Home / Forum / Schwangerschaft & Kinderwunsch / Schwangerschaft: Abtreibung, Schwangerschaftsabbruch / Das unerwünschte Kind

Das unerwünschte Kind

12. Juni 2009 um 16:35 Letzte Antwort: 25. Juni 2009 um 10:00

Ich habe einen hochinteressanten Text gefunden, der sich auf die geborenen, aber unerwünschten und ungewollten Kinder bezieht.
Dazu wäre noch erwähnenswert, daß das verschwurbelte Mutterbild unserer Gesellschaft einer Frau eigentlich keine Wahl läßt, ein wahrhaft ungewolltes Kind würdevoll abzugeben - nach Entbindung.
Alle Mitmenschen, die die Schwangerschaft der Frau mitbekommen haben, wollen wissen wo das Kind ist - bei ehrlicher Antwort ist sie eine Rabenmutter, eine die ihr Kind nicht liebt - sie verliert ihr Gesicht. Die andere Alternative - Lügen - behindert die Verarbeitung.

------------------------------ ------------------------------ ------------------------------ -----------------------------

" ICH HABE ES VON ANFANG AN GEHASST

Das unerwünschte Kind

Nicht nur anekdotenhafte Extremfälle von misshandelnden Eltern, auch zahlreiche Langzeitstudien und tiefenpsychologische Forschungsergebnisse belegen es: Unerwünschtheit stellt eine grosse Gefahr für die psychische und soziale Entwicklung des Kindes dar.

Angesichts des Wissens über die psychologische Schädigung des Kindes durch das Ungewolltsein muss sich die Gesellschaft fragen, ob eine Rechtspflicht zum Austragen (Originalton im Urteil des Deutschen Bundesverfassungsgerichts von 1993) - d.h. ein Zwang für Frauen, gegen ihren Willen ein Kind zur Welt bringen zu müssen - ethisch verantwortet werden kann.
Psycho-sozial geschädigt

Die wohl umfassendste Übersicht über die psychologische Forschung auf diesem Gebiet stammt von G. Amendt und M. Schwarz (1992). Sie haben rund 500 Arbeiten ausgewertet. Das Ergebnis kann etwa so zusammengefasst werden: Im Einzelfall lässt sich zwar keine sichere Prognose für die weitere Entwicklung eines unerwünscht geborenen Kindes stellen. Aber die Befunde weisen alle in die gleiche Richtung: Unerwünschtheit wirkt krankmachend und lebensgefährdend.

In mehreren schwedischen, einer finnischen, einer tschechischen und einigen schweizerischen Langzeitstudien wurden Kinder untersucht, die geboren wurden, nachdem ihren Müttern ein Schwangerschaftsabbruch verweigert worden war. Die ungewollten Kinder wurden während 10 bis 35 Jahren (David et al. 2003) beobachtet und mit Kontrollgruppen verglichen. Die Resultate sind verblüffend ähnlich: Bei den unerwünschten Kindern zeigten sich deutlich mehr Verhaltensstörungen und psychische Krankheitssymptome sowie soziales Fehlverhalten. Sie waren öfter leistungsschwach in Schule und Ausbildung und fürsorgeabhängig. Sie wuchsen öfter in einem ungünstigen sozialen und familiären Umfeld auf. Sie wiesen häufiger Anzeichen emotionaler Verarmung und niedriger Selbstachtung auf und waren öfter in psychiatrischer Behandlung.

In einer schweizerischen Studie von E. Winiger und H. Kind (1979) wurden 30-60 Prozent der unerwünschten Kinder als gestört eingestuft. Sie wiesen Symptome auf, die in der Kinderpsychologie als Krankheitszeichen bewertet werden (wie Bettnässen, starke Ängste, Schlafstörungen). H. Stamm (1973) beurteilte in einer Nachkontrolle nahezu die Hälfte der unerwünscht geborenen Kinder als behandlungsbedürftig.

Der psychische Stress der ungewollt schwangeren Frau wirkt sich bereits negativ auf Schwangerschaft und Geburt aus. Nicht selten greifen solche Frauen zu Beruhigungsmitteln wie Alkohol, Drogen, Medikamente oder Rauchen. Es fällt auf, dass auch heute noch in der Schweiz (1994) Kinder unverheirateter Mütter (bei welchen angenommen werden muss, dass die Schwangerschaft eher unerwünscht war) deutlich öfter tot geboren werden und doppelt so oft im ersten Lebensjahr sterben als Kinder verheirateter Mütter.
Misshandelt

Besonders beunruhigend sind die Befunde, dass bei jugendlichen Straftätern, bei Selbstmordversuchen von Kindern und Jugendlichen und bei Kindsmisshandlungen Unerwünschtheit auffallend häufig ein bedeutsamer Faktor ist.

Unerwünschtheit wurde bei Straffälligen doppelt bis fünfmal so häufig gefunden wie bei nicht Straffälligen. Zwei Drittel einer Gruppe misshandelter Kinder und die Hälfte einer Gruppe von Kindern, die einen Selbstmordversuch unternommen hatten, waren unerwünscht.

Die Mütter unerwünschter Kinder und misshandelnde Eltern waren oft selbst von ihren Eltern abgelehnt worden. Unerwünschtheit löst also einen Teufelskreis aus.

Das oft gehörte Argument, eine ungewollt schwangere Frau werde sich schon vom ersten Schreck erholen und nach dem dritten Monat eine positive Einstellung zum Kind finden, wird durch die Fakten widerlegt. Bereits 1941 hatte H. Binder aufgezeigt, dass die ablehnenden Gefühle der Frauen zwar manchmal in der zweiten Schwangerschaftshälfte nachlassen. Nach der Geburt nehmen aber Abneigung oder Gleichgültigkeit gegenüber dem Kind wieder deutlich zu. In einer englischen Studie (Pare u. Raven, 1970) bedauerten ein Drittel der Frauen ein bis drei Jahre nach der Geburt, dass ihnen ein Schwangerschaftsabbruch verweigert worden war. Mehrere äusserten unumwunden Hassgefühle gegen das Kind.

Das dramatische Schicksal von unerwünscht geborenen und abgelehnten Kindern ist ein durchschlagendes Argument für die Beseitigung der gesetzlichen und sozialen Stigmatisierung der Abtreibung, so dass unerwünschte Kinder nicht geboren werden müssen (R.J. Gelles, zit. in G. Amendt)."
Quelle: www.svss-uspda.ch/de/facts/kind.htm

Mehr lesen

12. Juni 2009 um 16:37

Noch was
Ich bin der Meinung, daß jedes Kind auf dieser Welt das Recht hat, sich erwünscht und geliebt zu fühlen.

Gefällt mir
12. Juni 2009 um 17:39

Dieser Text
sollte einige Leuten hier im Forum zum Überdenken ihrer Position anregen.
Es ist Information.
Man kann nicht alle Frauen die sich mit dem Gedanken tragen, kein Kind bekommen zu wollen als Mörderin hinzustellen, ohne sich Untersuchungen zu dem Leben von ungewollten Kindern anzuschauen.
Das ist übrigens auch eine Ursache für die Probleme, die Frauen nach einer Abtreibung haben - das eingeredete schlechte Gewissen. Die Horrorbilder, die hier gerne verlinkt werden.
Es ist nicht automatisch alles Friede, Freude, Eierkuchen, nur weil das Kind dann doch geboren wird, die Mutter sich aber innerlich abgewandt hat und es ablehnt.

Ich schließe nicht von mir auf andere - ich weiß aus meinem persönlichen Umfeld, daß natürlich nicht alle Frauen sich richtig entscheiden bei diesem Schritt, oder einfach um ihr Kind trauern.
Die Trauer kann einem niemand nehmen, man kann daraus lernen, man kann daran wachsen. Aber sie muß einen nicht zwangsläufig kaputtmachen.

Wenn du meinen Thread richtig gelesen hast, dann sollte dir auch aufgefallen sein, daß ich niemandem zur Abtreibung rate, der sich hin und hergerissen fühlt.
Ich bin sehr dafür in alle Richtungen zu informieren, als stur zu behaupten, nur wenn der Fötus sich entwickeln darf und geboren wird, ist es richtig.

Und, lilyrose - es gibt auch viele Frauen, die schon vor einer Abtreibung psychische Schäden hatten, bzw suizidal waren.
Es gibt ebenfalls Frauen, die sich und/oder das Kind nach einer Geburt umbringen.

Was soll denn bitte das hier heißen:
"manchmal wäre es besser,wenn man frau die abtreibung erlaubt hätte,und manchmal wäre es besser,man hätte sie ihr verboten."
?


Gefällt mir
12. Juni 2009 um 21:36

Applaus

Das ist ein ganz toller, gut geschriebener Beitrag, der sehr wichtige Punkte anspricht.
Herzliche Grüße!

Gefällt mir
12. Juni 2009 um 22:46


Ich muss ganz ehrlich sein: Das trifft es total. Genau das ist das Problem. Versuch mal einem Kind, das ungewünscht war und das dir überhaupt nicht "in den Kram" passt (hört sich doof an, ich weiß), oder das dich an etwas Grausames erinnert zu lieben!
Das geht nicht. Ich könnte das auch nicht!
Ich liebe meine Tochter, ich liebe ihren Vater, ich wollte sie wirklich. Wenn ich mir vorstelle, sie wärevon irgendeinem ONS, von einem Ex, oder sonst was, dann weiß ich nicht, ob ich sie auch so lieben könnte! DAs ist zwar kaum vorstellbar. Aber ich bin froh, wie es jetzt ist. Es hat alles gepasst. Darauf bin ich stolz.
Und ich möchte andere Fraue ermutigen, sich alles gut zu durchdenken. Ein Kind verändert alles, aber ein Abbruch kann das auch. Mann/Frau muss sich wirklich sicher sein, ob man mit der eventuellen Belastung (bei Beidem) auch klar kommen kann.

LG

Gefällt mir
18. Juni 2009 um 3:58

Ich habs gehasst UND geliebt
daher vielleicht auch die vielen spätabbrüche (zb in holland).

viele frauen denken sicher so, dass sie ihr "ungewolltes kind" vielleicht doch nach dem ersten drittel der schwangerschaft lieben könnten.
wenn dies dann doch nicht der fall ist gehts halt ab nach holland oder österreich tatsache

bin ein wenig geschockt, denn ich hab erfahren, dass eine bekannte es dort in der 20ssw hat wegmachen lassen und noch eine andere in der 15ssw.

ist jedem seine sache, andere länder andere sitten.

ich selbst hab in der 12ssw abgetrieben und fuer mich persönlich war die schwangerschaft schon viel zu weit fortgeschritten...
aber das ist ja jedem selbst überlassen.


Gefällt mir
18. Juni 2009 um 21:34

Was du beschreibst,
empfinde ich als die Auswirkungen unseres westlichen übermenschlichen Mutterbildes.

Eine Mutter ist selbstlos und gut und voller Liebe, sie hat keine persönlichen Ansprüche oder gar Interessen und ist restglücklich wenn es nur den Kindern (und dem Männe) gut geht.
Sie sorgt selbstverständlich für ein gutes Umfeld - was ja mit Hartz4 schwer wird, die rauchen ja alle und saufen auch^^
Eine gute Mutter bleibt >natürlich< bei dem Vater ihrer Kinder und wird auch nie ein selbst geborenes Kind weggeben, weil sie meint es nicht mehr schaffen zu können. daß eine Mutter ihr Kind nicht liebt gibt es gar nicht. USW.

Das westliche Mutterbild hat nichts, gar nichts mit Glorifikation zu tun - da werden Werte aus dem späten 19. Jahrhundert Frauen aufgedrückt, die im 21. Jhrdt leben.

Das Kinder in Deutschland als Störfaktor gesehen werden, trifft klar zu, das hat aber nicht mit dem Mutterbild zu tun, sondern mit der Denke, Kinder gehören samt Mutter ins Haus, die haben nicht in der Öffentlichkeit zu nerven - ich denke da oft an den alten Spruch "Kinder soll man sehen aber nicht hören".

Auch Männer haben schwere Probleme, wenn "ihre Geliebte" die Mutter ihrer Kinder wird. Das habe ich an eigenem Leib zu spüren bekommen und kenne auch genug Frauen die ähnliches erlebt haben. Mein Freund mutierte damals zum eifersüchtigen Idioten, wenn ich unseren Sohn stillte, und wenig später war er quasi mein drittes Kind... nein danke - nie wieder.

Psychologisch liegt hier noch einiges im Argen in dieser Gesellschaft.

Gefällt mir
22. Juni 2009 um 12:27

Dazu fällt mir auch noch ein:
Dekret 770

Da gibt es bis heute Tausende Menschen - sie sind mittlerweile erwachsen - die immer noch darunter leiden, dass sie unerwünscht zur Welt gekommen sind. Eine ganze Generation von etwa 2 Millionen Menschen ist daraus hervorgegangen, zwhntausende von Fauen sind bei illegalen Abtreibungen gestorben, ebenso ist eine vielzahl von Frauen verfolgt und bestraft worden, Kinderheime sind übergequollen, Behinderte und kranke Kinder wurden in abgeschotteten Heimen gehalten und viele starben dabei.

Ihr könnt ja mal googlen nach dem Stickwort.

Das kommt dabei raus, wenn man Abtreibung verbietet!

Gefällt mir
22. Juni 2009 um 19:43

Wie bitte?
"abtreibung ist bei uns und in vielen anderen ländern schon lange nicht mehr verboten."

Das ist mir bekannt und ich finde das gut so. Dennoch war es damals dort verboten und viele Menschen hier im Forum würden Abtreibungen immer noch ganz gerne verbieten und bezeichnen sie als Mord und nennen jene Frauen Mörderinnen.
Ich wurde hier schon ganz offiziell als Mörderin beschimpft, weil ich 2 Abbrüche hinter mir habe.

"nach deiner schlussfolgerung dürfte es dann bei uns aber nur noch gewünschte,nicht-behinderte kinder geben und die kinderheime wären bereits abgerissen."

WO habe ich das geschrieben?
Ich arbeite übrigens in einem Kinderheim, bin Pädagogin, habe 2 Kinder und habe absoluten Respekt vor allem Leben. Behinderte Kinder haben ein genauso würdiges Leben verdient wie alle anderen auch und ich finde es einen Skandal, dass ein Staat (damals ja ein Diktator) quais den Befehl gibt dass Verhütung und Abtreibung verboten werden und anschließen dieses "unerwünschte Leben" in Heimen dahinvegetiert.

"und was deine 2 millionen unerwünschter menschen angeht-glaubst du wirklich,dass die alle jetzt lieber tot wären?"

und WO habe ich DAS geschrieben? Es ging im urspünglichen Posting um unerwünschte Kinder, die 2 Millionen die damals geboren wurden, waren nicht gewünscht. Sicherlich wollen sie nicht lieber tot sein. Das habe ich nicht geschrieben und so denke ich auch nicht. Dennoch gibt es viele kaputte zertrümmerte Seelen, die dadurch krank geworden sind, weil sie unerwünscht waren.

"viele menschen leiden unter einer unglücklichen kindheit,doch die ursachen dafür sie mannigfaltig.oft ist ein kind auch gewünscht zur welt gekommen,und dann-aus welchen gründen auch immer-wird es plötzlich nur noch als last empfunden."

Darum ging es aber bei dem Thema nicht! Diese Kinder landen nicht selten bei mir in de Einrichtung, weil sie hochgradig verhaltensauffällig sein. Aber das ist ein anderes Thema.

"abtreibungsgegnern wird immer vorgeworfen,dass sie unrealistische und hetzerische argumente vorbringen.
abtreibungsbefürworter aber anscheinend genauso!"

Ich habe weder jemanden Hetzerei vorgeworfen, noch habe ich selber gehetzt. Es ist eine TATSACHE, dass durch das Dekret 770 2 Millionen Menschen geboren wurden, die nicht geboren wären, dass unzählige Frauen .... stet schon oben, ich widerhole mich jetzt nicht. Es ist einfach ein Beleg dafür, dass druch ein VErbot die Abtreibungen nur anders stattfinden und es viele unewünschte MEnschen gibt, die evtl darunter leiden unerwüsncht zu sein, in welcher Form auch immer!





Gefällt mir
23. Juni 2009 um 16:53

Lilyrose ^^
meine schwester wohnt ebenfalss in österreich, sie hat mich anders belehrt...

informiere dich lieber mal besser....

guten tach noch...

Gefällt mir
24. Juni 2009 um 12:08

Hä??????????????????
"du entwirfst ein mega düsteres szenario und begründest das alles mit dem vorwurf,weil eben mal bei uns abtreibungen verboten waren."

Bei uns war das doch gar nicht, das war in Rumänien!!!! Und es war kein Szenario das ich entwerfe, denn es ist eine Tatsache dass das Dekret 770 das größte Sozialexperimentder Nachkriegsgeschichte war.

Nicht mehr und nicht weniger.
Von human habe ich ÜBERHAUPT nichts geschrieben! Auch brauche ich meine Entscheidungen nicht zu rechtfertigen. Und in meinen Augen habe ich nicht empfindlich reagiert, sondern einfach nur zu dem Urspungsthema den VErweis auf das Dekret 770 gegeben, weil es mir einfach einfiel, da es dort eben auch viele unerwünschte Kinder gab. Natürlich landen nicht alle unerwünschten Kinder - ich bin übrigens selber eines, was meine Mutter nie geleugnet hat - in Heimen oder werden lieblos aufgezogen oder abgeschoben oder oder oder... ABER: Die Tendenz ein unerwünschtes Kind, gerade wenn man es austragen musste, irgendwie loszuwerden - gerade wenn es "auch noch" behindert ist - dürfte höher sein, als das wohl mit einem Wunschkind geschieht.

Und es ist wunderbar wenn eine Frau oder eine Familie sich dennoch für das unerwünschte Kind entscheidet und dieses auch ein schönes Leben hat - und ich habe eines und auch ich habe ein ungeplantes Kind bekommen und ich liebe es!

Gefällt mir
25. Juni 2009 um 10:00
In Antwort auf anna5382

Lilyrose ^^
meine schwester wohnt ebenfalss in österreich, sie hat mich anders belehrt...

informiere dich lieber mal besser....

guten tach noch...

Bin auch aus Österreich...
Meine beste Freundin ist grad in so einer Situation - und es geht NUR BIS ZUR 12. WOCHE!

Gefällt mir
Diskussionen dieses Nutzers