möglich. Gleichzeitig war er immer super mit dem Kleinen, vorbildlich. Andererseits wurde mein Kinderwunsch immer größer und nicht kleiner, da ich kaum etwas von dem Kleinen hatte. Meist stand er auf, nachdem ich weg war und schlief schon wenn ich heim kam. Ich versuchte Alternativen zu finden, aber alles verpuffte. Mein Mann betonte immer, dass es ihm wichtig war den Lebensstandard zu halten und gleichzeitig warf er mir vor keine Zeit für das Kind zu haben.

Insgesamt waren wir also glücklich, aber auch belastet. Irgendwie. Da mein Kinderwunsch immer noch da war und die Situation verfahren, machte ich etwas aus heutiger Sicht Dummes: ich probierte noch eine künstliche Befruchtung und sagte meinem Mann nichts davon. Zwar versuchte ich oft darüber mit ihm zu reden, aber er beendete das Thema immer sofort mit "will kein zweites Pflegekind". Weiter kam ich nicht, denn er stand immer auf und ging weg.

Ehrlichweise wollte ich so sehr mit ihm darüber reden. Anlass war nämlich ein Gyn-Wechsel und der neue Arzt sagte, ich hätte eine leicht zu behandelnde Krankheit, aufgrund derer ich nicht schwanger werden könnte. Und tatsächlich in der neuen Klinik mit der neuen Methodik wurde ich sofort schwanger. Ich war so glücklich! Denn wir können es uns leisten dass ich ein Jahr Zuhause bleibe und wir uns um beide Kinder wirklich kümmern können und er wäre auch entlastet - so dachte ich.

Nur er nicht. Er war enorm erbost seitdem er es erfahren hat, redet seitdem kaum mehr mit mir und hat mir die Abtreibung durch die Blume nahe gelegt. Jeden Tag schreit er mich an, hat mir auch mit körperlicher Gewalt gedroht, hält mir vor, ich hätte sein Leben zerstört und alles an was er geglaubt hat, ist dahin. Sogar meine Familie, die sich total freut, war da, um die Situation zu beruhigen, aber die hat er auch angeblöckt und verjagt. Dauernd höre ich jetzt, er "wollte ja das erste schon nicht und jetzt das" usw. Auf meine Frage was er denn will kommt meist "dich ohne Kinder".

Ich bin jetzt in der 7. Woche und freue mich auf das Kind und liebe auch das erste über alles. Ich kann den Ärger verstehen, aber seit über zwei Wochen höre ich jeden Tag die gleiche Platte. Derweil sagt er, er freut sich schon drüber, nur dass ich es ihm nicht gesagt habe kann er mir nicht verzeihen. Und es könne eben zwei Jahre dauern bis das möglich ist und er sich damit anfreunden kann, geschweige denn das Kind akzeptieren. Aber das kann ich doch weder den Kindern noch mir antun? Jeden Tag die Vorwürfe stundenlang anhören und das wo er doch sowieso keine Alimente o.dgl. zahlen muss. Ich verstehe den Vertrauensverlust, mein Vorgehen war egoistisch, aber ich denke jetzt umgekehrt ernsthaft an Trennung, weil ich keinem Kind zumuten will, dass es solche Sätze des Ungewolltseins hört. Und ich möchte einfach einen Tag erleben wo ich meinen Bauch berühre, den Kopf meines Kleinen berühre und einfach glücklich bin. Keine Tränen oder dauernde Aufbauvorgänge mehr.

Ich bin ratlos, denn in die Situation habe ich mich selbst gebracht, nur raus finde ich nicht. Eventuell braucht er auch nur Zeit, aber mir geht alle Energie langsam aus. Tipp?

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