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Das Embryonenschutzgesetz und aktuelle Handhabungsmöglichkeiten

28. Juli 2013 um 9:47 Letzte Antwort: 28. Juli 2013 um 12:22

Ja, so etwas lese ich auch mal ab und an. Damit ich verstehen kann woran sich "Lebensschützer " so hochziehen.

Wie sehr sich dieses Gesetz mit der Möglichkeit abzutreiben beißt leuchtet mir ein. Es ist reichlich unlogisch sich 218a und dieses Gesetz nebeneinander zu legen aber das soll garnicht Gegenstand der Diskusion werden,

MICH würde viel mehr das hier als Basis reizen: http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/eschg/gesamt.pdf

8 Begriffsbestimmung, Absatz 1 (siehe PDF)

WIE passt dieser Paragraph auf unsere Verhütung? Sowohl Spirale, Kupferkette als auch Pille verhindern eine Einnistung gezielt. Wogegen die Pille danach das witzigerweise NICHT darf da sie sonst als frühabtreibendes Mittel zu sehen ist
Sogar ich, als PC, finde das sehr merkwürdig..... Ich darf nicht abtreiben weil > siehe < aber hormonell verhüten ist erlaubt...



Für LESEFAULE

(1) Als Embryo im Sinne dieses Gesetzes gilt bereits die befruchtete, entwicklungsfähige menschliche Eizelle
vom Zeitpunkt der Kernverschmelzung an, ferner jede einem Embryo entnommene totipotente Zelle, die sich bei
Vorliegen der dafür erforderlichen weiteren Voraussetzungen zu teilen und zu einem Individuum zu entwickeln
vermag.

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28. Juli 2013 um 11:36


Ja danke. Ist eine Sache, die mir auch selbst immer Kopferzbrechen bereitet. Grob gesagt ist es ja in etwa so:

1. Zeitpunkt der Befruchtung bis zur vollzogenen Einnistung (eine Woche etwa, vielleicht sogar mehr). Null Schutz des Embryos. Hormonell (Pille, Ring, Implantat, Pflaster, Spritze), mit Entzündungsreaktion des Kupfers (Spirale, Kette) oder theoretisch sogar mechanisch (nur Theorie) kann der Embryo vernichtet werden. Ist rechtlich gesehen ein neutraler Akt, vergleichbar mit Haare schneiden. Keine Beratung, keine Beschränkung, keine Vorbehalte (wie rechtswidrig aber straffrei.

2. Embryo/Fötus ab Einnistung bis 14.SSW. Schutz relativ da. Kann aber straffrei vernichtet werden, wenn Beratung und drei Tage Wartefrist. Keine Kontrolle über die "Gründe". Straffreiheit ergibt sich nur durch die Beratung, rechtlich ist bei der Beratung nicht mal eine Kooperation der Frau vorgeschrieben (sie könnte auf jede Frage der Beraterin eine Melodie summen).

3. 14.SSW bis Geburt. Nur aus medizinischen Gründen. Aber weit definiert. Keine Indikationsliste, auch, in der Praxis vor allem, psychosoziale Gründe spielen eine Rolle (meist: Belastung durch Behinderung des Kindes).

Schon dies ist nicht konsequent. Und auf einmal gibt es das Problem der künstlichen Befruchtung und auf einmal ist der Embryo im Reagenzglas geschützt. Unlogisch, oder? Nur der Aufenthaltsort des Embryos entscheidet über dessen Schutz, wobei paradoxerweise die Vernichtung im üblichen Aufenthaltsort (Körper der Frau) gar nicht geregelt ist.

Aber ich möchte da noch was dagegensetzen. Nämlich dass auch später das Gesetz unlogisch ist. Eine Frau darf in der 28. Woche abtreiben, wenn eine Indikation vorliegt. Sie darf aber nicht ein in der 28. Woch geborenes Kind töten lassen, auch nicht wenn es behindert ist, auch nicht wenn es für sie aus psychischen Gründen eine Belastung ist. Wiederum entscheidet der Aufenthaltsort des Kindes über dessen Schutz.

Für die Juristen und Freizeitjuristen folgern Fall: Eine Frau kann mit medizinischer Indikation eine Schwangerschaft abbrechen. Das Kind wäre mit medzinischen Mitteln aber schon lebensfähig bei einer Frühgeburt. Auf dem Weg zur Klinik für die Abtreibung bekommt sie aber die Wehen. Ab Einsetzen der Wehen (nicht ab "Kopf an der Luft" wie in den USA) handelt es sich aber rechtlich um ein Kind, d.h. sein Leben muss gerettet werden. Was tun die Ärzte? Für eine tödliche Intrauterine Indikation wäre es theoretisch ja zu spät.

Warum bringe ich hier Spät und Frühabtreibungen miteinander in Zusammenhang? Weil das Gesetz eben nicht logisch ist. Da in beiden Fällen ein gleich alter Embryo/Fötus unterschiedlich geschützt ist. Nicht logisch, oder?

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28. Juli 2013 um 12:14

Na was ist denn das?
Meine Links sind weg? warum denn das und der restliche Text steht?

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28. Juli 2013 um 12:22
In Antwort auf hekla_12882460


Ja danke. Ist eine Sache, die mir auch selbst immer Kopferzbrechen bereitet. Grob gesagt ist es ja in etwa so:

1. Zeitpunkt der Befruchtung bis zur vollzogenen Einnistung (eine Woche etwa, vielleicht sogar mehr). Null Schutz des Embryos. Hormonell (Pille, Ring, Implantat, Pflaster, Spritze), mit Entzündungsreaktion des Kupfers (Spirale, Kette) oder theoretisch sogar mechanisch (nur Theorie) kann der Embryo vernichtet werden. Ist rechtlich gesehen ein neutraler Akt, vergleichbar mit Haare schneiden. Keine Beratung, keine Beschränkung, keine Vorbehalte (wie rechtswidrig aber straffrei.

2. Embryo/Fötus ab Einnistung bis 14.SSW. Schutz relativ da. Kann aber straffrei vernichtet werden, wenn Beratung und drei Tage Wartefrist. Keine Kontrolle über die "Gründe". Straffreiheit ergibt sich nur durch die Beratung, rechtlich ist bei der Beratung nicht mal eine Kooperation der Frau vorgeschrieben (sie könnte auf jede Frage der Beraterin eine Melodie summen).

3. 14.SSW bis Geburt. Nur aus medizinischen Gründen. Aber weit definiert. Keine Indikationsliste, auch, in der Praxis vor allem, psychosoziale Gründe spielen eine Rolle (meist: Belastung durch Behinderung des Kindes).

Schon dies ist nicht konsequent. Und auf einmal gibt es das Problem der künstlichen Befruchtung und auf einmal ist der Embryo im Reagenzglas geschützt. Unlogisch, oder? Nur der Aufenthaltsort des Embryos entscheidet über dessen Schutz, wobei paradoxerweise die Vernichtung im üblichen Aufenthaltsort (Körper der Frau) gar nicht geregelt ist.

Aber ich möchte da noch was dagegensetzen. Nämlich dass auch später das Gesetz unlogisch ist. Eine Frau darf in der 28. Woche abtreiben, wenn eine Indikation vorliegt. Sie darf aber nicht ein in der 28. Woch geborenes Kind töten lassen, auch nicht wenn es behindert ist, auch nicht wenn es für sie aus psychischen Gründen eine Belastung ist. Wiederum entscheidet der Aufenthaltsort des Kindes über dessen Schutz.

Für die Juristen und Freizeitjuristen folgern Fall: Eine Frau kann mit medizinischer Indikation eine Schwangerschaft abbrechen. Das Kind wäre mit medzinischen Mitteln aber schon lebensfähig bei einer Frühgeburt. Auf dem Weg zur Klinik für die Abtreibung bekommt sie aber die Wehen. Ab Einsetzen der Wehen (nicht ab "Kopf an der Luft" wie in den USA) handelt es sich aber rechtlich um ein Kind, d.h. sein Leben muss gerettet werden. Was tun die Ärzte? Für eine tödliche Intrauterine Indikation wäre es theoretisch ja zu spät.

Warum bringe ich hier Spät und Frühabtreibungen miteinander in Zusammenhang? Weil das Gesetz eben nicht logisch ist. Da in beiden Fällen ein gleich alter Embryo/Fötus unterschiedlich geschützt ist. Nicht logisch, oder?

Der wesentliche Aspekt ist,
""Nur der Aufenthaltsort des Embryos entscheidet über dessen Schutz, wobei paradoxerweise die Vernichtung im üblichen Aufenthaltsort (Körper der Frau) gar nicht geregelt ist."

dass unser Gesetzgeber (im Idealfall) die Rechte jedes einzelnen zu achten.

Deswegen ist der Aufenthaltort entscheidend.

"Reagenzglas"
Hier sind die Rechte des Embryos/Kindes/Menschen zu beachten, insbesondere seine Würde (nicht als Verbrauchsobjekt für die Forschung verwendet werden) und sein Recht auf Leben und die des Forschers, der Berufsfreiheit und Wissenschaftsfreiheit hat. Berufs- und Wissenschaftsfreiheit sind unwichtiger Mist im Vergleich zu Leben und Menschenwürde. Folglich darf der Staat da mit dem Holzhammer dreinhauen "Wenn du Forscher dem Embryo was antust landest du für 5 Jahre im Knast." Insbesondere, wenn der Forscher eingesperrt ist, kann er dem Embryo nichst mehr antun.

"Körper der Frau"
Hier sind die Rechte des Embryos, wieder Würde und Leben, und die Rechte der Frau, auch Würde (man darf sie ja schliesslich nicht mit küchengeeigneter langer Leine ans Bett ketten, damit sie brav Gebärmaschine ist) und körperliche Unversertheit oder gar Recht auf Leben, betroffen.
Da wiegt nicht das eine schwerer als das andere. Da kann man nicht einfach den Schutz zugunsten der einen Partei machen. Vor allem einfaches wegsperren hindert die Frau nicht mal unbedingt an einer Abtreibung. Folglich kann der Staat hier auch ziemlich milde gegenüber der Frau agieren.
Deswegen ein "Bitte tues nicht, ich versuch auch zu helfen, und in den Fällen ist die Lage so furchtbar, da kann ich gar nichts dagegen sagen."

"28. Woche geborenes"
Hier geht es wieder nur um Würde und Leben des Embryos/Kindes/Menschen. Auf der Gegenseite ist kein Recht betroffen. Ergo kann der Staat hier munter zum Schutz dreinschlagen "Wenn du dem Kind was antust, landest du lebenslang im Knast - ach und wenn du es versuchts und einer von meinen Polizisten ist in der Nähe, dann knallt der dich einfach ab!"


Das ist ein grundsätzliches Prinzip unseres Rechtsstaates, dass die Rechte von jedem zu beachten sind, und damit ist klar, dass der Aufenthaltsort "im Körper der Frau" eine ganz andere staatliche Herangehensweise erfordert als "Reagenzglas" oder "Bett in Neo".

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