Home / Forum / Schwangerschaft & Kinderwunsch / Fehlgeburt vor fast einem Jahr in der 12. SSW

Fehlgeburt vor fast einem Jahr in der 12. SSW

19. Oktober 2009 um 18:23 Letzte Antwort: 3. November 2009 um 21:54

hi leute
ich würd hier gerne mal was loswerden. einfach mal so über das reden was in mir vorgeht und worüber ich sonst mit niemandem rede. ich hab jetzt schon lange einfach nur still mitgelesen und denke, dass es mir auch mal ganz gut tun wird mich mal auszusprechen.
könnte ein etwas längerer text sein. in einem jahr häuft sich eine ganze menge zu erzählen an, aber bitte nicht zurückschrecken...
letztes jahr im oktober habe ich erfahren, dass ich schwanger war. ich war 17 und natürlich erst mal ziemlich geschockt. schule noch nicht fertig (ich mache abitur, war also damals in der 12. klasse), mit meinem freund. der sehr viel älter als ich war lief es auch überhaupt nicht gut. wir waren zu dem zeitpunkt etwa 2 jahre und 8 monate zusammen. schluss machen wollte ich schon länger. hab mich aber irgendwie nicht so ganz getraut, aber das ist wieder eine ganz andere geschichte...
dann hab ich halt, nachdem ich meine regel nicht bekommen habe, einen schwangerschaftstest gemacht. der war positiv. ich hab das bei meinem freund zu hause gemacht. er war erst total sauer. hat mich angeschrien wie das denn passieren konnte. dann hat er etwa stündlich seine meinung geändert. einmal hieß es ich soll abtreiben. wir könnten uns das nicht leisten. dann fing er auf einmal an zu überlegen was für ein kinderwagen am besten wär und hat sich total gefreut. einfach ein absolut unvorhersehbares hin und her.
ich habe ihm am anfang einfach nur auf dem sofa gesessen und konnte gar nichts sagen. in meinem kopf hatte ich schon meinen kleinen engel im arm. dann kamen wieder bilder wie meine eltern darauf reagieren würden. wie es in der schule laufen sollte. und dann wieder mein kleiner schatz schlafend im bettchen ... meinem freund habe ich nur gesagt ich muss erst mal überlegen.
was ihn auch schon wieder sauer gemacht hat. er meinte er müsse ja schließlich auch wissen was los ist und war davon überzeugt, dass ich ja sowieso nicht alleine entscheiden könnte, ob ich abtreibe oder das kind behalte.
abzutreiben kam für mich aber von anfang an nicht wirklich in betracht. klar hab ich zwischenzeitig dran gedacht, aber wirklich vorstellen konnte ich es mir gar nicht meinen kleinen engel in mir umzubringen.
nur bei einem war ich mir sicher: das ich dieses kind nicht mit meinem damaligen freund zusammen groß ziehen wollte. ich wollte ja wie gesagt aus verschiedenen gründen schon vorher schluss machen. unter anderen weil es manchmal ziemlich aggressiv geworden ist. und das wollte ich nicht für mein kind. deshalb hab ich ca 2 wochen nachdem wir wussten, dass ich schwanger war, schluss gemacht. er wollte das nicht aktzeptieren. hat nachmittags vor meiner schule gestanden oder an der bahn. ich hatte schon fast angst aus dem haus zu gehen. aber ich wusste, dass das die richtige entscheidung für meinen kleinen engel war.
meinen eltern hab ich von der ganzen geschichte erst mal gar nichts erzählt. weder, dass ich schwanger war, noch, dass ich mit meinem freund schluss gemacht hatte. ich hatte irgendwie angst davor wie sie reagieren. wenn im fernsehn etwas über junge mütter lief, meinte meine mama immer nur wie bescheuert die denn sein würden. keinen schulabschluss und sowas. und ob man nicht verhüten könnte. aus angst vor ihrer reaktion hab ich dann auch erst mal gar nichts gesagt.
beim frauenarzt war ich bis dahin auch noch nicht. weil ich ja erst sehr spät davon erfahren hatte. weil ich mich nicht wirklich getraut hab hinzugehen. ich wollte nicht alleine gehen, aber auch nicht mit meinem freund. sonst wusste aber niemand davon. naja und so bin ich eben gar nicht gegangen...
ende oktober stand er dann auf einmal bei mir zu hause vor der tür und hat rumgebrüllt ich könnte ihn nicht verlassen und wär doch schwanger und das wär schließlich auch sein kind.
das hat natürlich dann auch meine mutter mitbekommen und kam ab dem abend in mein zimmer. ich saß grade weinend auf meinem bett, weil ich mal wieder mit der ganzen situation überfordert war. sie hat mich dann nur gefragt ob das stimmt. als ich ja gesagt hab hat sie gefragt wann ich das letzte mal meine regel hatte. dann hat sie gerechnet und meinte dann wäre ich ja schon in der 12. woche. dann fing sie auf einmal an von wegen sie würde gleich morgen einen termin bei einem beratungsgespräch machen, weil ja nicht mehr viel zeit für eine abtreibung bliebe. sie hat mich gar nicht wirklich gefragt ob ich abtreiben will. hat das einfach so festgestellt. und ich hab mal wieder den mund nicht aufbekommen und hab ihr nix gesagt. sie meinte das wär ja wohl das beste und so weiter und ist einfach wieder aus dem zimmer gegangen.
am nächsten tag waren wir dann bei diesem beratungsgespräch. das war ein freitag. sie meinte der letzte mögliche termin für eine abtreibung wäre montag. dann hat sie meiner mutter adressen gegeben wo man das machen lassen konnte.
ich hab die ganze zeit nur da gesessen kaum etwas gesagt und hatte die hände auf meinem bauch und hab an meinen kleinen engel gedacht. ich wusste nicht wie ich meiner mutter das sagen sollte, aber ich wusste dass ich am montag auf gar keinen fall zu dieser abtreibung gehen würde.
nach dem termin hat meine mutter mich zu schule gebracht und ist nach hause gefahren. ich konnte erst gar nicht glauben dass sie mich wirklich so verheult noch zur schule bringen wollte, aber hat sie getan. wir haben auch zu hause nicht ein einziges mal noch darüber geredet.
in der nacht von samstag auf sonntag bin ich dann auf einmal wach geworden und hatte starke bauchschmerzen. ich bin dann ins badezimmer gegangen und habe in der toilette blut gesehn. da die schmerzen immer stärker geworden sind und auch die blutung hab ich mich einfach im badezimmer auf den boden gesetzt. ich hatte richtige krämpfe, konnte mich kaum noch bewegen und das blut auf dem boden wurde immer mehr. ich hab geweint und nur ein meinen kleinen schatz gedacht. dann wurde mir auch noch schlecht und ich hab mich übergeben. ich wollte nicht dass ihm was passiert, aber ich wusste natürlich dass das was da gerade passierte nicht richtig war. irgendwann kam meine mama dann ins bad, weil sie wahrscheinlich durch mein weinen wach geworden ist und wollte mich ins krankenhaus fahren. von da an weiss ich nicht mehr alles so genau. ich hab mich irgendwie angezogen und hab im auto gesessen. als wir im krankenhaus ankamen war aber schon alles was ich an hatte voller blut. dann musste ich noch mal woanders hin, weil wir an einer falschen anmeldung standen oder so. ich hab mir die ganze zeit nur gedacht die sollen ganz schnell gucken was mit meinem baby ist und mich nicht immer nur hin und her schicken.
dann lag ich irgendwann im behandlungszimmer. eine schwester hat mir die ganze zeit eine schale unter den kopf gehalten, weil ich mich immer wieder übergeben musste. die ärztin hat dann ein ultraschall gemacht. so ein ding was man vaginal einführt. dann zeigte sie auf den bildschirm und meinte dass da eigentlich der herzschlag sein müsste. aber nichts mehr zu sehen sei. ich könnte mich dann wieder anziehen und hoch aufs zimmer. später hätte ich dann die ausschabung. in dem moment konnte ich noch nicht mal weinen. ich bin einfach aufgestanden wollte mich anziehen, aber in dem moment bin ich auch schon umgekippt. als ich wieder wach geworden bin lag ich auf einem zimmer. meine mama saß da und ich hab mich nur noch schlecht gefühlt. später kam dann eine narkoseärztin und hat mir was über die narkose erzählt und noch eine andere ärztin die mir erklät hat wie die ausschabung ablkäuft. ich wollte das alles gar nicht wissen. ich hab auch nicht wirklich zugehört. ich wusste nur dass mein kleiner engel nicht mehr lebt. und das war das schlimmste gefühl was ich mir vorstellen kann. das war am 2. november 2008.
abends war ich dann schon wieder zu hause. ich hab im bett gelegen geweint, mich schlecht gefühlt und alleine. ich hatte ja niemandem mit dem ich drüber reden konnte. meine mama hat bis heute - fast ein jahr danach - nicht einmal mehr über dieses thema gerdet. auch sonst keiner. weil es ja niemand wusste.
ich habe seit dem sehr oft an meinen kleinen engel gedacht und geweint. immer wieder wird man, wenn man eigentlich an etwas ganze anderes denkt, wieder daran erinnert. samstag abend zum beispiel war ich mit freunden feiern. da hat eine ein ultraschallbild von dem baby ihrer mutter raus geholt. da hab ich wieder an meinen kleine schatz gedacht. daran dass ich nie so ein bild von ihm hatte und auch nie haben werde.
oder eine freundin von mir hat ein kind bekommen vor ein paar wochen. wenn ich mir dann so die bilder anschaue werde ich irgendwie fast neidisch ... und die krönung dabei war noch der spruch von meiner mutter als ich ihr die bilder gezeigt hab "sei froh dass der kelch an dir vorbei gegangen ist" .... hallo?? ich hab gedacht ich hör nicht richtig. sie hat bis heute nicht verstanden dass ich mich nicht darüber gefreut hab dass mein kleiner engel gestorben ist ...
auch jetzt wenn ich mir vorstelle ich könnte mein 6 monate altes kleine baby im arm halten... dann frag ich mich warum das passiert ist. und die einzige antwort die mir immer kommt ist, dass ich selber schuld bin. ich war nicht sofort beim arzt als ich erfahren habe, dass ich schwanger war. und bevor ich den schwangerschaftstest gemacht habe hab ich auch noch geraucht und getrunken. ich hab mein baby also wahrscheinlich selber umgebracht ...
ich glaub jetzt werd ich erst mal aufhören. naja ... tat auf jeden fall mal gut dass hier so zu erzählen...

Mehr lesen

20. Oktober 2009 um 2:42

Danke
hi micha
erst mal danke dass du mir geschrieben hast. hab nach dem schreiben wirklich gemerkt, dass das gut tat. und so eine antwort gibt auch noch mal kraft.
tut mir leid, dass du dein baby auch verloren hast und ich wünsch dir ganz viel glück dass es bald wieder klappt!
was die vorwürfe angeht denk ich mir auch jedes mal, dass es eigentlich schwachsinn ist. ich wusste ja vorher nicht dass ich schwanger war. und ab dem zeitpunkt an dem ich den positiven test in der hand hatte hab ich nicht eine zigarette oder ein schluck alkohol mehr angerührt. auch wenn ich es manchmal gut hätte gebrauchen können ...
aber man fängt halt an sich zu überlegen warum. und da ich sonst keine begründung hab kommt mir immer wieder das in den sinn.
ich glaub nicht dass meine mutter das böse gemeint hat. sie ist einfach davon ausgegangen dass ich eine abtreibung auch für das beste halte. und sie hat noch nie gemerkt wenn es mir irgendwie schlecht ging oder so, vll auch weil ich sowas gut verbergen kann. aber trotzdem ist sie eine tolle mutter und war in der situation wohl auch ein bischen überfordert.

ganz liebe grüße, leni

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
3. November 2009 um 21:54
In Antwort auf angel_12438314

Danke
hi micha
erst mal danke dass du mir geschrieben hast. hab nach dem schreiben wirklich gemerkt, dass das gut tat. und so eine antwort gibt auch noch mal kraft.
tut mir leid, dass du dein baby auch verloren hast und ich wünsch dir ganz viel glück dass es bald wieder klappt!
was die vorwürfe angeht denk ich mir auch jedes mal, dass es eigentlich schwachsinn ist. ich wusste ja vorher nicht dass ich schwanger war. und ab dem zeitpunkt an dem ich den positiven test in der hand hatte hab ich nicht eine zigarette oder ein schluck alkohol mehr angerührt. auch wenn ich es manchmal gut hätte gebrauchen können ...
aber man fängt halt an sich zu überlegen warum. und da ich sonst keine begründung hab kommt mir immer wieder das in den sinn.
ich glaub nicht dass meine mutter das böse gemeint hat. sie ist einfach davon ausgegangen dass ich eine abtreibung auch für das beste halte. und sie hat noch nie gemerkt wenn es mir irgendwie schlecht ging oder so, vll auch weil ich sowas gut verbergen kann. aber trotzdem ist sie eine tolle mutter und war in der situation wohl auch ein bischen überfordert.

ganz liebe grüße, leni

Wie traurig
hallo,
ich kann gut verstehen, dass du keine kraft mehr hast/hattest nun auch noch innerhalb deiner familie stärke zu zeigen und dich zu wehren.
eine fehlgeburt ist so schlimm und anstrengend, körperlich und geistig. ich hätte mir selber nie vorstellen können, was es bedeutet. wie tief diese verletzung ist. ich habe mein kind im juni diesen jahres verloren. in der 13. woche. ich kannte mich selbst nicht wieder.
soviel trauer und verzweiflung und unverständnis und immer wieder kommt dieser kummer hoch.
leider gehen wenige frauen offen mit dieser trauer um. sicher auch, weil sie weitgehend tabuisiert ist.
wer kann schon verstehen, dass man ein halbes jahr oder ein jahr danach noch immer unvermittelt um das verlorene kind weinen muss. aber: wie gut, dass wir es können.
ich versuche mich immer damit zu trösten, dass dieses menschlein wenigstens eine weile bei mir war. in dieser zeit ging es ihm sicher gut.
aber es konnte nicht bleiben. ich habe die vorsorgeuntersuchungen gehabt, bei mir war alles super und dann habe ich in der nacht geträumt., dass sich mein kind von mir verabschiedet. es hat so sehr darum gebeten ,gehen zu dürfen. so intensiv, dass ich im traum gesagt habe: "wenn du nicht bleiben kannst, dann lasse ich dich". voller tränen bin ich aufgewacht und wusste das es gestorben ist.
der spontane arztbesuch hat es bestätigt. und der weitere verlauf war dann wie bei dir: einen tag später blutungen und wehenartige schmerzen, krankenhaus und not-op.
mir hängt das alles noch immer nach.
im dezember wäre geburtstermin gewesen, ich habe angst vor dem termin. die trauer wird dann gewiss sehr groß sein und das herz besonders schwer. ich werde versuchen, diesen tag ganz bewusst zu verleben, in gedanken bei meinem kleinen menschen, der nicht an meiner hand aber in meinem herzen ist. für immer und hier kann ihn mir niemand nehmen.
ich wünsche dir, dass du einen guten weg findest und menschen, mit denen du sprechen kannst.
wenn du es kannst, gehe offen damit um. du wirst überrascht sein, dass viel frauen es selbst erlebt haben und froh sind, nun auch darüber reden zu können.

ich erspare dir jeden spruch in richtung: du bist noch jung blabla. darum geht es nicht. es geht um dieses eine, besondere kind. lass dir die gedanken daran nicht auch noch nehmen.
ich kann dich sehr gut verstehen.
liebe grüße
Benita

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
Noch mehr Inspiration?
pinterest