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Bin ich ein schlechter Mensch?

30. August 2011 um 19:25 Letzte Antwort: 3. März 2012 um 0:43

Hallo an alle User.

Immer wieder stoße ich auf dieses Forum. Und kam endlich dazu mich auch zu beteiligen. Ich hatte selber vor vielen Jahren eine Abtreibung hinter mir. Aber ich fange lieber an wie es überhaupt zustande kam.

Mit 21 wurde ich ungeplant schwanger, von einem Mann mit dem ich noch nicht mal in einer richtigen Beziehung war, wir haben in den Tag reingelebt, wie der ganze Freundeskreis damals, keinen regulären Alltag wo ich mein Geld mit ehrlichen Mitteln verdient habe. Als ich erfahren habe das ich schwanger wurde war mir klar abzutreiben, ich, hatte selber kein richtiges Leben wie hätte ich es dann einen Kind anbieten können, habe ich mir gesagt. Ich wollte es schnellst möglich hinter mir bringen, um nicht doch die Meinung zu ändern, gnädiger Weise bezahlte er die Abtreibung. Danach kam für mich die Wende, ich wollte nicht mehr in der Stadt wohnen bleiben, wollte dem Mann nicht mehr in die Augen sehen, der übrigens mich noch geschlagen und ausgenutzt hat. Die ganze Clique die mich negativ beeinflusst hat wollte ich keinen Kontakt mehr haben. Meinen Eltern die bis heute streng römisch katholisch sind und meinen Schwestern konnte ich es nicht zumuten, mich zu beobachten wie ich langsam verwese. Kurzer Hand bin ich weggezogen, je weiter desto besser. In der neuen Stadt fing ich endlich an richtig zu arbeiten, als Lagerhelferin, war auf mich gestellt, aber ganz vergessen konnte ich nie was ich vorher gekannt habe. Zu anderen Menschen bin ich nur zögerlich zugegangen aus Angst wieder in die schiefe Bahn zu geraten. Später lernte ich einen Mann kennen, der mein In der Firma wo ich Berufstätig war als Logistiker arbeitete, wir kamen uns näher nach einem halben Jahr als wir uns kennengelernt haben, haben wir geheiratet und sind es immer noch. Mit der neuen Stadt und ihm habe ich gelernt erwachsen zu werden, Verantwortung zu tragen, einfach ein besserer Mensch zu werden. Nach knapp einem Jahr haben wir, ich mit 26 und er mit 31 unser erstes gemeinsames Kind bekommen. Das ist mein ältester, er ist jetzt 28 Jahre alt, sein Bruder ist 24, beide studieren BWL und unser Nesthäkchen ist 19 Jahre. Unser einzige Tochter, die vor einem Jahr selber ein Mädchen zur Welt gebracht hat. Anfangs war es für sie und ihrem Freund Neuland, aber wir standen alle hinter Ihr. Meine Tochter ist auch neben meinem Mann, die einzige Person die von meiner Abtreibung damals weiß, ich habe es ihr bewusst in der Schwangerschaft erzählt. Sie hat Rotz und Tränen geheult und weiß genau, dass sie mir auch alles anvertrauen kann und liebt mich dennoch. Dieses Jahr begann ihre Ausbildung zur Laborassistentin, die kleine bleibt oft bei mir, und bin glücklich sie zu haben, alle zu haben. Durch meinen Mann habe ich auch wieder Kontakt zu meinen Eltern aufbauen können.

Ich will um Gottes Willen die Abtreibung nicht schön reden. Aber es ist nicht der Untergang, vom Fötus ja. Ich frage mich bis heute ob ich meine Familie überhaupt verdient habe. Ich hatte unheimlich viel Glück einen ehrlichen Mann kennen gelernt zu haben. Ich weiß nicht was wäre wenn ich damals nicht abgetrieben hätte. Jedenfalls hätte ich es mit Hals und Beinbruch schaffen können. Aber es wäre kein schönes Leben gewesen, wie ich es heute habe. Ein Embryo habe ich bei der Abtreibung verloren, kann aber nun meinen 54 Jahren mein Leben mit meinem Mann teilen, habe 3 Kinder und eine Enkelin. Das wäre ohne die Abtreibung nie zustande gekommen. Ich kann offen sagen das ich die Abtreibung nicht mehr bereue.

Ich wünsche jeder Frau, egal wie sie sich entscheidet viel Glück. Es immer einen Weg gibt, ich bin tief gefallen, dass Wüsche in niemanden.

Alles Gute die Mörderin.

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30. August 2011 um 20:35

Ich finde deinen Beitrag verdammt gut und absolut
nicht, dass du eine Mörderin bist.. leider schreibst du nicht wie weit du warst .. vielleicht würd ich mein Meinung leider revidieren müssen, wenn du jetzt sagst, dass du über der 12. Woche warst - aber sonst hab ich bis zu einem gewissen Grad Verständnis.
Und du denkst auch manchmal daran - aber machst es nicht so, als wäre es NIX gewesen, sondern gibst zu, dass du deinem Kind das Leben genommen hast, aus Angst.
Und dass du sagst, dein Leben wäre sonst nicht so verlaufen, ja da hast du Recht.
Ich habe meine FG (nach ungeplanter - aber nach einer halben Stunde akzeptierten und gewollten SS) auch damit am besten verarbeitet, dass ich mir sage, dass es sonst nicht genau diese zwei kleinen Mädchen geben würd, die ich jetzt hab. Und daher versteh ich, was du denkst.

LG

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31. August 2011 um 15:34

Prima
geschrieben.

Endlich mal jemand, der zu seiner Entscheidung gestanden ist und nicht hinter her, alle anderen für sein "Unglück" verantwortlich macht.

Gruss Saraa

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31. August 2011 um 17:52

Danke für die Offenheit
Vielen Dank für deinen Beitrag. Man spürt ihm ab, wie intensiv du mit dem Thema umgegangen bist und umgehst. Ich freue mich für dich, dass dein Leben so eine positive Wendung genommen hat, dass du dich über deine Kinder und die kleine Enkelin freuen kannst!

Trotzdem bezeichnest du dich als Mörderin - nach der langen Zeit. Das lässt vermuten, dass es immer noch Phasen gibt, wo du leidest, trauerst, dich schlecht fühlst. Wenn du den Eindruck hast, doch noch Hilfe beim Verarbeiten zu brauchen, kann ich dir die Beratungsstelle "Aus-WEG" empfehlen. sie haben viel Erfahrung mit Frauen nach Abtreibung und sind sehr einfühlsam. Vielleicht schaust du dir mal die Seiten im Internet an.

Liebe Grüße!
sanjane

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24. September 2011 um 21:46

Schön geschrieben
Ein Super Beitrag, wirklich! Du weiß bestimmt selber das du den richtigen Weg genommen hast. Oftmals kann sowas tragisches wie eine Abtreibung sogar ein Schnittpunkt im Leben sein, und dann zu was besserem führen. Mit dem schlechten Menschen in dir, wie du es beschrieben hast, meinst du es eher sarkastisch, oder?

Ich gehe stark davon aus das dein Thread von manchen gerne übersehen wird, schade eigentlich.

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28. Februar 2012 um 21:16

Ich muss
jetzt diesen Thread auspacken, um mir etwas von der Seele zu schreiben.
Ich fühle mich auch schlecht, da ich vor einigen Jahren eine Abtreibung hatte. Damals war ich 16, mein Freund war sogar erst 15. Es wäre unzumutbar gewesen. Und heute, genau an diesem Tag, wurde ich von jemandem verlassen, weil ich ihm offen und ehrlich gesagt habe, dass ich eine Abtreibung hatte.
Nur deswegen. Es tut mir so sehr weh, dass ich als Mörderin dargestellt werde. Diese Entscheidung war zwar für mich sofort klar, dass ich es nicht behalte, aber es war sehr schwer. Dafür noch immer praktisch gesteinigt zu werden, sogar von meiner Mutter, bricht mir das Herz.

Ich hoffe, ich habe auch einmal das Glück, jemand so verständnisvollen und lieben Mann zu finden, der mich versteht und nicht verurteilt und abwertet...

Sowas bricht einem das Herz...

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29. Februar 2012 um 21:08

XYXYXYXY2
Hallo Du,
ich finde es so traurig, wie abfällig Du über Dich selber sprichst, wie sehr Du Dich verurteilst.
Du schaust Dein Leben im Rückblick an, und hast das Gefühl tief gefallen zu sein, und hast nun das Gefühl, Deine Familie nicht verdient zu haben.
Wenn Du Deine Abtreibung aufarbeiten willst, dass diese Dich nicht länger belastet, dann kannst Du Dich gerne an ausweg-pforzheim.de wenden. Die werden den schweren Weg mit Dir gehen. Er ist schwer, aber lohnenswert. Ich wünsche Dir, dass Dein Leben bald wieder hell und froh werden kann.
LG itemba

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1. März 2012 um 20:16
In Antwort auf esmeri_11872307

Ich muss
jetzt diesen Thread auspacken, um mir etwas von der Seele zu schreiben.
Ich fühle mich auch schlecht, da ich vor einigen Jahren eine Abtreibung hatte. Damals war ich 16, mein Freund war sogar erst 15. Es wäre unzumutbar gewesen. Und heute, genau an diesem Tag, wurde ich von jemandem verlassen, weil ich ihm offen und ehrlich gesagt habe, dass ich eine Abtreibung hatte.
Nur deswegen. Es tut mir so sehr weh, dass ich als Mörderin dargestellt werde. Diese Entscheidung war zwar für mich sofort klar, dass ich es nicht behalte, aber es war sehr schwer. Dafür noch immer praktisch gesteinigt zu werden, sogar von meiner Mutter, bricht mir das Herz.

Ich hoffe, ich habe auch einmal das Glück, jemand so verständnisvollen und lieben Mann zu finden, der mich versteht und nicht verurteilt und abwertet...

Sowas bricht einem das Herz...

Lunax137
Hallo Lunax137,
es ist gut, dass Du Dir dies alles von der Seele schreibst, denn dazu ist das Forum ja da. Wir Frauen brauchen diesen Austausch ungemein. Und es gibt nichts Notvolleres von einem Menschen verlassen zu werden, dann wenn man ihn am Nötigsten braucht.
Gerne kannst Du Dich an ausweg-pforzheim.de wenden, die sind verständnisvoll und werten niemand ab, die sind bereit mit Dir den Weg der Aufarbeitung gehen. Denn wenn Deine Abtreibung aufgearbeitet ist, dann kannst Du auch ganz anders an eine neue Freundschaft herangehen. Ich wünsche Dir, dass es in Deinem Leben bald wieder hell und froh werden kann.
LG Itemba

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2. März 2012 um 18:13
In Antwort auf esmeri_11872307

Ich muss
jetzt diesen Thread auspacken, um mir etwas von der Seele zu schreiben.
Ich fühle mich auch schlecht, da ich vor einigen Jahren eine Abtreibung hatte. Damals war ich 16, mein Freund war sogar erst 15. Es wäre unzumutbar gewesen. Und heute, genau an diesem Tag, wurde ich von jemandem verlassen, weil ich ihm offen und ehrlich gesagt habe, dass ich eine Abtreibung hatte.
Nur deswegen. Es tut mir so sehr weh, dass ich als Mörderin dargestellt werde. Diese Entscheidung war zwar für mich sofort klar, dass ich es nicht behalte, aber es war sehr schwer. Dafür noch immer praktisch gesteinigt zu werden, sogar von meiner Mutter, bricht mir das Herz.

Ich hoffe, ich habe auch einmal das Glück, jemand so verständnisvollen und lieben Mann zu finden, der mich versteht und nicht verurteilt und abwertet...

Sowas bricht einem das Herz...

Hallo Lunax
also, wenn dich jemand (dein Freund?) verlässt, bloss weil du mit 16 einen Schwangerschaftsabbruch hattest, dann solltest du froh sein, dass du diese Person los bist. Solche Fundamentalisten sind es nicht wert, dass man um sie trauert. Dass deine Mutter dich "steinigt" finde ich schon schlimmer. In was für einer Umgebung lebst du denn, sind die noch im Mittelalter? Wie alt bist du?
Du hast in sehr jungen Jahren eine für dich offenbar schwierige Situation gemeistert. Sei stolz, dass du dadurch gereift bist und daraus gelernt hast. Ein Schwangerschaftsabbruch ist nichts, was man einer Frau wünscht, aber es kann nun mal in jedem normalen Frauenleben passieren. Hauptsache du findest auch im Nachhinein, dass der Entscheid damals für dich richtig war. Steh dazu - auch deiner Mutter gegenüber.

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3. März 2012 um 0:43
In Antwort auf an0N_1263088299z

Lunax137
Hallo Lunax137,
es ist gut, dass Du Dir dies alles von der Seele schreibst, denn dazu ist das Forum ja da. Wir Frauen brauchen diesen Austausch ungemein. Und es gibt nichts Notvolleres von einem Menschen verlassen zu werden, dann wenn man ihn am Nötigsten braucht.
Gerne kannst Du Dich an ausweg-pforzheim.de wenden, die sind verständnisvoll und werten niemand ab, die sind bereit mit Dir den Weg der Aufarbeitung gehen. Denn wenn Deine Abtreibung aufgearbeitet ist, dann kannst Du auch ganz anders an eine neue Freundschaft herangehen. Ich wünsche Dir, dass es in Deinem Leben bald wieder hell und froh werden kann.
LG Itemba

Ich
danke euch wirklich sehr für eure lieben Worte!
Ich konnte mit meiner Mutter ein klärendes Gespräch führen, bei dem auch sie sich entschuldigte. Es ist das erste seit damals und ich bin wirklich erleichtert, dass sie mich nun auch besser verstehen kann. Ich sehe das nicht als selbstverständlich an.

Ja, er ist wirklich sehr sehr seltsam. Ich habe noch einmal mit ihm gesprochen, mittlerweile steht er dem zwar neutral gegenüber, aber die Gefühle sind vollkommen weg. Nach 4 Tagen. Da muss mehr dahinter stecken, aber das ist mir egal.

Ich bin sehr froh darüber, dass ihr so liebe Antworten geschrieben habt. In diesem Moment habe ich wirklich das Gefühl gehabt, ich sei eine Verbrecherin und hätte alles falsch gemacht. Aber ich weiß wieder, dass es richtig war und es tut mir unglaublich gut, auch von anderen hier den Rücken gestärkt zu bekommen.
Und die Website werde ich mir mal ansehen, vielen Dank!

Aja, ich bin mittlerweile 20, bald 21, also ist es fast schon 5 Jahre her. Und erst dadurch konnte ich auch lernen, Verantwortung zu übernehmen. Früher war es mir nur ein Begriff, heute habe ich ein Gefühl dafür. Ich hoffe, dass jede Frau dort draußen, die sich nicht sicher ist oder sich auch wie gesteinigt fühlt, eure Worte lesen kann und sich bestärkt fühlt, nichts unrechtes oder falsches getan zu haben!

Und tut mir leid, dass ich den Thread ein wenig Zweckentfremdet habe! :S

Danke!

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