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Geburtsbericht Geburtshaus

18. Dezember 2015 um 13:17 Letzte Antwort: 7. Januar 2016 um 20:51

Um mal allen die es noch vor sich haben die Angst vor einer Geburt zu nehmen schreibe ich euch mal von der Geburt meiner zweiten Tochter
Leider wird in unserer heutigen Medienlandschaft ja oftmals die Angst vor Geburten, Krankheiten und allen möglichen Sachen geschürt. Wir sind verunsichert und haben verlernt, uns selbst zu vertrauen. Wir brauchen Zeitschriften und Bücher, um unsere Kinder zu erziehen, rennen wegen allem zum Arzt, wir wissen nicht mehr, was unsere Babys wirklich brauchen. Wir haben aufgehört frei zu sein und auf unsere Kinder zu hören. Wir denken wir wüssten alles und sehen nicht mehr hin, versuchen nicht mehr von ihnen zu lernen. Denn Kinder wissen sehr wohl was sie brauchen und dabei gleicht keines in seinen Bedürfnissen dem anderen. Statt dessen suchen wir nach einer Norm und alles was davon abweicht verunsichert uns.
Eine Geburt ist ein ganz normaler Vorgang, aus dem leider allzu oft eine gefährliche aussergewöhnliche Situation gemacht wird. Durch diese Angst geraten viele Geburten ins stocken, medizinische Eingriffe werden nötig. Schon eine PDA kann eine Geburt zum Stillstand bringen. Leider wird hier immer sehr einseitig aufgeklärt.
Meine Wehen begannen morgens so viertel nach vier und waren noch gut erträglich. Es kam auch manchmal etwas Flüssigkeit aber ich dachte es war Urin. Dann kam noch durchsichtiger Schleim beim auf die Toilette gehen hinzu, der Schleimpfropf. Gegen halb 8 rief ich meinen Vater an, er soll mal langsam los fahren (wegen unserer älteren Tochter), er wohnt 2 Stunden entfernt. Gegen 8 warnte ich meine Hebamme vor, es könnte bald los gehen. Eine halbe Stunde später waren die Wehen nicht mehr veratembar und es gab auch keine Wehenpause mehr. Ich rief meine Hebamme an sie soll ins Geburtshaus fahren, wir schnappten unsere Tochter (3 Jahre) und um 9 waren wir da. Der Kopf war schon so tief im Becken, dass ich nicht mehr sitzen konnte. Der Geburtsraum war schön warm und Tee war auch schon gekocht. Meine Hebamme war die ganze Zeit da, eine ganz liebe Hebammenschülerin spielte der weile im Nebenraum mit unserer Tochter bis der Opi kam, sodass ich mich voll und ganz auf die Geburt konzentrieren konnte. Meine Hebamme nahm mir jede noch so kleine Unsicherheit, hörte zwischendurch immer mal nach den Herztönen. Ohne nachzusehen wusste sie, dass der Muttermund vollständig geöffnet ist und sagte mir wann ich anfangen sollte in den Bauch zu atmen und den Beckenboden zu entspannen. Als ich merkte, es ist so weit ging ich in den Vierfüsslerstand und legte meine Arme und meinen Kopf bei meinem Schatz auf die Beine. Dann spürte ich einen Pressdrang und fing an, der Kleinen mit zu helfen. Ich spürte förmlich, wie dieses kleine Wesen die Geburt mit steuerte und Rücksicht nahm, bis ich soweit war. 3 Presswehen habe ich wirklich laut geschrieen aber das tat gut. Meine Hebamme hielt mir einen warmen Lappen an den Damm und gab mir Anweisung, wann ich mitschieben und wann ich die Wehe veratmen soll, damit die kleine nicht so schnell kommt und das Gewebe nicht reisst. Als der Kopf da war, waren die grössten Schmerzen vorbei und der Rest kam dann ganz schnell. Aufeinmal lag sie unter mir, mein Schatz musste weinen. Dann legte ich mich ins Bett, bekam die Kleine neben mich und wir liessen die Nabelschnur auspulsieren. Sie weinte als sich die Plazenta löste, welch feinfühlige kleine Wesen. Dann wurde die Plazenta auch schon geboren, durch das direkte anlegen zog sich die Gebärmutter schnell zusammen. Und auch als mein Schatz die Nabelschnur durchtrennte, weinte sie nochmal kurz. Dann trank sie an meiner Brust und schlief ein und wir kuschelten eine Stunde lang. Die Hebammenschülerin brachte uns was zu essen vom Bäcker mit und dann war auch schon mein Papa da, sah sich kurz die kleine an und fuhr mit unserer grossen nach Hause. Der stolze Vater war mit telefonieren beschäftigt . Sie wurde um 10:18 geboren, 3000 Gramm schwer nd 53 cm gross. KU 33 cm, allerdings kam sie mit der Faust neben dem Kopf .Keinerlei Dammverletzung oder Risse. Um 14:00 waren wir wieder zuhause und meine Tochter und Vater begrüssten uns freudig. Ich hab die Kleine immer gleich nach Bedarf angelegt um am dritten Tag kam der Milcheinschuss. Ich stille nach Bedarf und nach 5 Tagen hatte sie ihr Geburtsgewicht wieder. Sie war nicht gelb und ist zuckersüss und total entspannt. Ich habe sie immer bei mir und geniesse es so sehr!! Ich mache mir keinen Stress mit irgend welchen Stillabständen oder dass sie irgendwo alleine still liegen muss. Ich weiss das alles so richtig und gut ist und habe deshalb keinen Stress und keinen Babyblues oder sonst was. Ich lasse mich bekochen und den Haushalt von meinem Schatz und den Grosseltern schmeissen und widme mich nur meinen Kindern.
Das alles ist kein Zufall oder Glück, sondern der wundervollen Arbeit der Hebammen zu verdanken und Selbstliebe und Vertrauen in sich und seiner Intuition. Denn nirgends hat man so eine hohe Kaiserschnittrate und Verunsicherung, wie in unserer Gesellschaft.

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21. Dezember 2015 um 19:25

Wunderschöner bericht!
Ich hab zwar in einer Klinik entbunden.. aber mit einer sehr begabten Hebamme. Und bei deinem Bericht musste ich wieder an meine taumhafte Geburt zurück denken! .. immer wieder muss ich staunen wie schön ich diese Geburt emfand.. Alles Gute dir und deiner Familie!

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25. Dezember 2015 um 1:06

Super geschrieben
leider hatte ich nicht so tolle geburten, habe aber für mich und das kind das beste daraus gemacht und zuhause wie du schreibst auf mein bauchgefühl gehört und lag zu 98 % richtig, ohne bücher und sonstige infos, wenn es mal nicht rund lief habe ich meiner mutter vertraut und das war gut so, ich habe heute 5 supertolle kinder die leider nicht alle heute bei uns sein können aber dann nächstes jahr wieder und trotzdem sind wir eine einheit,
euch alles gute mit eurem kleinen glück, die kleine hat tolle eltern, und natürlich die große auch, gglg

die letzte war eine bel geburt und die war schön wenn ich noch mal zurückdenke, nur die hebammen nachher hätten etwas verständnis nach 19 std eingeleiteter geburt haben können da ich nicht mehr so viel kraft hatte,

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7. Januar 2016 um 20:51

Oh was für ein Traum von Geburt
Schön dass mal jemand so ein positives Erlebnis aufschreibt.
Ich selbst würde mir nicht zutrauen, in einem Geburtshaus zu entbinden. Es erfordert viel Vertrauen. Seltsamerweise scheint es meistens gut zu klappen, wenn eine Frau sich wirklich voller Vertrauen den Hebammen anvertraut, die sich das auch selbst zutrauen und all ihr Wissen anwenden.
Mein Sohn ist in einer Klinik zur Welt gekommen, von der ich dachte, dass dort fähige Hebammen arbeiten. Leider bekam ich nicht die Unterstützung die ich gebraucht hätte. Vorher im Geburtsvorbereitungskurs wurde erzählt, dass die Hebamme dann auch mal mitatmet und anspornt, wenn die Frau die Wehen nicht mehr veratmen kann. Oder dass sie Kaffee kochen kurz bevor das Kind kommt um mit einem getränkten Tuch den Damm zu schützen. Und dass Positionswechsel versucht werden, um die Wehen besser ertragen zu können.
Nichts. Ich habs leider komplett anders erlebt. Die Details erspare ich euch. Es war eine Geburt auf normalem Wege, aber mit PDA, die nicht rechtzeitig ausgestellt wurde - das Kind hatte so viel Stress dass es beatmet werden musste als es draußen war. Ich bin sicher dass das alles nicht hätte sein müssen.
Einerseits möchte ich beim zweiten Kind wieder in eine Klinik, weil ich die Sicherheit im Hintergrund brauche. Aber ich möchte eine Beleghebamme mitnehmen. Sie soll auf mich achten und mich unterstützen, nach allen Regeln der Kunst. Ich will ihr vertrauen können. Und ich träume davon, ein Kind in der Hocke zu gebären, oder im Vierfüßlerstand, wie du es beschreibst.

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