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Ich musste mein Kind in der 23 SS W gehenlassen

21. Juli 2013 um 21:21

Hallo zusammen!

Mein kleines Mädchen ist nicht mehr bei mir und ich habe keine Ahnung wie ich damit fertig werden soll.

Sie war leider nicht lebensfähig und nach einem zweiwöchigen Untersuchungsmarathon wurde die Geburt eingeleitet. Sie kam still zur Welt.

Die Geburt ist nun schon über drei Wochen her. Ich dachte es wird irgendwann besser, aber es wird immer nur noch schlimmer. Ich würde mich am liebsten in einem Schlafzimmer einsperren und nicht mehr rauskommen. Wir haben bereits eine achtjährige Tochter, die Gott sei Dank gesund ist. Sie gibt mir zwar Kraft, aber ich muss den ganzen Tag nur an mein Baby denken. Immer und überall kreisen meine Gedanken nur an den Verlust. Ich möchte so gerne wieder schwanger sein und einen Kugelbauch vor mich herschieben.

Unsere kleine Tochter war eine gewünschte Überraschung, welche mich war kurzfristig aus der Bahn geworfen hat, aber ich habe sie vom ersten Augenblick geliebt.

Nun bin ich schon 34 und mein Mann 42. Mein Mann sieht die Sache natürlich sehr realistisch. Unser Familienplanung ist abgeschlossen. Wir haben ein Kind. Sie ist schon relativ selbstständig und wir auch nicht mehr die jüngsten. In ein paar Jahren werden wir wieder alleine reisen können (mein Mann möchte die ganze Welt sehen). Urlaub machen wir natürlich jetzt auch, aber eben kindgerecht. Ich weiß, dass er recht hat, aber ich wünsche mir so sehr noch ein Baby. Ich möchte nicht, dass unser Kinderwagen leer bleibt.Zurzeit macht für mich nichts Sinn. Wozu soll ich reisen, was kann mir die Welt schon bieten.

Mein Verstand weiß, dass das Leben schön ist und ich es geniessen sollte, aber mein Herz hört nicht auf den Verstand,

Ich hatte zwar vor unserer großen Tochter bereits eine Fehlgeburt, aber schon in der 8. Woche. Die war auch hart für mich, aber diesmal habe ich meine kleine Maus bereits 6 Wochen treten gespürt. Ich durfte sie nach der Geburt halten. Sie war so wunderschön.

Wir mein Herz irgendwann verstehen, was mein Verstand schon lange weiß?

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22. Juli 2013 um 12:29

Liebes Chaos...
... zunächst mal tut es mir sehr Leid, dass Du Deine kleine Maus gehen lassen musstest. Ich fühle mit Dir und kann Deinen Schmerz so gut verstehen!

Was Du hier schreibst, geht mir sehr zu Herzen, da wir am 17.04. unseren kleinen Felix in der 21. SSW gehen lassen mussten. Und auch, wenn es Dir jetzt kein Trost sein mag: Der Schmerz wird wahrscheinlich nie weggehen, aber er wird anders werden!
Ich weine heute noch oft, vor allem an Monatstagen, wenn ich ein schönes Lied höre, wenn ich Schmetterlinge sehe oder sehe, wie sich die Rosen entwickeln, die wir nach seiner stillen Geburt gepflanzt haben. Aber bei aller Trauer sage ich mir auch, dass wir nicht alles in der Hand haben und eine andere Macht entschieden hat - vielleicht sogar mein kleiner Schlumpf selbst, dass er nicht bleiben kann und will. Auch bei Deinem Töchterchen wird es (medizinische) Gründe für die stille Geburt gegeben haben...

Mit Deinem Mann musst Du sprechen, es tut mir Leid, das so sagen zu müssen, aber das geht gar nicht... Vielleicht hat er mit all seinen Argumenten Recht, aber er darf nicht vergessen, dass Dein Körper durch die Hormone noch schwanger ist und vor allem auf einen ganz anderen Lebensweg eingestellt ist... Dieses Hormon-Durcheinander kann auch noch bis zu 8 Wochen nach der Geburt andauern. Also nutzt es Dir nun gar nichts, Dir von ihm rational sagen zu lassen, wie er den Verlust sieht... Er trauert auf seine Weise, Du auf Deine. Es kostet viel Kraft, Verständnis für den anderen aufzubringen, aber das muss man auf jeden Fall!!!
Unser Felix kam an einem Mittwoch auf die Welt, Donnerstag wurde ich entlassen, Samstag ging ich mit meinem Mann essen. Und da sagte er emir, dass er eigentlich nicht mehr über Felix sprechen wolle - wenn ich das wolle, bitte schön, er würde mir auch zuhören, aber ER würde das Thema nicht mehr anfangen, das sei nun vorbei und abgeschlossen. Ich war so schockiert und vor allem verletzt, dass ich im Restaurant vor allen Leuten anfing zu weinen... Unser Kind, unseren Sohn - totschweigen??? Weitermachen, als sei er nie da gewesen??? Nein, ich nicht!!! Ich habe ihm ganz ruhig gesagt, dass er das gerne so handhaben kann, ich aber nicht; mein Schmerz löst sich nicht dadurch, dass ich ihn verdränge. Und das hat mein Mann schließlich auch verstanden und so haben wir unseren Weg gefunden. Wir reden heute fast jeden Tag über unseren kleinen Schlumpf, auch vor seinen Kindern (13 und 9 Jahre alt) aus erster Ehe (sie dürfen alles fragen, wir versuchen, so kindgerecht wie möglich zu erklären). Wir haben auch ein Bild mit Kerzen und Blumen im Wohnzimmer von unserem Felix stehen, so dass ich immer das Gefühl habe, er ist dabei...

Viel geholfen hat mir auch das Buch "Gute Hoffnung - jähes Ende" von Hannah Lohtrop. Wir sind nicht alleine mit unseren Gefühlen, Schmerzen, Ängsten und Hoffnungen! Und wir sind auch nicht unnormal, wenn wir nach drei Wochen (!!!) noch nicht mit dem Tod unseres Babys abgeschlossen haben!!!

Und warum mit 34/ 42 nicht noch ein Baby haben? Ich werde dieses Jahr 35, mein Mann ist 14 Jahre älter als ich und vor 14 Tagen haben wir entdeckt, dass Felix uns ein Geschwisterchen geschickt hat... So Gott will, werden wir also kommendes Frühjahr ein kleines Würmchen in den Armen halten...

Verlier den Mut nicht, ich drücke Dich ganz dolle!!!

Liebe Grüße, der Kaktus

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22. Juli 2013 um 20:18

...
Hallo!

Danke für die lieben Worte. Es tut gut verstanden zu werden.

@ 78kaktus: Ich gratuliere aus tiefsten Herzen. Es ist schön zu wissen, dass kleine Wunder immer den Weg zu uns finden.

Tja mein Mann war nie jemand von großen Worten. Er versteht meine Trauer, aber er kann nicht trauern, da er noch keine richtige Beziehung zu ihr aufgebaut hat. Er hat mir das auch so gesagt und ich verstehe es auch. Zu unserer großen Tochter hat er auch erst eine Beziehung aufgebaut als sie geboren wurde. Er ist ein wunderbarer Vater und auch ein toller Mann.

So wie er mich versteht muss ich ihn auch verstehen. Er hat mir klar und deutlich gesagt, dass er mit unserem Kind glücklich ist und keine weiteren Kinder mehr möchte. Aber es zerreißt mir das Herz. Es wird wohl stimmen, dass aus mir noch die Hormone sprechen.

Es hat zwar kurz vor dem Tod unserer Tochter gesagt, schauen wir mal was in einem halben Jahr ist, aber ich habe ich das Gefühl, dass er mich vor einem weiteren Verlust beschützen will. Ich weiß, dass es für ihn furchtbar war und ist mich leiden zu sehen. Auf der einen Seite der psychische Schmerz und es war für ihn auch nicht einfach mich zur Geburt zu begleiten. Ich hatte größere Schmerzen als bei der ersten Geburt und er hat mindestens genauso viel gelitten.

Sie wird für immer bei mir sein und ich bin es ihr schuldig mich um ihre große Schwester zu kümmern, damit sie schöne Ferien hat.

LG

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