Forum / Schwangerschaft & Kinderwunsch

Gedanken über den Abruch

Letzte Nachricht: 5. Januar 2002 um 12:12
25.12.01 um 12:04

Hallo, ich möchte das gerne hier veröffentlichen....vielleicht kann jemand etwas damit anfangen.


Nacht mit Dir 22.12.01


Die Traurigkeit weicht nicht aus meinen Augen. Die Welt schmerzt mit ihren Wunden, in mir die Wunde meines Verlustes. Überall fließt Blut. Immer werden die Krater der eingeschlagenen Bomben und des Hasses zu sehen bleiben. Ob auf felsigem Boden, oder in den Herzen tausender unschuldiger Betroffener.
Ich habe eigen entschieden, nicht unschuldig angegriffen. Jedoch dabei ein unschuldiges Wesen verletzt; dass mich nun manchmal mit seinen sanften, braunen Augen anschaut...zärtlich, aus dem Nichts, aus der Leere heraus. Immer neben mir. Ob ich mitten im Leben, oder einsam verlassen, voll Schmerz bin –

Keiner sieht, was in meinem Herzen geht. Wenn meine Augen leer, und weit weg wandern, habe ich eine Winterdepression! Sagt man. Keiner kann erkennen, dass meine Tochter vor mir steht – warum lacht sie immer noch, hin und wieder. Warum nennt sie mich liebevoll und ernsthaft Mama? Warum strahlen ihre Augen.....Sie ist doch nicht mehr unter uns.....sie ist nur meine starke Fantasie, wenn ich sie da sehe, wenn ich fühle, jetzt sitzt sie auf meinem Schoß...würde da ein mancher sagen, wenn er wüsste.
Doch ich spreche nicht davon. Die seltenen, kostbaren Stunden gehören nur uns beiden. Die Einsamkeit unter buntem Lachen, roten Gesichtern; die Trauer zwischen den Stühlen ist für uns zwei ganz alleine gedacht.....Niemand kann in mich schauen, und erst recht keiner sieht das kleine, schwarz-gelockte Mädchen mit ihren tiefen Augen dort stehen: und auf mich warten.
Nur ich.
Manchmal möchte ich sie nicht sehen. Dann übersehe ich sie gerne, um den Schmerz zu umgehen, um das bohrende Reißen in meinem Herzen nicht zu fühlen, und nicht die Sehnsucht nach ihr; nicht meine Liebe.
Manchmal sind es die Vorwürfe an mich als Soldaten, der klar rational den Eingriff vorbereitet hat. Kaltblütig. Voll Willen, zu zerstören. Der unberührt weitermarschiert, im Gleichschritt seiner schweren, hämmernden Stiefeln. Nicht rechts, nicht links die Blumen am Wegrand beachtend, noch harrend der Schönheit.
Manchmal ist es die Schuld, ein Verbrechen begangen zu haben, die Verachtung, meinen Augen nicht mehr getreu zu glauben. Dann kommt das Unvermögen, das ich nicht zu schaffen dachte. Die Wut, dass ich so selbstsicher, diesem Leben die Nabelschnur durchtrennte – nur, damit es mir besser geht. Damit ich mehr Grund und Freiraum für Leben besitze!

Gestern Nacht der erste Schnee, so weich und unberührt auf meiner Haut, so zart vom Himmel fallend, und die Stadt in Märchenzauber wandelnd, in ein Bild, gemalt in Pastellfarbene Leichtigkeit, und Schmerz; Schmerz, der mein Blut stillt....und ich möchte schreien, schreien vor Not, dass das Licht nicht meine Seele heilt, dass dieses stille Wunder bleibt! Dass diese für einen Augenblick glückliche, traurig-glückliche Wunde gestillt; eines Tages heilt. Ich möchte begreifen! Und in der gedämpften, weißen Kindheitserinnerung vergehen, nicht aufwachen, nicht schlafen, nie enden! Immer fort meine Füße, immer die Nasenspitze gekitzelt von nassen Flocken. Die Heimat Natur festhalten, den so altbekannten Trost mit gierigen Seelenlungen einsaugen....für diese Sekunde, nur für diese eine kleine Sekunde: Ewigkeit, bitte!

Neben mir geht der Vater. An der Hand halten wir die Liebe. Zwischen uns eine leere Zeile, eine kleine Hand, die vorwurfsvoll sich einhaken möchte, so winzig, so wundervoll lebenswarm...
Ich habe Angst.
Mein Leben. Die Zukunft. Die Trauer und die Liebe.
Es ist alles so reich und nah in dieser sternendunklen, tausend atemberaubenden Nacht... Und ich bin weit, weit - nicht endend! - in Verstörung meines Herzens versunken....

sabine K.

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05.01.02 um 12:12

Danke, ute
schöne gedanken...ich danke dir. sie werden mir sicherlich helfen, weiter zu leben...mich etwas zurück führen, dahin, wo ich auch einst dran glaubte....

l.g. sabine

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