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Geburtsbericht von Milo

7. August 2009 um 16:56 Letzte Antwort: 14. August 2009 um 14:03

Am Montag, den 20.07.09, war ich mal wieder zwecks CTG bei meiner Ärztin. Keine Wehen, Muttermund fest verschlossen, Gebärmutterhals noch nicht vollständig zurückgebildet. Entbindungstermin wäre Donnerstag gewesen. Laut Ärztin würde es vor Ende der Woche bei mir niemals etwas geben, ich solle mich darauf einstellen zu übertragen.

Am nächsten Morgen wurde ich morgens gegen 05.15 Uhr wach mit einem starken Druck nach unten und hatte das Bedürfnis, mal dringend zur Toilette zu müssen. Allerdings erfolglos, der Druck blieb aber trotzdem, nur dass er immer stärker wurde, so dass mir irgendwann bewusst wurde, dass das nichts mit nötigem Stuhlgang zu tun hat, sondern wohl eher Wehenschmerz sein könnte. Als die Schmerzen immer stärker wurden und alle 3 Minuten auftraten, beschlossen wir ins KKH zu fahren. Ganz sicher war ich mir nicht aufgrund des Frauenarztbesuches am Vortage, aber nach Hause schicken können sie mich ja immer noch.

Wir riefen meine Hebamme an und fuhren los. Im Auto wurden die Schmerzen immer stärker und ich hatte schon echte Mühe, diese zu veratmen. Im Kreissaal wurde ich direkt an ein CTG angeschlossen. Ich wollte dabei unbedingt stehen bleiben anstatt zu liegen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, diese Schmerzen im Liegen zu ertragen. Verkabelt stand ich also vor dem Bett, die Wehen kamen im 2-Minuten-Takt und mir wurde kotzübel. Da ich am CTG angeschlossen war, habe ich erstmal in den nächst gelegenen Wäscheeimer gekotzt. Danach gings mir zumindest magentechnisch besser. Gegen 07.00 Uhr traf auch meine Hebamme im KKH ein, schaute aufs CTG und meinte "Uuiii... ganz schön starke Wehen". Sie untersuchte mich, starrte mich an und meinte "Was hast Du in den letzten 1,5 Std. gemacht? Der Muttermund ist bei 8cm geöffnet!"

Ich war super motiviert!!! Was für ein toller Befund, damit hatte ich nicht gerechnet, all die Schmerzen waren also nicht umsonst gewesen und das in der kurzen Zeit. Meine Hebamme riet mir zur PDA, da es sich sonst nicht mehr lohnen würde. Wir warteten somit die nächste Stunde auf die Anästhesistin und es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Ich hatte einen regelrechten Wehensturm im Minutentakt und stand immer noch vor dem Bett. Bei jeder Wehe stützte ich mich mit den Unterarmen auf die Matratze und streckte den Po nach hinten. Nur so war es irgendwie auszuhalten. Für die PDA wurde mein Freund aus dem Zimmer geschickt. Ich bekam eine Betäubung in den Rücken und wir warteten die nächste Wehenpause ab, was gar nicht so einfach war. Die PDA saß irgendwann und ich sollte mich auf das Bett legen, damit sich die Flüssigkeit gut im Körper verteilen kann. Die ersten 10 Minuten der PDA-Wirkung waren super, dann allerdings bekam mein Baby Stress, die Herztöne wurden langsamer, so dass mir die ersten Wehenhemmer verpasst wurden. Die Wehenhemmer verursachten bei mir direkt Herzrasen und ein Zittern am ganzen Körper, das unkontrollierbar wurde. Trotz Wehenhemmer bekam ich nach wie vor alle 2-3 Minuten Wehen, die ich auch trotz PDA immer noch spürte. Dann der niederschmetternde Befund: Der kleine Mann im meinem Bauch ist nach wie vor ein Sternengucker, es bliebe abzuwarten, ob er sich unter den Wehen noch richtig ins Becken eindreht. So vergingen unzählige Stunden zwischen Wehen stärker werden lassen und dann doch wieder Wehenhemmer eingeflößt bekommen aufgrund der Herztöne. Dann mal wieder hier ein Mittelchen über den Tropf, dann mal wieder irgendeine Spritze. Ich war wie in Trance.

Mittlerweile war es 13.00 Uhr, ich betete insgeheim, dass der Kleine sich noch eindrehen würde, weil mir klar war, dass ansonsten ein Kaiserschnitt droht. Der Oberarzt kam und meinte, er gibt mir noch eine Stunde, ich könne versuchen unter der PDA aufzustehen und kreisende Beckenbewegungen machen, er hätte allerdings wenig Hoffnung, dass das Baby sich noch eindreht und theoretisch könne ich mich auch sofort für den Kaiserschnitt entscheiden. Aber ich wollte nicht aufgeben und versuchte es eine weitere Stunde unter Schmerzen, indem ich mich aus dem Bett kämpfte und somit unter den Wehen Turnübungen veranstaltete.

Gegen 14.00 Uhr kam der Oberarzt erneut, tastete mich ab und schüttelte den Kopf. Keine Veränderung. Mein Muttermund stand nach wie vor bei 8cm, der Kleine lag falsch mit dem Kopf vor dem Becken und mir wurden direkt die Papiere zum Kaiserschnitt hingehalten. Ich fing an zu weinen, es passierte genau das, was ich nie wollte: Dass man mir den Bauch aufschneidet und ich mein Baby nicht selbst zur Welt bringen kann. Ich kam in den OP, mir wurde in einer Wehenpause die Spinalbetäubung gelegt und meine Beine wurden schlagartig taub. Ich fühlte mich ausgeliefert auf dem kalten Tisch, 10 Leute um mich herum und der einzige Trost war, dass in spätestens 5 Minuten mein Baby da sein würde. Das Aufschneiden ging schnell, mein ganzer Körper wurde durchgeruckelt, ich versuchte, mein Kopfkino und das Bewusstsein, was da gerade passierte, auszuschalten und dann hieß es plötzlich "da ist er ja....".

Die nächsten Sekunden kamen mir endlos lang vor... ich wartete auf ein Schreien und hatte Angst, dass evtl. irgendetwas nicht stimmen könnte und dann kam der Schrei und ein kleines Bündel wurde mir kurz gezeigt. Ich war völlig überrumpelt von meinen Gefühlen und weinte, wie wohl jede Mutter. Mein Freund, der mir die ganze Zeit tapfer beiseite gestanden hatte, tätschelte mir die Wange und ging mit der Hebamme zur ersten Untersuchung unseres Sohnes mit, während ich zugenäht wurde.

Als ich aus dem OP kam, wurde mir der kleine Mann endlich in die Arme gelegt und ich konnte nicht glauben, dass dies der kleine Mensch war, der mir am Abend zuvor noch gehörig in die Rippen getreten hatte. Milo war endlich geboren!!! Mit 55cm Länge und einem Gewicht von 3410 Gramm (KU 34cm) lag er dennoch wahnsinnig winzig in meinen Armen. Ich war überglücklich, aber durch die OP auch wahnsinnig müde und k.o.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch konnte ich trotzdem kein Auge zu machen. Mein Liebling lag auf der Babystation, da ich durch den Kaiserschnitt noch kein Gefühl in den Beinen hatte und mich somit nicht um mein Baby kümmern konnte. Ich konnte einfach nicht schlafen. Der gesamte Tag lief immer wieder wie ein Film vor mir ab und ich hatte irgendwie das Gefühl, total versagt zu haben. Hätte ich spontan entbunden, könnte mein Liebling jetzt bei mir sein, ich hätte aufstehen und ihn wickeln etc. können, so lag ich in dem dunklen KKH-Zimmer, das Gefühl in den Beinen kam so langsam wieder - aber somit auch die Schmerzen der OP. Ich hing am Schmerztropf, zudem lag neben mir der Katheder und mir war hundeelend zumute.

Am nächsten Tag brach alles über mich zusammen. Die Tatsache, dass ich immer noch nicht wirklich aufstehen konnte, brach mir das Herz, die Schmerzen waren stark, die Tatsache, dass ich überhaupt nicht geschlafen hatte, setzte dem Ganzen wohl die Krone auf, da ich bei der Visite der Oberärztin nur noch weinte. Sie beruhigte mich und meinte, ich hätte Großartiges geleistet, ich könne nun wirklich nichts dafür, dass es zu einem Kaiserschnitt gekommen ist und ich würde mich spätestens morgen schon wieder besser fühlen. Oh man, Hormone sage ich nur

Am nächsten Tag sah die Welt tatsächlich schon wieder anders aus. Laufen tat zwar immer noch höllisch weh und nach jedem Wickeln in gebückter Haltung war ich total groggy, aber es ging bergauf und ich konnte mich endlich ausgiebig darüber freuen, ein gesundes propperes Baby bekommen zu haben.

Ich kann auch überhaupt nicht verstehen, wie man sich zu einem Wunschkaiserschnitt entscheiden kann, spreche dabei nur für mich. Wenn es eine medizinische Indikation gibt, ok, aber nur aus ANGST vor der normalen Geburt heraus, ist es für mich nicht nachvollziehbar. Ich hätte alles für eine normale Geburt gegeben. Denn auch wenn ich 11 Stunden lang starke Wehen hatte, dieser Schmerz ist heute, fast 3 Wochen später, schon fast wieder gar nicht mehr nachvollziehbar und wie verpufft. Woran ich mich aber 100% erinnern kann, ist an das Gefühl, als die Spinalbetäubung nachließ und der Wundschmerz der Bauch-OP durchkam... die ersten Gehversuche am nächsten Tag unter Schmerzen usw.

Daher beneide ich jede Frau, die ihr Baby auf natürliche Weise zur Welt bringen durfte und möchte jeder Frau, die das Ereignis noch vor sich hat, Mut zusprechen! Der Körper ist in der Lage das zu verpacken, also habt keine Angst, sondern traut es Euch zu!

Sandra mit Milo (heute 17 Tage alt)

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7. August 2009 um 17:46


Herzlichen Glückwunsch und alles Gute

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7. August 2009 um 17:46

Nochmal Herzlichen Glückwunsch!!!
PUH! Da haste ja was durchgemacht!!!
Mit dem Schmerz vergessen hast du recht!!! Nach der Geburt habe ich auch gedacht NIE WIEDER, jetzt hoffe ich das ich wieder spontan entbinde!!! Vielleicht klappts ja dann beim zweiten bei dir?!

Ich hoffe euch gehts gut!!!
Drück dich!!!
Ganz liebe Grüße
Medi

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7. August 2009 um 18:09

Baxter
Dir auch alles Gute für Deinen Sohnemann

Ich werde auch nie vergessen, wie ich mich am Tag nach der OP gefühlt habe! Zwei Schwestern kamen in mein Zimmer gestürmt und meinten "So, wir machen Sie jetzt mobil. Sie müssen jetzt aufstehen."

Und ich unter Schmerzen: "Häh?.....????? Wie denn????"

"Ja, Sie müssen aufstehen, rollen Sie sich seitlich aus dem Bett ab, setzen Sie sich auf die Bettkante und drücken Sie beim Aufstehen bzw. Laufen beide Hände gegen die Narbe..."

Ich dachte, die wollen mich verarschen, denn an "seitliches Abrollen" war überhaupt nicht zu denken. Hatte ich in der Nacht von Die auf Mittw. wenigstens noch den Schmerztropf erhalten, so hat man mir morgens 4 Iboprofen hingelegt mit dem Kommentar "bei Schmerzen alle 6 Stunden eine Tablette"...

Ich realisierte sehr schnell, wie ernst es den zwei Hühnern war und konnte gar nicht so schnell gucken, wie die Beiden mich hochzogen, so dass mir auf dem Wege der Katheder nochmal schön tief in die Blase gedrückt wurde. Ich hatte mal kurz überlegt auszuholen...
Die Beiden stützten mich unter den Armen ab und begleiteten mich ins Bad, wo schon ein Stuhl vor dem Waschbecken stand. Dort angekommen, hatte ich das Gefühl, rein streckentechnisch einen Marathon absolviert zu haben. Ich wurde dort platziert, die Schwestern rannten raus und meinten "Sie können sich jetzt waschen, wenn was ist... da hängt ein rotes Band, da können Sie dann dran ziehen...und nachher kommt noch jemand den Katheder ziehen..."

UND LIEßEN MICH ALLEINE...

Zu dem Zeitpunkt dachte ich nur "Katheder ziehen...? Das heißt, ich muss mich jetzt jedes Mal alleine aus dem Bett prügeln, sobald ich pinkeln muss... wie soll ich das denn schaffen???"

Naja, es geht leider alles und das wissen solche Schwestern Rabiata wohl auch. Ich habe zwar jedes Mal bestimmt 10 Minuten gebraucht, um irgendwie aus dem Bett zu kommen, aber letzten Endes habe ich es überlebt.

Was alle unwissenden Frauen wohl an der Stelle unterschätzen: Es ist und bleibt eine Operation, bei der einem nicht nur der Bauch aufgeschnitten, sondern eben auch die Muskulatur durchtrennt und die Gebärmutter aufgerissen wird.

Ich versuche heute (!), nachdem ich auch die Woche im KKH fast täglich geflennt habe, noch irgendwie das Positive daran zu sehen: Meinem Kind gehts gut, ich habe keine Infektion oder dergleichen bekommen, mein Wochenfluss ist dadurch nicht so stark wie bei Spontanentbindern und mein Becken ist nicht im Arsch, weil nichts durchgepressst wurde. Irgendwie muss man aus Scheiße Gold machen...

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7. August 2009 um 19:43
In Antwort auf genna_12332517

Nochmal Herzlichen Glückwunsch!!!
PUH! Da haste ja was durchgemacht!!!
Mit dem Schmerz vergessen hast du recht!!! Nach der Geburt habe ich auch gedacht NIE WIEDER, jetzt hoffe ich das ich wieder spontan entbinde!!! Vielleicht klappts ja dann beim zweiten bei dir?!

Ich hoffe euch gehts gut!!!
Drück dich!!!
Ganz liebe Grüße
Medi

Medi
Danke für die Glückwünsche
Uns gehts gut, meine Brustentzündung ist ausgestanden, Antibiotika ist nun auch abgesetzt, der Kleine ist im Moment etwas quengelig, aber ich schätze, das liegt am Wetter. Es ist einfach zu warm und dann darf der Zwerg das auch!!!

LG und Drückerchen zurück!
Sandra

PS: Gibts bei Dir/Euch irgendwelche Neugikeiten?

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9. August 2009 um 14:37

Gratuliere euch...
da hast du ja echt was mitgemacht....wünsch euch alles Gute. Meine Entbindung war am 21.07..und versuche jetzt endlih auch einen Bericht zu schreiben.

Petra mit Samarah

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11. August 2009 um 14:18
In Antwort auf aniela_12566455

Gratuliere euch...
da hast du ja echt was mitgemacht....wünsch euch alles Gute. Meine Entbindung war am 21.07..und versuche jetzt endlih auch einen Bericht zu schreiben.

Petra mit Samarah

purzelchen
konntest Du denn spontan entbinden?
Dir auch alles Gute zum neuen Erdenbürger!!!

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11. August 2009 um 14:30


Alles Gute zum Milo!
Ach da hat es so gut angefangen und dann?
Na ja jetzt hast es geschafft und ich wünsch euch alles Liebe!
LG Julia+Maus25+5

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14. August 2009 um 13:54

Milo
wird so ausgesprochren, wie man es schreibt

Also nicht die engl. Variante

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14. August 2009 um 14:03

Herzlichen Glückwunsch...
genieß die erste Zeit mit deinem Schatz!!

Was mir bei deinem Bericht aufgefallen ist: anfangs lief alles super, Mumu ging schnell auf, du kommst mit den Wehen klar.

Dann sagt die Hebi , jetzt machen wir ne PDA, weil es sich sonst NICHT MEHR LOHNT???
Hä???
Wieso hat sie dich nicht einfach weitermachen lassen? Ich krieg da echt die Krise.

Also PDA, sprich Stress, Medikamente, du kannst dich nicht mehr frei bewegen etc. pp, spürst nicht mehr wo du hindrücken sollst.... Das Baby kriegt die Medis natürlich auch ab.

Und dann wie im Bilderbuch "wie es NICHT laufen sollte": Stress beim Baby, Herztöne gehn runter. So eine Überraschung, das hab ich inzwischen bei soovielen Bekannten gehört! Wieder Medikamente. Dann noch mal andere, die die Wehen hemmen sollen. Und am Schluss Kaiserschnitt.

Im GVK wurde uns mal ausführlich erzählt, was für ein Eingriff in den normalen Geburtsablauf die PDA ist. Also, ich verstehe nicht, dass die Hebamme dazu geraten hat, wenn es auch ohne ging.

Tut mir leid, dass es bei dir nicht so gut zu Ende ging, wie's angefangen hat. Schön, dass dein Baby gesund ist und mach dir keine Gedanken über den KS, da kannst du nix dafür... wenn, dann die Ärzte und Hebis, die mit zuviel Intervention vielleicht nicht unbedingt weitergeholfen haben.

LG Flocke

p.s. jaaaa, dies ist meine persönliche Meinung, und ich hab schon ein Kind, und weiß ein ganz kleines bisschen, wovon ich rede. PDA und KS sind nix Verwerfliches, aber sind eben nur angeraten, wenns unumgänglich ist.

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