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Brief eines Neugeborenen

7. Juni 2008 um 14:44

Liebe Eltern,

ich komme zu euch als ein kleines, unreifes Wesen mit der mir ganz eigenen Persönlichkeit. Ich bin nur kurze Zeit bei euch - genießt mich.

1. Nehmt euch Zeit herauszufinden, wer ich bin, wie ich mich von euch unterscheide und was ich euch geben kann.

2. Bitte gebt mir Nahrung, wenn ich hungrig bin. In Deinem Bauch, Mama, habe ich keinen Hunger gekannt und Zeit und Uhren sind mir noch fremd.

3. Bitte haltet mich nah an eurem Körper, liebkost mich, streichelt mich, küßt mich, erzählt mit mir. In Deinem Bauch, Mama, fühlte ich mich auch immer getragen und ganz nah bei Dir. Ich war da nie allein.

4. Ich hoffe, ihr seid nicht zu enttäuscht, wenn ich nicht das perfekte Baby Eurer Träume und Hoffnungen bin. Seid auch nachsichtig und großzügig mit euch selbst, wenn ihr nicht die perfekten Eltern seid, die ihr so gerne wärt.

5. Erwartet nicht zuviel von mir neugeborenem Baby, und erwartet auch nicht zuviel von euch als Eltern. Gebt uns beiden sechs Wochen - sozusagen als Geburtsgeschenk. Sechs Wochen für mich, daß ich reifen kann, mich stabilisiere und meinen Rhythmus finde und sechs Wochen für euch, wieder allmählich zu euch zu kommen und mich in euer Leben zu integrieren.

6. Bitte vergebt mir, wenn ich viel weine. Habt Geduld mit mir: mit der Zeit werde ich immer weniger weinen und euch mit meiner Gesellschaft erfreuen.

7. Achtet gut auf mich - schaut mir aufmerksam zu, denn ich kann euch auch ohne Worte sagen, was ich brauche, wie ihr mich trösten könnt und was mich zufrieden macht. Ich bin wirklich kein Tyrann, der zu euch gekommen ist, um euch euer Leben zu vermiesen. Aber der einzige Weg, wie ich euch momentan zu verstehen geben kann, daß mir etwas fehlt, ist Weinen.

8. Bitte denkt daran, daß ich ganz schön zäh und widerstandsfähig bin. Ich kann schon viele Fehler aushalten, die ihr anfangs aufgrund eurer Unerfahrenheit natürlicherweise machen werdet. Solange ihr mich lieb habt, kann eigentlich gar nichts schief gehen.

9. Bitte achtet auch auf euch. Seht zu, daß ihr euch ausgewogen ernährt und genügend Ruhe und Bewegung bekommt, damit ihr euch in den Zeiten, in denen wir zusammen sind, gesund und kräftig fühlt. Versucht, zwischen "unwichtig" und "wichtig" zu unterscheiden, seht die Dinge etwas gelassener - dann könnt ihr mich viel besser genießen.

10. Und bitte hegt und pflegt auch eure Beziehung zueinander, weil diese mein Nährboden ist und mir zeigt, wie man Menschen lieben kann.

Wenn ich auch momentan euer Leben ein bisschen durcheinandergebracht habe, so denkt daran, daß dies nur vorübergehend ist.

Ich danke euch beiden.

Euer Kind

(Verfasser unbekannt)

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7. Juni 2008 um 15:25

Ich habe den Text
mal einer Bekannten gegeben, die mich dann danach gleich angegriffen und beleidigt hat. Schade eigentlich

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7. Juni 2008 um 15:35

Naja
Wir hatten vorher schon eine Auseinandersetzung bzgl. unserer Auffassung zum Umgang mit Neugeborenen.
Sie ist der Meinung, das man sein Kind von Anfang an nicht zu sehr verwöhnen soll, schreien lassen soll, etc.

Der Text, meinte sie, sei nur eine Erfindung von verwöhnenden und nicht loslassenkonnenden Eltern.

Manche Frauen sind eben ein wenig komisch ;/

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7. Juni 2008 um 16:14

Wunderschön...
hab grad mal ein paar Tränchen verdrückt...

Vielen Dank braut2604

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7. Juni 2008 um 16:55

Danke
hallo du,

vielen lieben Dank für diesen Brief.

*g* musste gerade etwas schmunzeln wg. des Grundes der Auseinandersetzung. (auch wenn dieser Streit für dich mit Sicherheit nicht toll war.)

Wer aber ein bisschen Ahnung von einem Neugeborenen / Menschen bzw. Psychologie hat, weiß, dass ein Neugeborenes nicht verwöhnt werden kann. Egal wie sehr es "verhätschelt" oder liebkost wird. Neugeborene können von der Gehirnstruktur her noch gar nicht auf Verwöhnen reagieren.
Diese Fähigkeit "erlernt" ein Mensch erst ca. ab dem 1. Lebensjahr.

Also - nicht mehr anmeckern lassen. Wenn diese Aussagen kommen, man sei zu lieb zu seinem Kind, einfach weghören... manche Menschen wissen es nicht besser und wollen es auch gar nicht wissen.
Schade nur für deren Kinder...

Alles Gute euch,
Alamea

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7. Juni 2008 um 17:27

...
danke für den schönen Brief. Musste grad mal sentimental werden und ne Runde heulen. LG Ammelie 19SSW

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7. Juni 2008 um 21:38

Na Super
...bis jetzt hab ich noch den Tag ohne heulen rum gekriegt
Danke!!! Voll süß!!

Eva 15.SSW

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8. Juni 2008 um 10:33

Habe den Text im Stillbuch
von Hannah Lothrop gefunden und musste da auch weinen. Ich habe den dann abgetippt und auf A3 ausgedruckt, in einen Rahmen getan und schön verziert. So hängt der jetzt im Babyzimmer.

Ich denke, es wird guttun, wenn man dann in der ersten Zeit gestresst oder entnervt ist, den zu lesen und sich klarzumachen, dass man gerade beim ersten Kind vielleicht nicht alles richtig macht und halt auch das Kleine eine eigene Persönlichkeit hat, die man akzeptieren muss.


Chrissi (35. SSW)

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8. Juni 2008 um 11:16

Habe
ihn beim stöbern gefunden und fand ih einfach nur schön

LG
Stephie + krümel 12+5 SSW

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