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Abtreibungserlebnis als Mann

21. Januar 2012 um 17:04 Letzte Antwort: 31. Oktober 2017 um 18:12

Gestern hat meine Freundin, jetzt Exfreundin, unser Kind abgetrieben. Ich will hier Abtreibung nicht verteufeln. Nur sagen, wie man auch als Mann betroffen werden kann. Die Situation war nicht einfach, aber zu meistern, wir sind schon längstens im richtigen Alter und ich habe obwohl die Lage ja ganz kompliziert war, mich bereit erklärt, für das Kind alles zu tun, was meine Kräfte und meine Finanzen erlauben. Sie hat sich entschlossen das Kind zu bekommen, da war ich ganz froh. Gestern hat sie dann doch abgetrieben. Es kam mir so eiskalt vor. Es ist nicht ideal im Moment mit Kind, also treibt sie ab. Ich schreibe das hier. Helfen kann man mir eher nicht. Aber ich will hier schreiben wie schwer das für einen Mann, der sich auf das Kind freut, ist. Es ist eine Trauer um das verlorene Kind. Aber auch ein Gefühl der Machtlosigkeit. Im legalen Rahmen kann man als Mann nichts machen. Selbst wenn man wirklich alles dafür geben will kann die Frau abtreiben. Ich konnte da nur ganz machtlos zusehen. Es ist auch ein Machtspiel, zuerst freue ich mich weil sie das Kind doch bekommen will und dann geht sie doch abtreiben. Kann man da den Mann nicht mehr einbinden? Das ist doch nicht gerecht. Wenn ein Mann kein Kind will und die Frau doch eines von ihm bekommt, kann man zahlen wie blöd wenn das Kind da ist. Ist es umgekehrt, kann die Frau einfach abtreiben. Ich kann meine Gefühle jetzt nicht beschreiben. Aber ich habe nie gedacht wie sehr es schmerzt.

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21. Januar 2012 um 20:11

Holtmichhierrein
Hallo Du,
ich finde es total klasse, dass Du hier den Mut hast so offen über Deine Situation, Deine Gefühle und Gedanken zu schreiben.
Du hast ganz frisch eine Verlusterfahrung hinter Dir, die mir unendlich leid für Dich tut. Es gibt für einen Mann nichts schlimmeres als machtlos zuzusehen und nichts machen zu können. Mit dieser Erfahrung stehst Du nicht alleine da. Gerne kannst Du Dich bei ausweg-pforzheim.de melden, Herr Klein wird Dir dort Hilfestellung geben, dass Du das Ganze aufarbeiten kannst. Ich wünsche Dir, dass der Schmerz bald aufhören kann, und Du dann wieder nach vorne blicken kannst.
LG Itemba

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21. Januar 2012 um 20:57
In Antwort auf an0N_1263088299z

Holtmichhierrein
Hallo Du,
ich finde es total klasse, dass Du hier den Mut hast so offen über Deine Situation, Deine Gefühle und Gedanken zu schreiben.
Du hast ganz frisch eine Verlusterfahrung hinter Dir, die mir unendlich leid für Dich tut. Es gibt für einen Mann nichts schlimmeres als machtlos zuzusehen und nichts machen zu können. Mit dieser Erfahrung stehst Du nicht alleine da. Gerne kannst Du Dich bei ausweg-pforzheim.de melden, Herr Klein wird Dir dort Hilfestellung geben, dass Du das Ganze aufarbeiten kannst. Ich wünsche Dir, dass der Schmerz bald aufhören kann, und Du dann wieder nach vorne blicken kannst.
LG Itemba


Ich danke dir für diesen Hinweis. Ich werde noch ein wenig in mich gehen, bevor ich schaue, ob ich anderswo Hilfe suche. Ich will zu meinem konkreten Fall keine Details weiter erläutern, aber die Situation war bei uns aus verschiedenen Gründen doch sehr kompliziert. Dennoch war ich sehr froh, als sie mir gesagt hat, dass das mit der Abtreibung nun kein Thema sei, das stand schon ganz fest. Und auf einmal diese Abtreibung. Warum tut sie das? Warum hat sie mir dann zuerst gesagt, dass sie doch nicht abtreiben will? Das ist mega schwierig, als Mann so hilflos dazustehen. Natürlich kann man eine Frau, gerade wenn sie einem viel bedeutet, nicht zu was zwingen. Aber diese ganzen Spielchen und die Machtlosigkeit hat mich ziemlich fertig gemacht. Ich verstehe ja wenn eine Frau keinen anderen Ausweg als Abtreibung sieht, aber wenn das Alter stimmt, man ziemlich gut gesichert ist, dann nur abtreiben weil es nicht geplant war? Ich fühle mich dabei gerade dreifach verschaukelt. Zuerst verkehrte sie mit mir ohne richtige Verhütung, also es hat schon so ausgesehen, als wäre ein Kind sogar willkommen, dann fordert sie meine Unterstützung in der schweren Situation, die ich ihr zusage, so dass ich mich schon auf ein Kind freuen kann und dann bricht sie die Schwangerschaft ab, ohne mir in die Augen zu sagen, dass sie es vorhat. Es ist ein enormes Gefühl der Machtlosigkeit, ich kann nicht mal sagen ob der Verlust des Kindes mich trauriger macht als das Gefühl der Ausgeliefertheit.

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24. Januar 2012 um 19:01

Hey
das ist echt eig nicht fair..finde ich auch..für den mann muss das echt schlimm so machtlos zu sein..finds vorallem schön zu lesen,dass es nicht so ist,dass der mann die freundin belabert..treib ab usw..was man hier ja oft lesen muss,sondern,dass du zu denen gehörst,die so keinesfalls handeln..find das auch schlimm,seine freundin zu drängen.
ich weiß gar nicht,was ich sonst noch schreibst soll..aber als ich deinen text gelesen habe,musste ich einfach antwort..finde,bei dir liest man echt voll den schmerz raus..dass es dir echt weh tut,dass sie EUER Kind abgetrieben hat...ich hoffe,du kommst irgendwann damit zurecht..

ich wünsche dir alles gute..so einen wie dich,würden sich sehr viele frauen wünschen glaub ich..

lg kathy

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25. Januar 2012 um 1:20

Erst einmal, danke,
dass du beweist, dass es auch Männer gibt, die gegen Abtreibungen sind und FÜR das Leben und somit auch ihre Freundin unterstützen wollen.

Schade, dass das Leben so ungerecht ist, dass es zu viele Frauen gibt, die Kinder kriegen, von Männern, die das Kind nicht wollen aber zu wenige Männer gibt, wie dich.

Ich wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit und das dir so etwas nie wieder passiert, aber auch, dass du eine Frau findest, mit der du wundervolle Kinder haben wirst. Verdient hast du es alle Mal.

Liebe Grüße,
Juwel

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31. Oktober 2017 um 16:53

Der Tread ist leider schon über 5 Jahre alt, aber vielleicht meldet sich ja noch jemand. Ich bin gerade in einer ähnlichen, wahrscheinlich noch etwas krasseren Situation: Ich war mit meiner Freundin seit Anfang des Jahres zusammen. Es war, so glaubte ich, die perfekte Beziehung. Schon nach wenigen Monaten begannen wir über Kinder zu sprechen, verzichteten alsbald auf Verhütung. In diese Zeit fiel unser erster Streit. Ich erzählte ihr von gescheiterten Beziehungen, Verletzungen aus der Kindheit und zeigte ihr meine schwache Seite. Drei Wochen später hatten wir einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Sie wurde plötzlich total panisch, entschied sich für die Abtreibungspille. Ich unterstützte sie noch, obwohl ich das Kind wollte. Sie fuhr ins KH, entschied sich aber gegen die Pille. Sagte mir nach ihrer Rückkehr mit einem Lächeln im Gesicht: "Und nun wirst du Papi". Es war der schönste Tag in meinem Leben. Wir erzählten es unseren Eltern und Geschwistern und begannen die Zukunft zu planen. Sie Ende 20, ich Anfang 30 haben keine finanziellen Probleme und unsere Eltern hätten uns sowieo unterstützt. Es verging keine Woche und sie wurde wieder total panisch. Sagte plötzlich, dass sie mit mir kein Kind bekommen könne. Machte mir die wildesten Vorwürfe und sagte, dass sie das Kind wegen meinem Verhalten damals nicht bekommen könnte. Fuhr erneut ins KH und brach die Schwangerschaft ab. Drei Tage danach hat sie mich verlassen. Mit dem Hinweis, dass wenn ich mich damals nicht so verhalten hätte, wir jetzt Eltern werden würden. Mir ist nichts geblieben, außer der tagtägliche Schmerz. Sie fehl(t)en mir jeden Tag. Wochenlang habe ich nichts von ihr gehört, irgendwann im Sommer hat sie mir betrunken eine SMS mit unserem gemeinsamen Lied geschickt. Danach aber den Hinweis nicht ausgelassen, dass ich diese Nachricht ignorieren solle. Habe ich gemacht. Wieder einen Monat später hat sie sich wieder gemeldet, zu meinem Geburtstag. Wir haben uns zweimal getroffen, ich habe kaum was gesagt, ihr aber das Ultraschallbild zurückgegeben, meine letzte Erinnerung daran. Danach fuhr sie in den Urlaub, wieder drei Wochen Funkstille. Dann ein besoffenes SMS meinerseits und irgendwann meldete sie sich wieder. Wir haben uns immer wieder getroffen, aber nie durfte ich sagen, was das alles in mir ausgelöst hatte. Irgendwann wurden die Streitereien dann schlimmer, ich war komplett verzweifelt, hab sie nur noch angefleht und angebettelt zurückzukommen. Wir haben uns geküsst, miteinander geschlafen, ich dachte es könnte wieder werden. Dann bekam ich den nächsten Wutanfall, habe sie angeschrien und das immer und immer wieder. Seit 10 Tagen hat sie den Kontakt komplett abgebrochen mit dem Hinweis, dass wenn ich sie 6 Wochen in Ruhe lasse, sie sich vielleicht wieder meldet im Dezember. Mir ist schon klar, dass ich durchgedreht habe, dass ich mich oftmals nicht richtig verhalten habe, aber ich war in der schwersten Situation ihres Lebens für sie da. Sie sagte nachher bei unseren Gesprächen, das wäre doch selbstverständlich. Aber als ich drei Tage nach der Abtreibung ihre Nähe suchte, sagte sie mir ich solle sie in Ruhe lasse und trennte sich am Tag danach. Ich habe das Gefühl den schlimmsten Alptraum jeden Tag aufs Neue zu erleben und ihr ist es einfach nur egal. Sie muss studieren, arbeiten, sich um sich kümmern. Diese Härte, diese Kälte, dieses Desinteresse macht mich kaputt. Und das nach einem magischen Moment und als wir dieses Kind gezeugt haben. Sozusagen vom Himmel in die Hölle und das innerhalb von drei Wochen. Und sie macht weiter. Ich stehe still und kann nicht mehr.

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31. Oktober 2017 um 18:12

Wenn es so einfach wäre. Ich liebe sie, sonst hätte ich nicht mit 32 Jahren zum ersten Mal und an drei aufeinanderfolgenden Tagen, an ihren fruchtbaren Tagen, unverhütet mit einer Frau geschlafen. 

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