Home / Forum / Schwangerschaft & Kinderwunsch / Sternchen bei 17+0

Sternchen bei 17+0

7. November 2015 um 16:36 Letzte Antwort: 8. November 2015 um 16:21

Hallo ihr Lieben,

ich verfolge stets Erfahrungsberichte von Frauen, die eine mit Komplikationen geplagte Schwangerschaft haben/hatten und hoffe und bange jedesmal für sie. Wenn alles im Leben mit bloßen Willen zu lösen wäre...

Letzten Montag kam mein Sohn zur Welt. Viel zu früh. Ich wollte über den verlauf meiner Schwangerschaft reden, vielleicht hilft es zumindest einer Person, vielleicht kann jemand daraus was für seine Situation herauslesen.

Nun zu der Geschichte selbst. Finn war ein absoluter Wunschkind. Ich bin 25 Jahre alt und mein Freund wird demnächst 24. Wir sind also die besagten "jungen" Eltern. Es hatte beim ersten Zyklus geklappt.
Beim ersten Frauenarztbesuch konnte man nur ein extrem kleines Pünktchen sehen, denn ich war auch viel zu früh da: in der 4. Woche bereits. Das war ein Freitag. Am Dienstag danach hatte ich leicht rosa Schleim auf dem Papier beim Abwischen und habe sofort Schock und Trännenausbruch bekommen. Ich Dümmerchen, wenn ich wüsste damals, was alles noch kommen wird! Der Grund für meine Trännen war der "Familienfluch" meiner Seite. Meine Oma hatte ein Mädchen mit Nabelschnurrvorfall zur Welt bringen müssen, meine Tante hatte eine stille Geburt in der 20. Woche, meine Mutter hatte 3 frühen Fehlgeburten bis zur 12. Woche in Folge und ich selbst wäre beinahe die Nummer 4.... Bei dieser Vorgeschichte denkt man unfreiwillig daran, ob der "Fluch" auch einen selbst trifft. Aber die Hoffnung stirbt zulezt und so habe ich nie aufgegeben. Also ab zum Frauenarzt abklären, was da nicht in Ordnung ist. Es wurde eine leichte Blutung am Gebärmutterhals festgestellt, also kein Grund zur sorge, sollte mich schonen und Blutwerte wurden kontrolliert. Das Labor meldete minimal zu niedrige Werte an Gelbkörperhormon, woraufhin ich Progestan verschrieben bekommen habe. Seit der erster Anwendung hat auch die Blutung aufgehört. Ich war glücklich. Ich dummes Ding.....

Eine Woche später, als ich an meiner Bachelorarbeit zu Hause schrieb kam der erster Schock. Ich bin aufgestanden und plötzlich wurde es sehr warm und nass in der Hose. Die Sekunde, die ich brauchte um zu begreifen, dass es Blut war, lief es bereits durch die Hose auf den Boden, wo es sich eine große dunkelrote Lache ansammelte. Ich sturmte ins Bad, setzte mich aufs Klo und es machte "Plapp". Ein handgroßes dunkelrotes "Gewebeklumpen" ist aus mir einfach so herausgefallen. Im Glauben, dass es sich um eine Fehlgeburt handelt, fischte ich den Klumpen aus der Toilette heraus, legte es in den Waschbecken ab um es mir genauer anzuschauen. An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich keinerlei Angst vor Blut und anderen Zeug habe und in extremen Situationen immer ruhig bleiben kann (das hat sich als großes Vorteil in dieser Schwangeschaft herauskristalisiert). Mein Handy war natürlich nicht im Bad, also schnell hin, es holen, dabei hinterlies ich eine regelrechte Blutspur in der gesammten Wohnung. Mein Freund war bereits aus dem Heimweg als ich ihn anrief. Während er nach Hause eilte, ging ich Duschen, legte eine extra dicke Binde ein und starte mit unglaubwürdigen Blick das "Gewebe" an. Es erinnerte an Leber, war gute 3 bis 4 cm dick, aber ich konnte kein Embrio entdecken. Nach dem mein Freund endlich da war sammelten wir das "Gewebe" in einer Tüte ein und machten uns auf dem Weg ins Krankenhaus. Erst als ich ihn dabei hatte konnte ich weinen. In der Notaufnahme jedoch erwartete uns eine Überaschung: ein durchaus lebendiges Kind mit Herzschlag! Das stimmte auch mit meinem Körpergefühl überein. Ich hatte nicht das Gefühl allein in meinem Körper zu sein. Jedoch hat alles Süße auch einen bitteren Beigeschmack: es gab Hämatomen links und rechts von unserem Kind, die wesentlich größer waren, als das kleine Wesen. Sprich, wenn ein weiteres abgeht, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass es auch das Kind mitnimmt. Meine Ärztin schrieb mich am nächsten Tag deswegen krank und ich sollte vorwiegend liegen und mich schonen. Naja, das Standartprogramm bei solchen Geschihten halt.

So vergingen 2 Wochen. Es kamen mehrere Hämatomen raus in unterschiedlichen Größen. Blutung hatte sich nach den letzten auch gelegt und schließlich aufgehört. Anfang der 10. Woche dachte ich dann, der Spuck ist vorbei. War es natürlich nicht. Bei jeder Untersuchung konnte man neue Hämatome sehen und jedes mal sind sie mit gehörigen Sturzblutung abgegangen. Retrospektiv gesehen habe ich in dieser Schwangerschaft mehr Blut verloren als in den letzten 5 Jahren meines Lebens davor. Aber aufgeben war niemals eine Option. Sobald ich aufgegeben hätte, wäre es endgültig vorbei. So sagte es mir mein Gefühl zumindest. Die Ursache für die ständigen Blutungen konnte bis zum Schluss übrigens nie gefunden werden. Es wurde immer auf zu gute Durchblutung der Gebärmutter geführt. Ein verdacht auf tiefsitzende Plazenta wurde auch gestellt, jedoch wiederlegt. Also blutete ich grundlos mit und ohne Koagel (Hämatomen) bis zum Schluss hindurch.

Was ebbenfalls äußerst seltsam war, dass ich die ersten Kindsbewegungen bereits Ende 10. Woche spürte. Ich weiß, unmöglich früh. Und jedesmal, wenn es sehr viele waren, konnte man damit rechnen, dass in der nächsten Stunde es einen Blutsturz geben wird. Unser Sohn hat also wahrlich diese Dinge herausgetretten aus mir. Er kämpfte halt auch mit, so gut er konnte.

Von der Untersuchung zur Untersuchung (und auch all den Notaufnahme Besuchen....heh, es waren echt viele) entwickelte sich unser Sternchen prächtig. Plazentaablösung gab es auch nie. Es war immer ein Wunder, wie trotz allem es ihm super gehen konnte. Aber das war mir ganz recht. Es ist in Ordnung, dass ich blute, dass ich leide, solange es ihm nur gut geht. Das war mein Mantra die gesammte Zeit.

Manche Koageln hatten hellrosa Fäden in sich drin. Sah sehr nach Venen aus im Kleinformat. Was das war oder viel wichtiger wo sich das gelöst haben könnte, konnte natürlich auch niemand erklären. Nach einer Weile wurde ich auch nicht mehr ernst genommen. Nach dem Motto "das kennen sie schon, ist doch normal in ihrer Schwangerschaft".

Ich hatte auch zunehmend Paranoia entwickelt, wenn es darum ging aufs Klo zu gehen. Man lebte da ständig mit der Angst, was aus einem herausfallen könnte.

Gegen Ende der 15. Woche bekamm ich üble Rückenschmerzen, sodass ich Nachts kaum schlafen konnte. Was ich da noch nicht wusste - es waren Wehen. Am nächsten Tag bin ich zum Arzt, in der Praxis war aber keiner an diesem Tag. Also weiter zur Notaufnahme, wo das selbe Programm sich abspielte: "ja, Blutung vorhanden, für Wehen ist ihre Woche noch zu klein und die Schwangerschaft ist intakt". Mir wurde wie so oft angeboten zur Beobachtung stationär zu bleiben, wurde aber im gleichen Atenzug gesagt, dass sie nichts gegen eventuelle Fehlgeburt tuen können. Also ging ich nach Hause. Wenn unser Kind uns verlassen sollte, so lieber zu Hause mit seinen Eltern und nicht in einer Klinik. Dieses Wunschdenken wurde nut teilweise erfühlt. In der Nacht von Sontag zum Montag kamen die Wehen wieder. Diesmal stärker. Was mir in erster Sekunde auch entgangen ist, dass mein Bett nass war und es diesmal kein Blut war. Es war das Fruchtwasser...Aber das stellte man erst in der Notaufnahme fest, wohin ich mit dem Wagen um halb 2 Uhr nachts verfrachtet wurde. Der Arzt war sehr grob und teilweise beleidigend, als er mir Vorwürfe machte, dass ich nicht stationär geblieben war. Auf meine Frage was es gebracht hätte, denn sie ja eh nichts dagegen hätte tun können, kam der zweitschlimste Satz in dieser Nacht - "dass ich nicht hier um 2 Uhr nachts wach geklingelt werde. Das Gesundheitssystem wurde so nicht geschaffen, wenn sie krank sind, müssen sie im Krankenhaus bleiben".

Nach dieser Rede wurde ich auf Station verlegt. Wehen hörten nicht auf. Ich sollte ein Schmerzmittel bekommen, aber das wurde vergessen. Auf dem Weg dahin musste ich brechen, mein gesamter Mageninhalt war draußen. Dies sollte in den nächsten Stunde noch mehrere Male kommen. Mein Freund wurde nach Hause geschickt und sollte am nächsten Morgen kommen, da wäre die Diagnose fertig. Nun ja, das wurde nicht mehr gebraucht. Um 5:10 war mein kleiner Kämpfer in dieser Welt. Ich brachte ihn allein im Zimmer zur Welt. Meine Klingel schien nicht zu gehen, jedesmal wenn ich versuchte Hilfe zu rufen, kam niemand. Ich hatte Glück, dass wenigstens die Klingel meiner Zimmernachbarin funktionierte. Die arme Schwester, die diese Nacht Schicht hatte brachte mich anschließen in den Kreissaal (als ob ich das dann noch brauchte). Am Eingang kam die Ätztin und wollte uns gleich wieder zurück ins Zimmer schicken. "Es ist so eine schlimme Nacht, so eine schlimme Nacht! Alle Zimmern sind voll und alle Hebamen Beschäftigt....Ah, und für sie (da sprach sie endlich zu mir) ist es natürlich auch keine schöne Nacht. So eine schlimme Nacht!...."
In diesem Augenblick verfluchte ich, dass ich nicht stehen konnte. Mein Bedürfnis Menschen weh zu tun war noch nie so groß. Das arme Kind hing die gesammte Zeit noch an der Nabelschnur zwischen meinen Beinen. Zum Glück konnte in den Nächsten 5 Minuten ein leeres Zimmer gefunden werden und ich wurde dort abgestellt. Mein Sohn wurde abgenabelt und mir auf die Brust gelegt. Als die Nabelschnur ab war schrie ihn innerlich "bitte nicht, ihr bringt ihn um!". Das war ja das letzte, was uns beide noch physisch verband. Der kleine Kämpfer war kochend heiß, rot und voll entwickelt. Aus den Papieren erfuhr ich später, dass er in seiner Entwicklung bereits in der 18. Woche war. Uns so lagen wir da, ich im Meer von Blut mit Nachwehen, die nicht aufhörten, weil sich die Nachgeburt nicht gelöst hatte und mein Sohn im Handtuch auf meiner Brust. Wir wurden abgestellt und niemand traute sich so recht von dem Personal die nächsten 3 Stunden herein. Schlecht für meinen Kreislauf, weil ich ungehindert große Mengen Blut weiter verlor, aber gut für meine Psyche, da ich die Zeit hatte mich zu verabschieden. Ich habe versucht ihn warm zu halten, geweint, ihn gestreichelt und für ihn gesungen. Bis zuletzt gesungen, bis er eiskalt wurde. Und gleichzeitig ging die Sonne auf. Es war ein wunderschönes Morgen mit stralender Sonne und zwitschernden Vöglein vor dem Fenster.

Kutz vor 8 Uhr wurde ich endlich zur Ausscharbung geschoben. Die Wehen hörten übrigens bis dahin immernoch nicht auf. Es kam also dann wie eine Erlösung.

Später am selben Tag konnten ich und mein Freund sich noch in Ruhe von unserem Sohn verabschieden. 110g und 15cm war unser Kämpfer an seinem Geburtstag. Er sah so friedlich aus, so schön und hatte sogar ein leichtes Lächeln aufgesetzt.

Seit dem Tag brennt immer eine Kerze für ihn, damit sein Weg in den Himmel warm und sicher ist. Er kannte nichts außer Kampf und Liebe. Immerhin dafür muss ich dankbar sein.

Jetzt geht es ans Verarbeiten. Wir werden ihn in unseren Familienregister eintragen lassen, mit seinem richtigen Namen und selbstverständlich ihn anständig begraben. Das ist wohl das mindeste, was wir ihn schulden. Die Trauer und Angst werden uns noch lange begleiten, aber auch jetzt ist es keine Option für uns aufzugeben und zu verdrängen. Unser Sohn wacht jetzt über uns und wir müssen ihn stolz machen.


Das ist auch schon die gesamte Geschichte. Tut mir leid für die Details, aber wenn es einem passiert, so findet man nur selten Informationen.

Mehr lesen

7. November 2015 um 18:52

Hallo
Es tut mir furchtbar leid was dir passiert ist....meine Tochter sophia kam am 3.2.15 per Not Kaiserschnitt still zur welt.ich weiß wie du dich fühlst und kein anderer wird uns verstehen .nur Frauen die das gleiche durch gemacht haben. ich hatte 2014 eine fg in der 12 ssw und aktuell bin ich "noch" schwanger. habe letzte Woche in der 10 ssw erfahren das das Herz schon wieder nicht schlägt.letzten Samstag hatte ich die as.es gab Komplikationen. Durch meine 7 cm gr zyste am Eierstock, ist meine Gebärmutter verschoben.der arzt stach durch die Gebärmutter durch. die op musste abgebrochen werden.nun warte ich auf die nächste Ausschabung. ich wünsche dir ganz viel Kraft

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
7. November 2015 um 19:12
In Antwort auf christiner89

Hallo
Es tut mir furchtbar leid was dir passiert ist....meine Tochter sophia kam am 3.2.15 per Not Kaiserschnitt still zur welt.ich weiß wie du dich fühlst und kein anderer wird uns verstehen .nur Frauen die das gleiche durch gemacht haben. ich hatte 2014 eine fg in der 12 ssw und aktuell bin ich "noch" schwanger. habe letzte Woche in der 10 ssw erfahren das das Herz schon wieder nicht schlägt.letzten Samstag hatte ich die as.es gab Komplikationen. Durch meine 7 cm gr zyste am Eierstock, ist meine Gebärmutter verschoben.der arzt stach durch die Gebärmutter durch. die op musste abgebrochen werden.nun warte ich auf die nächste Ausschabung. ich wünsche dir ganz viel Kraft

Oh nein!!!!
Das ist ja noch schlimmer als meine Situation!
Ich wünsche dir alles Liebe und viel Gesundheit. Jetzt bloß nicht aufgeben.

Du hast Recht, kaum jemand kann es sonst richtig nachvollziehen. Lass dich drücken.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
8. November 2015 um 0:31
In Antwort auf helma_12117049

Oh nein!!!!
Das ist ja noch schlimmer als meine Situation!
Ich wünsche dir alles Liebe und viel Gesundheit. Jetzt bloß nicht aufgeben.

Du hast Recht, kaum jemand kann es sonst richtig nachvollziehen. Lass dich drücken.

Danke
im Mom funktioniere ich auch nur.bin wie in Trance und hoffe das es bald ein Ende hat. wie lange ist es bei dir her?für mich hat sich das Thema Kind erstmal erledigt. ich will jetzt erstmal versuchen heraus zu finden warum die Babys immer schlecht versorgt wurden.ne Blutgerinnungsstörurung wurde getestet. ist aber negativ

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
8. November 2015 um 16:21
In Antwort auf christiner89

Danke
im Mom funktioniere ich auch nur.bin wie in Trance und hoffe das es bald ein Ende hat. wie lange ist es bei dir her?für mich hat sich das Thema Kind erstmal erledigt. ich will jetzt erstmal versuchen heraus zu finden warum die Babys immer schlecht versorgt wurden.ne Blutgerinnungsstörurung wurde getestet. ist aber negativ

Nicht lange
Das mit dem "ich muss funktionieren" kenne ich nur zu gut.
Mein Sohn wurde am 02.11.15 geboren. Morgen sind schon 7 Tage also...

Lass dir die Zeit und vor allem lasse alles überprüfen. Oft wird man nur abgewunken und noch öfter wird einem nur die Hälfte erzählt. Ich lasse meine Gelbköper-Werte überwachen und versuche derweil so viele Vitamine und Co. in mein "System" reinzuzwingen, wie nur möglich.

Ich hatte selbst das Gefühl während der Schwangerschaft ein "Teilzeit-Hämophilik" zu sein. Seit heute hat die Blutung aufgehört. Das erste Mal seit den letzten 3 Monaten muss ich mich nicht mit den Binden rumplagen. Kommt mir sehr seltsam vor. Genauso seltsam wie meine Blutwerte: die waren perfekt die ganze Zeit über! Ich könnte damit noch Blut spenden gehen, so gut die waren -,-.

Wenn du was rausfindest, lass mich bitte wissen. Ich wünsche dir alles Gute!

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
Lust auf mehr Farbe in deinem Leben?
wallpaper