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Erfahrung medikamentöser Schwangerschaftsabbruch

12. Dezember 2015 um 17:12

Hallo zusammen

Ich schreibe diesen Beitrag, da ich vor 1 Monat einen medikamentösen SA gemacht habe, und vorher viel darüber gelesen habe, was nicht wirklich hilfreich war. Ich denke das liegt daran, dass sich halt v.a. Frauen, welche schlechte Erfahrungen gemacht haben, so Hilfe holen möchten oder aber andere Frauen "warnen" möchten.

Dazu, wieso ich mich bei dieser schweren Entscheidung gegen mein 1. Kind entschieden habe, möchte ich lieber nichts schreiben, da ich keine Lust auf allgemeine Verurteilungen habe, ob jetzt dies ein "guter Grund" ist oder nicht. Dies muss jede Frau für sich entscheiden. Im Moment fühlt sich die Entscheidung für mich immer noch richtig an.

Ich habe 5 Tage nachdem meine Periode überfällig war einen Schwangerschaftstest gemacht. Ein paar Tage später war ich bei der Beratung der Familienplanungsstelle. Da ich noch sehr früh dran war, habe ich mir einen Termin 1 Woche später geben lassen, so dass ich noch Gelegenheit gehabt hätte, mich für das Kind zu entscheiden. Ich war beim Abbruch bei 5+2 SSW. Ein operativer Eingriff wäre für mich nicht in Frage gekommen, auch nicht weil ich dann noch länger warten hätte müssen.

Ich wohne in der Schweiz, und das Vorgehen meines Spitals war das folgende: Beim 1. Termin habe ich 2 Tabletten Mifegyne bekommen, die ich gleich in der Praxis geschluckt habe. Ich war froh, dass ich mich vor dem nicht mehr für meine Entscheidung rechtfertigen musste, sondern dass meine Ärztin mir nur noch das Vorgehen und die Risiken erklärt hatte.

2 Tage später hatte ich den 2. Termin. Ein paar Stunden zuvor hatte ich Schmierblutungen bekommen. Im Spital wurde mir ein leeres Zimmer zugeteilt und ich hab die 2. Tabletten geschluckt, welche die Blutung auslösen sollen.
In meinen Spital schluckt man die Tabletten also, nicht Einführung in die Scheide. Da gibt's scheinbar unterschiedliche Vorgehensweisen.

Nach ca. 2h habe ich ein bisschen Bauchkrämpfe bekommen, ca. 30 Min danach eine etwas grössere Blutung, welche wohl der Abgang war. Eine Krankenschwester kam ca. jede halbe Stunde schauen wie's mir geht und sie haben auch das Blut bezw. den Stuhltopf kontrolliert. Nach ca. 4 h kam die Ärztin vorbei und meinte, die Furcht sei abgegangen und ich könne nun nach Hause. Ich konnte es fast nicht glauben, dass dies schon alles gewesen sein soll. Etwas schmierige Blutungen und etwas Bauchkrämpfe, aber nicht viel schlimmer als am 1. Periodentag. Ich habe noch ein Medikament für 7 Tage/3x täglich bekommen, welches normalerweise bei Fehlgeburten abgegeben wird und das dabei helfen soll, dass möglichst alles aus der Gebärmutter raus kommt.

In den folgenden 12 Tagen hatte ich für meine Verhältnisse starke Blutungen, musste aber nie Schmerztabletten nehmen (auch während dem Abbruch im Spital brauchte ich keine). Ein paar Tage lang kamen auch noch Hautfetzen raus, nicht nur Blut. Ich musste mich nicht krankschreiben lassen.

Bei Nachuntersuchung (nochmals Ultraschall) meine meine Ärztin, es sei alles OK.

Bis jetzt hatte ich nach dem Abbruch keine psychischen Probleme, meine Ärztin meine es könnte sein, dass die später noch kommen.

Die "schlimme" Zeit für mich waren die Tage vom Test bis zum Abbruch, das ständige auf und ab ob ich das Kind behalten soll oder nicht, das hat mich fertig gemacht. Als die Entscheidung dann getroffen worden ist und es kein Zurück mehr gab, ging es mir schon viel besser.

Ich habe 1 Woche nach SSA eine gute Freundin besucht, welche soeben ein Baby bekommen hatte. Dies war sozusagen mein Test an mich, wie ich mit der Situation umgehen kann (meine Freundin wusste nichts von dem SSA). Ich muss sagen, ich hatte auch da keine Probleme.

Und ich weiss, dass ich irgendwann mal Kinder will, einfach nicht jetzt und so.

Liebe Grüsse und viel Kraft an alle, die noch vor der Entscheidung stehen. Dies ist etwas sehr persönliches und kann von jemandem, der nicht in der gleichen Situation war, nicht beurteilt/verurteilt werden.

Ich meinerseits habe den SSA mit Mifegyne als "einfacher als befürchtet" erlebt, ohne grosse Schmerzen oder Komplikationen. Das weiss man aber natürlich nicht im Voraus. Das Pflegepersonal war sehr nett zu mir und hat mich nie verurteilend angeschaut oder angesprochen.

Soleil



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