Forum / Schwangerschaft & Kinderwunsch / Schwangerschaft: Abtreibung, Schwangerschaftsabbruch

Adoption schlimmer als Abtreibung

9. Juli 2015 um 17:02 Letzte Antwort: 11. Juli 2015 um 11:01

Aus gegebenem Anlass und weil es hier ja schon vermehrt angesprochen wurde, würde ich gerne von einem Vorfall aus meinem Umfeld berichten.

In meiner MS-Gruppe haben wir vor gut 4 Tagen über unsere schlimmsten Ereignisse geredet. Unter anderem war dort eine Frau, die sich zusammen mit ihrem Mann schon immer ein Kind gewünscht hat, war auch schwanger!
So, jetzt kommt das vermeintlich fatale! Aufgrund der MS ist sie selbst auf andere Hilfe angewiesen und bräuchte schon für ein gesundes Kind sehr viel Kraft, welche sie für sich selbst schon kaum hat. Jetzt hat das Kind wohl im Mutterleib zu wenig Sauerstoff bekommen und kam mit gravierenden Behinderungen auf die Welt, sowohl körperlich als auch geistig. Die Eltern haben sich dann dazu entschieden, dass Baby zur Adoption freizugeben, weil sie es einfach nicht hätten versorgen können! Mutter selbst stark behindert und dann noch das Kind. Das haben sich Beide nicht zugetraut!

Und jetzt der Hammer

Da meinte doch tatsächlich eine aus dem MS-Kreis, wie wären herzlose Monster, totale Egoisten und hätten lieber das Kind abtreiben sollen, anstatt es dann herzlos wegzugeben!
Es vielen noch weitere wüste Beschimpfungen...
Jetzt mal ehrlich, ich war so was von geschockt!!

Ich meine, es war eine verantwortungsvolle Entscheidung! Es stand ja schon vorher fest, das etwas mit dem Baby nicht stimmt, also hätten sie prinzipiell abtreiben können!

So viel ich jetzt verstanden habe, lebt das Kind momentan in einer Pflegefamilie, weil es wohl nicht so leicht zu vermitteln ist.
Und die Mutter selsbt sitzt jetzt im Rollstuhl, hat nach der Schwangerschaft extreme Schübe bekommen, ist ja nicht unüblich, eher normal. Sie und ihr Mann haben jetzt beide den Kinderwunsch aufgegeben, weil sie sich schuldig fühlen, sich ein gesundes Kind zu wünschen!

Jetzt mal ehrlich, was meint ihr denn dazu?
Adoption schlimmer als Abtreibung?

Ich bin ja selbst Pro-Choice und habe abgetrieben, aber selbst ICH meine, Adoption ist immer besser!

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9. Juli 2015 um 21:20

Das
"aber selbst ICH meine, Adoption ist immer besser!"
ist auch meine Meinung.


Wenn ich es "philosophisch" versuche auszudrücken, kommt diese stark andere Meinung von einer anderen Wertung von Leid her, Leid vermeiden, ein leidarmes/-freies und dazu vielleicht ein glückliches Leben wird als einzig sinnvoll angesehen; so als wäre das Leben ein Kinobesuch (oder andere Unterhaltung), wenn der Film gut ist, ist es toll, wenn er zum Würgen ist, geht man besser erst gar nicht rein.


Ich kann darüber nur den Kopf schütteln, denn - da ich auch den Hinweis von Kant richtig finde - hätten alle unsere Vorfahren auch nach dem Motto gelebt, würden wir alle nicht leben, denn vor unserer Wohlstandsblase seit ca. 50-60 Jahren, war der "Film" in den meisten Fällen mäßig bis Mist - Seuchen, Leben und Tod abhängig von der Ernte, 25-50% der eigenen Kinder sterben vor dem 5. Lebensjahr, 5% der Erstgebärenden sterben bei der Geburt und politisch ist das Plündern, Vergewaltigen und Morden von Nachbardörfern,- städten, -länder oder auch allen Ländern, die man erreichen kann, nicht sonderlich verpönt, da hätten in obiger Weise handelnde "Kinobesucher" das Kino bestimmt allesamt auf der Stelle verlassen.

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9. Juli 2015 um 21:34
In Antwort auf carn

Das
"aber selbst ICH meine, Adoption ist immer besser!"
ist auch meine Meinung.


Wenn ich es "philosophisch" versuche auszudrücken, kommt diese stark andere Meinung von einer anderen Wertung von Leid her, Leid vermeiden, ein leidarmes/-freies und dazu vielleicht ein glückliches Leben wird als einzig sinnvoll angesehen; so als wäre das Leben ein Kinobesuch (oder andere Unterhaltung), wenn der Film gut ist, ist es toll, wenn er zum Würgen ist, geht man besser erst gar nicht rein.


Ich kann darüber nur den Kopf schütteln, denn - da ich auch den Hinweis von Kant richtig finde - hätten alle unsere Vorfahren auch nach dem Motto gelebt, würden wir alle nicht leben, denn vor unserer Wohlstandsblase seit ca. 50-60 Jahren, war der "Film" in den meisten Fällen mäßig bis Mist - Seuchen, Leben und Tod abhängig von der Ernte, 25-50% der eigenen Kinder sterben vor dem 5. Lebensjahr, 5% der Erstgebärenden sterben bei der Geburt und politisch ist das Plündern, Vergewaltigen und Morden von Nachbardörfern,- städten, -länder oder auch allen Ländern, die man erreichen kann, nicht sonderlich verpönt, da hätten in obiger Weise handelnde "Kinobesucher" das Kino bestimmt allesamt auf der Stelle verlassen.

Ergänzung:
Der, der das behinderte Kind nicht abtreibt, begeht in der "Kino"-Sichtweise den schweren moralischen Fehler das Kind zu einem Leben zu verdammen, das so schlecht ist, dass man es lieber nicht erleben sollte, durch das Unterlassen der Abtreibung verdammt man das behinderte Kind vermeintlich zu jahrelangem Leiden.

Deshalb ist es auch nicht überraschend, wenn so emotional reagiert wird, die Frau, die sich gegen die Abtreibung entschieden hat, ist in den Augen der anderen letztlich eine Mutter, die ihr Kind foltert.

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9. Juli 2015 um 22:10
In Antwort auf carn

Ergänzung:
Der, der das behinderte Kind nicht abtreibt, begeht in der "Kino"-Sichtweise den schweren moralischen Fehler das Kind zu einem Leben zu verdammen, das so schlecht ist, dass man es lieber nicht erleben sollte, durch das Unterlassen der Abtreibung verdammt man das behinderte Kind vermeintlich zu jahrelangem Leiden.

Deshalb ist es auch nicht überraschend, wenn so emotional reagiert wird, die Frau, die sich gegen die Abtreibung entschieden hat, ist in den Augen der anderen letztlich eine Mutter, die ihr Kind foltert.

Kann so langsam folgen
Dennoch komme ich nicht darüber hinweg, wie sich diese beleidigende Frau benommen hat!

Aber aus deiner Sicht der Dinge findest du es nicht verwerflich, oder?

Weiß nicht, ob ich deinen Text richtig deute^^'

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9. Juli 2015 um 23:31

Das verstehe ich jetzt nicht so ganz
Zitat:

"Eine Behinderung ist nahezu wahrscheinlich."

Auf wenn bezogen? Auf die, die ihr Kind weggegeben hat?

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10. Juli 2015 um 13:19

Wusste jetzt nicht,
weil allgemein ist die Schubrate nach einer Schwangerschaft zwar erhöht, aber eine allgemeine Aussage, das man mit MS schwerstbehindert wird, ist definitiv falsch.

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10. Juli 2015 um 13:47
In Antwort auf lisi_11905691

Kann so langsam folgen
Dennoch komme ich nicht darüber hinweg, wie sich diese beleidigende Frau benommen hat!

Aber aus deiner Sicht der Dinge findest du es nicht verwerflich, oder?

Weiß nicht, ob ich deinen Text richtig deute^^'

Doch,

"Aber aus deiner Sicht der Dinge findest du es nicht verwerflich, oder?"

ihr Verhalten, das Unterlassen der Abtreibung zu verurteilen, ist verwerflich.

Aber selbst wenn ein Verhalten verwerflich ist, macht es trotzdem Sinn zu überlegen, warum sich jemand so verhält.

Und das ist eben meine Vermutung über solche Ansichten, sie denken, dass wenn das Leben eines anderen zu schlecht ist, man gegenüber diesem ein Unrecht begeht, wenn man sein Leben nicht beendet.

Im Grunde genommen, wäre vielleicht sogar auch eine Portion Mitleid angebracht, denn solche Leute sind nahezu Selbstmordgefährdet, sobald ihr Leben zu viel Leid beinhaltet.

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10. Juli 2015 um 15:23
In Antwort auf carn

Doch,

"Aber aus deiner Sicht der Dinge findest du es nicht verwerflich, oder?"

ihr Verhalten, das Unterlassen der Abtreibung zu verurteilen, ist verwerflich.

Aber selbst wenn ein Verhalten verwerflich ist, macht es trotzdem Sinn zu überlegen, warum sich jemand so verhält.

Und das ist eben meine Vermutung über solche Ansichten, sie denken, dass wenn das Leben eines anderen zu schlecht ist, man gegenüber diesem ein Unrecht begeht, wenn man sein Leben nicht beendet.

Im Grunde genommen, wäre vielleicht sogar auch eine Portion Mitleid angebracht, denn solche Leute sind nahezu Selbstmordgefährdet, sobald ihr Leben zu viel Leid beinhaltet.

Ah okay, jetzt verstanden!
Achja, hatte das in den vorigen Posts vergessen zu erwähnen.

Für die Mutter und den Vater ist Abtreibung selbst Mord, darum haben sie auch nicht abtreiben lassen, wenn ich es richtig verstanden habe

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10. Juli 2015 um 15:24

Muss gestehen, kapier ich nicht.
Welchen Fehler meinst du?
Wer hat einen Fehler begannen?

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11. Juli 2015 um 11:01

Man sollte von außen nicht urteilen.
Ich kann verstehen, dass auch jemand mit MS einen Kinderwunsch hat und hofft, es könnte irgendwie gehen, trotz der eigenen Krankheit ein Kind groß zu ziehen. Mein Bruder hat selbst MS und seine Frau Rheuma ... beide haben zusammen drei Kinder. Also, für mich wäre die Diagnose MS nicht zwingend ein Grund für keine Kinder (wobei es sicher schwieriger ist, wenn die Mutter MS hat, als der Vater).

Dass dann das Kind eine so schwere Behinderung hat, dass es klar ist, die MS-kranke Mutter schafft es nicht, dafür zu sorgen, ist nicht voraussehbar gewesen. Wenn Abtreibung für die beiden Mord ist, KÖNNEN sie es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren abzutreiben. Also kann es in der Folge nur darum gehen zu versuchen, dem Kind ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen. Dafür die Adoptionsvariante zu wählen, finde ich überhaupt nicht verwerflich, sondern verantwortungsbewusst. Es ist den Eltern sicher nicht leicht gefallen, sich von ihrem Kind zu trennen. Dass sie nun den Kinderwunsch aufgeben wollen, zeigt das m.E. sehr deutlich.

Trotzdem ist es natürlich fraglich, wer solch ein Kind adoptiert - vielleicht wäre die bessere Variante die gewesen, das Kind zur Pflege frei zu geben? Als Pflegekind würde es vielleicht noch mehr Chancen auf eine aufnehmende Familie haben ...

Wir kennen Leute, die nach der Adoption eines behinderten Kindes von Ärzten UND Lehrern total mies behandelt worden sind, nach dem Motto: "Sie wussten doch, was für ein Kind das ist, Sie hätten es doch nicht adoptieren müssen!"
Bekannte, die ein Kind mit Down-Syndrom bekommen haben, wurde nach der Geburt ein Vorwurf gemacht, warum sie es denn nicht abgetrieben hätten.
Während wir als Pflegeeltern einer Tochter mit geistiger Behinderung die Erfahrung machen, dass es gut ist, quasi ein Amt in der Hinterhand zu haben. Wir bekommen Unterstützung, keine doofen Sprüche.

Leider ist unsere Gesellschaft so, dass Menschen mit starken Behinderungen von den meisten letztendlich als Makel betrachtet werden, als Mängelexemplare, die besser vorher hätte vernichtet werden sollen. Die Möglichkeit, ein Kind mit Behinderungen problemlos auch noch in den letzten Schwangerschaftswochen abzutreiben, führt im Bewusstsein der Menschen eben leicht dazu, dass diese Entscheidung die "richtige" ist ...

LG, Anka

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