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Entscheidung für oder gegen medikamentösen Abbruch

3. November 2016 um 17:39 Letzte Antwort: 13. Dezember 2016 um 1:19

Liebe verzweifelte oder einfach ungewollt Schwangere,

ich habe 2010 medikamentös abgetrieben - es gibt in diesem Forum von gewi003 einen, wie ich finde, guten Erfahrungsbericht über diese Art der Abtreibung, zu dem ich einen Umstand noch stark betonen will.
Meine Abtreibung war, wie sich später herausstellte, ein schrecklicher Fehler - mir fehlten Informationen über meine Partnerschaft, die ich erst nach der Abtreibung bekam - vielleicht aber auch nur bekam, weil die Abtreibung ein so dramatischer Schritt war.
Ich wurde nach zehn Jahren erfolglosem Kinderwunsch schwanger von einem Fehltritt und wollte mit der Abtreibung meine zehnjährige Beziehung retten (und mich vielleicht auch für den Fehltritt bestrafen), um dann zu erfahren, dass mein langjähriger Partner sich rettungslos in eine Andere verliebt hatte, das aber genauso verschwieg wie ich meinen Fehltritt, um ebenfalls die Beziehung zu retten. Jede Menge falsch verstandenes Opfertum und darüber schreckliche Opfer, aber darum geht es jetzt nicht.
Mir ist ganz wichtig, zu betonen, dass die medikamentöse Abtreibung eine kleine Geburt ist oder von mir massiv so wahrgenommen wurde. Die Elemente des Frauenkörpers, die dabei MERKLICH beteiligt sind, sind MERKLICH die, die beim Gebären ins Spiel kommen (inzwischen habe ich zwei Kinder bekommen und kann mein Empfinden damals bestätigen) - d.h., frau "gibt es sich voll"; der Zusammenhang mit einer "produktiven" Geburt ist absolut und emotional spürbar. Bei mir ging das so weit, dass ich das Gefühl hatte, meine Leibesfrucht und ich müssen zusammenarbeiten, so dass ich sie heulend angefeuert habe. Etwas Ergreifenderes und Traurigeres habe ich nie erlebt. Ich hoffe, hierüber kannst Du, die die Entscheidung für eine Abtreibung schon getroffen hat, aber die über die Methode noch nicht, ermessen, ob die medikamentöse für Dich die bessere oder absolut zu vermeidende ist. Für mich war es die richtige -  im grenzenlos Falschen getroffen. Auch, dass ich alleine war mit meinem Kind und dem Kampf gegen es, war richtig - ich konnte wüten und toben, mich hassen, leiden, weinen, ohne (moralischer) Logik gerecht werden zu müssen.
Meine Betreuung in der Beratungsstelle war fair, offen und kompetent (für das Austragen natürlich) und die durch meinen Frauenarzt begnadet. Dass ich mich nicht nachher erschossen habe, ist vor allem ihm zu verdanken. Er hat von mir und dem Kindsvater einen Brief an das Kind verlangt und dass wir ihm einen Namen geben; ich habe die Leibesfrucht aufgefangen und trage sie seitdem bei mir - ich gehöre also definitiv zu denen, denen es hilft, vor möglichst wenig die Augen zu verschließen.
Wenn Du "es" aber lieber nicht so genau wissen willst und möglichst passiv hinter Dich bringen willst, bin ich mir sicher, der bessere Weg ist, es (weg)machen zu LASSEN. Der ist wahrscheinlich nicht leichter (leicht gibt es nicht in diesem Feld), aber Du bist nicht physisch aktiv beteiligt. Schmerzen hat man sicher bei beiden Vorgängen, aber bei einer Ausschabung mit lokaler Anästhesie ist der Vorgang vermutlich weniger nachvollziehbar.
Ich wünsche Dir Ruhe und Stärke und Liebe in dieser beschissenen Situation - wahrscheinlich hast Du einen kleinen Fehler mit immensem Schmerzpotential gemacht (die meisten von uns hätten besser oder überhaupt verhüten können und müssen), aber handle jetzt so richtig wie möglich an Dir selbst.
 

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3. November 2016 um 19:19

Vielen Dank für diesen ehrlichen Bericht! 

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13. Dezember 2016 um 1:09

Mein Schwangerschaftsabbruch war Anfang des Jahres. Für mich war die Entscheidung klar, in dem Moment wo ich den positiven Test in der Hand hielt. Ich möchte keine Kinder. Ich  bereue den Abbruch auch nicht. Was für mich schwierig ist, ist dass ich meine Familie verloren habe. Ich traute mich damals meiner Schwägerin an, mit der Bitte es für sich zu behalten und mit niemanden darüber zu sprechen. Sie hat sich ganze drei Stunden an ihr Versprechen gehalten. Dann hat sie meine Eltern informiert. Diese wollten, dass ich das Kind behalte, beschimpften mich als Mörderin. Niemals fragten sie, warum ich kein Kind will, im Gegenteil, es zeigt sich mal wieder, dass meine Eltern mich nicht kennen, mit interpretierten, aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen versuchten sie, mich unter Druck zu setzen, dass ich das Kind behalten solle. Die Beziehung ist zerbrochen und ich glaube nicht, dass sie wieder heilt. Was ich an der Reaktion nicht verstehe, ist dass meine Mutter mir immer gesagt hat, "dass der Körper der Frau nur der Frau gehört, dass nur sie alleine zu bestimmen hat, ob sie ein Kind bekommt oder nicht". Oder habe ich diese Aussagen auch falsch interpretiert und aus dem Zusammenhang gerissen? Ich weiß es nicht. Ich habe von vielen Menschen Rückhalt bekommen, viele Menschen haben mich unterstützt, vollkommen, wertfrei und haben mich nach den Streitigkeiten mit meiner Familie aufgefangen. Aber Ich fühle mich einsam, entwurzelt  und ungeliebt von meiner Familie, ich hätte meinen Eltern niemals vom Abbruch erzählt. Ich bin wütend auf meine Schwägerin, dass sie meine Eltern informiert hat und damit unsere Beziehung zerstört hat. Die Beziehung die seit vielen, vielen Jahren das erste mal richtig gut war.
Ich habe meine Familie verloren, trotzdem ich meinen Entschluß nicht bereue und mich auch nicht umentscheiden würde.
 

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13. Dezember 2016 um 1:19
In Antwort auf carey_11889325

Liebe verzweifelte oder einfach ungewollt Schwangere,

ich habe 2010 medikamentös abgetrieben - es gibt in diesem Forum von gewi003 einen, wie ich finde, guten Erfahrungsbericht über diese Art der Abtreibung, zu dem ich einen Umstand noch stark betonen will.
Meine Abtreibung war, wie sich später herausstellte, ein schrecklicher Fehler - mir fehlten Informationen über meine Partnerschaft, die ich erst nach der Abtreibung bekam - vielleicht aber auch nur bekam, weil die Abtreibung ein so dramatischer Schritt war.
Ich wurde nach zehn Jahren erfolglosem Kinderwunsch schwanger von einem Fehltritt und wollte mit der Abtreibung meine zehnjährige Beziehung retten (und mich vielleicht auch für den Fehltritt bestrafen), um dann zu erfahren, dass mein langjähriger Partner sich rettungslos in eine Andere verliebt hatte, das aber genauso verschwieg wie ich meinen Fehltritt, um ebenfalls die Beziehung zu retten. Jede Menge falsch verstandenes Opfertum und darüber schreckliche Opfer, aber darum geht es jetzt nicht.
Mir ist ganz wichtig, zu betonen, dass die medikamentöse Abtreibung eine kleine Geburt ist oder von mir massiv so wahrgenommen wurde. Die Elemente des Frauenkörpers, die dabei MERKLICH beteiligt sind, sind MERKLICH die, die beim Gebären ins Spiel kommen (inzwischen habe ich zwei Kinder bekommen und kann mein Empfinden damals bestätigen) - d.h., frau "gibt es sich voll"; der Zusammenhang mit einer "produktiven" Geburt ist absolut und emotional spürbar. Bei mir ging das so weit, dass ich das Gefühl hatte, meine Leibesfrucht und ich müssen zusammenarbeiten, so dass ich sie heulend angefeuert habe. Etwas Ergreifenderes und Traurigeres habe ich nie erlebt. Ich hoffe, hierüber kannst Du, die die Entscheidung für eine Abtreibung schon getroffen hat, aber die über die Methode noch nicht, ermessen, ob die medikamentöse für Dich die bessere oder absolut zu vermeidende ist. Für mich war es die richtige -  im grenzenlos Falschen getroffen. Auch, dass ich alleine war mit meinem Kind und dem Kampf gegen es, war richtig - ich konnte wüten und toben, mich hassen, leiden, weinen, ohne (moralischer) Logik gerecht werden zu müssen.
Meine Betreuung in der Beratungsstelle war fair, offen und kompetent (für das Austragen natürlich) und die durch meinen Frauenarzt begnadet. Dass ich mich nicht nachher erschossen habe, ist vor allem ihm zu verdanken. Er hat von mir und dem Kindsvater einen Brief an das Kind verlangt und dass wir ihm einen Namen geben; ich habe die Leibesfrucht aufgefangen und trage sie seitdem bei mir - ich gehöre also definitiv zu denen, denen es hilft, vor möglichst wenig die Augen zu verschließen.
Wenn Du "es" aber lieber nicht so genau wissen willst und möglichst passiv hinter Dich bringen willst, bin ich mir sicher, der bessere Weg ist, es (weg)machen zu LASSEN. Der ist wahrscheinlich nicht leichter (leicht gibt es nicht in diesem Feld), aber Du bist nicht physisch aktiv beteiligt. Schmerzen hat man sicher bei beiden Vorgängen, aber bei einer Ausschabung mit lokaler Anästhesie ist der Vorgang vermutlich weniger nachvollziehbar.
Ich wünsche Dir Ruhe und Stärke und Liebe in dieser beschissenen Situation - wahrscheinlich hast Du einen kleinen Fehler mit immensem Schmerzpotential gemacht (die meisten von uns hätten besser oder überhaupt verhüten können und müssen), aber handle jetzt so richtig wie möglich an Dir selbst.
 

 Ich hatte im Juni eine Abtreibung. Ich bin seit 2 Jahren verheiratet und wurde von ihm immer geschlagen. Als ich von der Schwangerschaft erfuhr, war ich erst sehr unglücklich, wollte kein Kind mit ihm. Dann aber hatte ich mich sehr auf das Kind gefreut. Als er mich mehrmals in der Schwangerschaft geschlagen hatte und ich nicht mehr konnte, verließ ich ihn und zog zu meinen Eltern. Als ich gemerkt habe, dass es überhaupt keine Zukunft mit diesem Mann hat, habe ich mit dem Gedanken gespielt abzutreiben. Denn ich wollte auch nichts mehr mit ihm zutun haben und das Kind wäre auch nicht glücklich geworden. Manchmal tut es mir so weh, frage mich ob, ich das richtige gemacht habe. Mein noch Ehemann hat bis heute nicht gefragt, wie es mir und dem Kind geht. Ich weiss aber, bald werde ich den Richtigen finden, der mich auch liebt und überglücklich werden und mit ihm eine Familie gründen.

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