Forum / Schwangerschaft & Kinderwunsch

Fehldiagnose Fehlgeburt

26. November 2020 um 0:07 Letzte Antwort: 27. November 2020 um 21:10

Hallo zusammen,
ich weiß nicht, ob ich in diesem Bereich richtig bin, aber ich schreibe euch einfach mal.
Für viele hier, die schon eine Fehlgeburt erlitten haben, wird mein Problem ein absolutes Luxusproblem sein und es tut mir für die entsprechenden Frauen  wirklich sehr leid und ich kann nachvollziehen, wie ihr euch fühlt.

Nun zu meiner Geschichte.
Anfang des Jahres wurde bei meinem Check beim Frauenarzt eine Schwangerschaft festgestellt, einen sehr frühe Schwangerschaft. Es war wohl tatsächlich der 1. Tag an dem man sie anhand der Blutwerte feststellen konnte. 
Das Kind, ein absolutes Wunschkind und wir hatten schon länger versucht schwanger zu werden, was bei mir aber nicht so ganz einfach war/generell ist.


In der 6. Ssw bekam ich plötzlich ein Stechen im Unterleib und ca. 15 Minuten später schwallartige Blutungen, hellrotes frisches, pures Blut. 
Da es Freitagnachmittag war und mein Gynäkologe nicht mehr geöffnet hatte, bin ich in die Notaufnahme gefahren.
In der Gynäkologie wurde mir dann nach einer Ultraschalluntersuchung erklärt, dass die Blutung definitiv aus der Gebärmutter kommt und kein Embryo und keine Fruchthöhle mehr vorhanden wären. - ein Paar Tage vorher bei meinem Gynäkologen war der Embryo und die Fruchthöhle und der Dottersack gut sichtbar. 
Ich sollte im Krankenhaus bleiben und sofort eine Ausschabung machen lassen. 
Ich war geschockt von der Diagnose und wollte einfach nur nach Hause. Ich wollte keine Ausschabung, da ich eh Probleme hatte schwanger zu werden und Angst hatte, dass so ein Eingriff alles noch schwerer machen würde und ich der Meinung bin, dass ja auch alles von alleine abgehen kann und nicht unbedingt eine Ausschabung nötig ist.
Die Gynäkologin hatte wenig Verständnis für mich und betonte immer wieder, dass ich mit meinem Leben und meiner Gesundheit spiele. Ich sollte dann doch zumindest zur Beobachtung da bleiben und könnte die Ausschabung dann ja am nächsten Tag machen lassen. 
Gegen ärztlichen Rat habe ich mich dann selber entlassen und bin nach Hause. Abgesprochen war dann zumindest, dass ich mich Montag bei meinem Gynäkologen melde und mir ggf. wenn ich bis dahin "vernünftig" bin  die Einweisung zur Ausschabung abhole. 
Zu Hause angekommen, erstmal realisiert was gerade passiert ist und mich in den Schlaf geweint. Erst durch den Verlust gemerkt wieviel man für ein Kind in diesem frühen Stadium bereits empfinden kann, wie mein restliches Wochenende war, könnt ihr euch sicherlich vorstellen. 
Montag der schwere Gang zu meinem Gynäkologen um mir, wenn er es nach der Untersuchung auch empfiehlt, die Einweisung zur Ausschabung zu holen - da die Blutungen nach wenigen Stunden aufgehört hatten und ich wenig Hoffnung hatte, dass alles von alleine abgegangen ist. 
Er machte einen Ultraschall und fand Fruchthöhle, Embryo und Herzschlag.
Mein Gefühlschaos war perfekt. Die Fehlgeburt eine Fehldiagnose. Und man mag sich die Konsequenz mal vorstellen, wenn ich auf die Ärztin gehört hätte und die Ausschabung hätte machen lassen (auch wenn man es ja nie erfahren hätte). 
Ich fühlte mich glücklich, mega glücklich. Nicht viele Frauen haben das Glück, dass eine vermeintliche Fehlgeburt so ausgeht. Und ich weiß, dass ich mich mehr als glücklich schätzen kann und bin auch unendlich dankbar dafür. 
Nun ist meine kleine "Fehlgeburt" im September auf die Welt gekommen. Und ich kann mit dieser Fehldiagnose nicht abschließen, es macht mich fertig, wenn ich sie in den Armen halte oder beim Schlafen beobachte, dass sie beinahe nicht hätte leben dürfen. Das wenn ich auf die Ärztin gehört hätte, mein kleiner Schatz nicht da wäre, getötet worden wäre. Es war natürlich die ganze Schwangerschaft über präsent aber erst seit sie auf der Welt ist, ist dieses ganze Ausmaß sichtbar, greifbar und das bekomme ich nicht aus meinem Kopf und es beschäftigt mich innerlich total.

Sorry für den langen Text

Vielleicht hat Jemand einen Ratschlag wie ich mit der Sache abschließen kann, schließlich ist ja alles gutgegangen und ich habe mein Happy End bekommen (deswegen habe ich auch das Gefühl, dass ich gar nicht jammern dürfte und entschuldige mich nochmals dafür bei allen Frauen, die so ein Glück nicht erleben durften und mein Problem wahrscheinlich als jammern auf hohem Niveau sehen.

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26. November 2020 um 10:18
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Hallo zusammen,
ich weiß nicht, ob ich in diesem Bereich richtig bin, aber ich schreibe euch einfach mal.
Für viele hier, die schon eine Fehlgeburt erlitten haben, wird mein Problem ein absolutes Luxusproblem sein und es tut mir für die entsprechenden Frauen  wirklich sehr leid und ich kann nachvollziehen, wie ihr euch fühlt.

Nun zu meiner Geschichte.
Anfang des Jahres wurde bei meinem Check beim Frauenarzt eine Schwangerschaft festgestellt, einen sehr frühe Schwangerschaft. Es war wohl tatsächlich der 1. Tag an dem man sie anhand der Blutwerte feststellen konnte. 
Das Kind, ein absolutes Wunschkind und wir hatten schon länger versucht schwanger zu werden, was bei mir aber nicht so ganz einfach war/generell ist.


In der 6. Ssw bekam ich plötzlich ein Stechen im Unterleib und ca. 15 Minuten später schwallartige Blutungen, hellrotes frisches, pures Blut. 
Da es Freitagnachmittag war und mein Gynäkologe nicht mehr geöffnet hatte, bin ich in die Notaufnahme gefahren.
In der Gynäkologie wurde mir dann nach einer Ultraschalluntersuchung erklärt, dass die Blutung definitiv aus der Gebärmutter kommt und kein Embryo und keine Fruchthöhle mehr vorhanden wären. - ein Paar Tage vorher bei meinem Gynäkologen war der Embryo und die Fruchthöhle und der Dottersack gut sichtbar. 
Ich sollte im Krankenhaus bleiben und sofort eine Ausschabung machen lassen. 
Ich war geschockt von der Diagnose und wollte einfach nur nach Hause. Ich wollte keine Ausschabung, da ich eh Probleme hatte schwanger zu werden und Angst hatte, dass so ein Eingriff alles noch schwerer machen würde und ich der Meinung bin, dass ja auch alles von alleine abgehen kann und nicht unbedingt eine Ausschabung nötig ist.
Die Gynäkologin hatte wenig Verständnis für mich und betonte immer wieder, dass ich mit meinem Leben und meiner Gesundheit spiele. Ich sollte dann doch zumindest zur Beobachtung da bleiben und könnte die Ausschabung dann ja am nächsten Tag machen lassen. 
Gegen ärztlichen Rat habe ich mich dann selber entlassen und bin nach Hause. Abgesprochen war dann zumindest, dass ich mich Montag bei meinem Gynäkologen melde und mir ggf. wenn ich bis dahin "vernünftig" bin  die Einweisung zur Ausschabung abhole. 
Zu Hause angekommen, erstmal realisiert was gerade passiert ist und mich in den Schlaf geweint. Erst durch den Verlust gemerkt wieviel man für ein Kind in diesem frühen Stadium bereits empfinden kann, wie mein restliches Wochenende war, könnt ihr euch sicherlich vorstellen. 
Montag der schwere Gang zu meinem Gynäkologen um mir, wenn er es nach der Untersuchung auch empfiehlt, die Einweisung zur Ausschabung zu holen - da die Blutungen nach wenigen Stunden aufgehört hatten und ich wenig Hoffnung hatte, dass alles von alleine abgegangen ist. 
Er machte einen Ultraschall und fand Fruchthöhle, Embryo und Herzschlag.
Mein Gefühlschaos war perfekt. Die Fehlgeburt eine Fehldiagnose. Und man mag sich die Konsequenz mal vorstellen, wenn ich auf die Ärztin gehört hätte und die Ausschabung hätte machen lassen (auch wenn man es ja nie erfahren hätte). 
Ich fühlte mich glücklich, mega glücklich. Nicht viele Frauen haben das Glück, dass eine vermeintliche Fehlgeburt so ausgeht. Und ich weiß, dass ich mich mehr als glücklich schätzen kann und bin auch unendlich dankbar dafür. 
Nun ist meine kleine "Fehlgeburt" im September auf die Welt gekommen. Und ich kann mit dieser Fehldiagnose nicht abschließen, es macht mich fertig, wenn ich sie in den Armen halte oder beim Schlafen beobachte, dass sie beinahe nicht hätte leben dürfen. Das wenn ich auf die Ärztin gehört hätte, mein kleiner Schatz nicht da wäre, getötet worden wäre. Es war natürlich die ganze Schwangerschaft über präsent aber erst seit sie auf der Welt ist, ist dieses ganze Ausmaß sichtbar, greifbar und das bekomme ich nicht aus meinem Kopf und es beschäftigt mich innerlich total.

Sorry für den langen Text

Vielleicht hat Jemand einen Ratschlag wie ich mit der Sache abschließen kann, schließlich ist ja alles gutgegangen und ich habe mein Happy End bekommen (deswegen habe ich auch das Gefühl, dass ich gar nicht jammern dürfte und entschuldige mich nochmals dafür bei allen Frauen, die so ein Glück nicht erleben durften und mein Problem wahrscheinlich als jammern auf hohem Niveau sehen.

Es freut mich für dich das bei dir und einer Kleinen doch noch alles gut ging. 

Eine Fehlgeburt hatte ich zum Glück nie gehabt. 
Allerdings ging bei der Geburt meines Sohnes einiges schief und ich bin dankbar das er und auch ich das Ganze unbeschadet überstanden haben. 

Raten kann ich dir leider nichts. Außer nicht mehr daran zu denken.

Auch wenn jeden Tag tausende kleiner Menschenkinder geboren werden halte ich Schwangerschaft und Geburt nach wie vor für ein großes Wunder. 

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26. November 2020 um 10:24

Hast du mal überlegt, dich beim Krankenhaus wegen der Fehldiagnose zu beschweren? Es wird ja Unterlagen dazu geben, dass dich die Ärztin zu der Ausschabung drängen wollte, obwohl du noch schwanger warst? Vielleicht kann dir die Beschwerde ein wenig Genugtuung und einen Abschluss für die ganze Sache liefern? Ansonsten musst du nach und nach versuchen die Angelegenheit loszulassen. 

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26. November 2020 um 10:52
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Hast du mal überlegt, dich beim Krankenhaus wegen der Fehldiagnose zu beschweren? Es wird ja Unterlagen dazu geben, dass dich die Ärztin zu der Ausschabung drängen wollte, obwohl du noch schwanger warst? Vielleicht kann dir die Beschwerde ein wenig Genugtuung und einen Abschluss für die ganze Sache liefern? Ansonsten musst du nach und nach versuchen die Angelegenheit loszulassen. 

Die Unterlagen im Krankenhaus hat die Ärztin vermutlich nachbearbeitet. 
Wie es der Zufall wollte, hatte sie Dienst als ich entbunden habe, also sie wurde mit ihrem Fehler quasi konfrontiert und wird ihr auch bewusst gewesen sein. Angesprochen hatte ich sie nicht, obwohl ich es mir fest vorgenommen hatte, aber als ich meine kleine Maus in den Armen hielt und sie zum nähen kam, wollte ich mir diesen Moment mit meiner Tochter nicht kaputt machen. Außerdem war sie mit Nadel und Faden bei mir unten dran - da einen Streit anfangen, ich weiß nicht...
über meine Krankenkasse kann ich einsehen was abgerechnet wurde und die Fehlgeburtsdiagnose tauchte nach der Entbidnung nicht mehr und wie von Zauberhand abgeändert in Verdacht, bzw. drohende Fehlgeburt, also ich denke sie hat da an den Unterlagen nach der Entbindung als ihr das aufgefallen ist nachmanipuliert. 

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26. November 2020 um 11:05

Puh, deine Geschichte ist ja ungeheuerlich!!! Gott sei dank hast du dich nicht bereden lassen, da hattest du vielleicht schon eine gute Intuition oder gar einen Schutzengel.

Auf jeden Fall hat mich deine Geschichte sehr berührt und ich wünsche Euch unbekannterweise alles erdenklich Gute!

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27. November 2020 um 9:57
In Antwort auf

Puh, deine Geschichte ist ja ungeheuerlich!!! Gott sei dank hast du dich nicht bereden lassen, da hattest du vielleicht schon eine gute Intuition oder gar einen Schutzengel.

Auf jeden Fall hat mich deine Geschichte sehr berührt und ich wünsche Euch unbekannterweise alles erdenklich Gute!

Danke schön!

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27. November 2020 um 21:10

Das ist zumindest eine Geschichte mit Happy End. Aber so traurig es ist, du bist leider kein Einzelfall! Ich kenne jetzt schon 4 Frauen, denen eine Ausschabung/Abtreibung sehr ans Herz gelegt wurde, weil angeblich etwas mit dem Baby nicht in Ordnung war! Du weißt ja nun aus eigener leidvoller Erfahrung durch was für eine Hölle man da geht. Und was du erlebt hast, ist sicher mit dem Schmerz einer Fehlgeburt vergleichbar, denn du dachtest ja, dass du dein Baby verloren hättest.
Ich glaube, ich würde das Gespräch mit dieser Ärztin suchen. Einen Termin mit ihr ausmachen und einen neutralen Zeugen bzw. eine Stütze für dich mitnehmen. Bei dir ging es nochmal gut aus, aber wer weiß, wie oft ihr so ein gravierender Fehler schon unterlaufen ist. Das wird sicherlich nicht leicht, aber mir wäre es wichtig, um damit irgendwie zurecht zu kommen. Damit abschließen ist noch mal eine ganz andere Hausnummer, aber es wäre für mich ein wichtiger Schritt. 

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